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Saints Row

Back to the Roots: Mit diesem Reboot haucht Violition der kultigen Serie neues Leben ein.

Was hätte man denn noch bitte nach dem dritten und vierten Teil der Saints Row Reihe bringen können, um die Action übertriebener darstellen zu können? Selbst mir würde da nicht viel einfallen. Der letzte Teil der Saints Row Reihe war dermaßen abgehoben, verrückt und völlig übertrieben, dass die Entwickler wohl an ihre Grenzen gekommen sind. Denn persönlich hätte ich es noch verdrehter nicht ausgehalten.

Die letzten beiden Teile waren schon hart an der Grenze des Verträglichen. Daher ging das Studio Violition einen Schritt zurück bzw. mehrere – bis zum Anfang. Ein einer Neuinterpretation der Reihe erfahren wir, wie die Saints Row überhaupt entstanden. Für mich genau die richtige Entscheidung.

Schicke Einöde zum Verwüsten

Saints Row wirft euch in das stille, fiktive Örtchen Santo Ileso, das stark von mittelamerikanischen Städten inspiriert wurde. Ihr habt hier ein bisschen Großstadt-Flair, dort karge Wüstenlandschaft und zwischendurch jede Menge spaßige Dinge zu tun. In diesem Aspekt ist Saints Row nur ein weiteres Open-World-Spielchen. Allerdings mit einer Ausnahme: Es versucht nicht größer, ausufernder und mächtiger zu sein als die Vorgänger oder die Konkurrenz.

Ganz im Gegenteil: Die Karte von Saints Row ist vergleichsweise übersichtlich, wenn man auf Assassins Creed oder andere Konsorten schaut. Und wisst ihr was: Mir gefällt das. So hat der Vervollständiger in mir endlich die Chance alle Winkel dieser Welt abzugrasen, ohne dafür extra Urlaub zu beantragen. Aber das ist noch nicht alles, was mir hier gefällt.

Kommen wir kurz zur Geschichte: Bei Saints Row erstellt ihr euch nach einem spannenden Prolog einen eigenen Boss, mit dem ihr das Spiel bestreiten werdet. Dabei habt ihr jede Menge Freiheiten. Gender technisch dürft ihr euch frei austoben. Wieder einmal ist auch ein Schieberegler mit an Bord, mit dem ihr den Brustumfang oder die Größe eures Gemächts einstellen können. Das hat natürlich keine Auswirkungen auf das eigentliche Spielgeschehen, ist aber dennoch ein lustiges Detail.

Stirb langsam lässt grüßen

Aber allzu sehr geblödelt wie in den letzten Teilen wird diesmal nicht. Saints Row schlägt einen leicht ernsteren Ton an. Jetzt aber nicht falsch verstehen: Hier ist immer noch alles noch Over the Top, aber eben nicht mehr ganz so sehr, wie sonst. Es ist viel mehr wie ein Bruce Willis Film aus den 90er-Jahren. Hauptdarsteller seid ihr und eure drei Freunde, mit denen alles anfing: Neenah, Eli und Kevin. Alle vier leben in einer WG zusammen. Spannend an dieser Konstellation: Zwei eurer Freund gehören unterschiedlichen Gangs an, während ihr anfangs noch den ordnungshütenden Marshals unter die Arme greift. Wie daraus später die legendären Saints werden, erfahrt ihr Laufe der Story. Mehr wird jedenfalls noch nicht verraten.

Das Konzept ist im Grunde ein Abziehbild eines Open-World-Spiels – allerdings habe ich genau darauf gewartet. Es macht Spaß sich einfach eine Karre zu klauen und damit durch die Stadt zu hetzen, sich eine Waffe anzulegen und damit Chaos anzurichten. Saints Row hat seinen Spielkasten gut im Griff. Hin und wieder tauchen einige Bugs auf, die eher zum Lachen als störend sind.

Wenn mein Boss beispielsweise aus einem Auto steigt, die Tür schließt und sich dabei immer wieder die Schulter stößt, gehört das für mich fast schon zum Spiel. Auch die Flugeinlagen mit dem Wing Suit können haarsträubend enden und verursachten des Öfteren ein Lächeln auf meinem Gesicht.

Fuhrpark mit Wumms

Apropos Fortbewegungsmittel: Hier hat Saints Row ebenfalls einiges zu bieten. Mit den Autos lässt sich herrlich viel Zerstörung anrichten. Dabei pfeift das Spiel auf ein physikalisch korrektes Erlebnis und stellt das Chaos in den Mittelpunkt. So brause ich mit einem Monstertruck mit 100 Sachen über die Autobahn und zerquetsche alles, was sich mir in den Weg stellt. Oder ich befestige ein Meth-Labor mit einem Abschleppseil an meinen Pickup, das dann zu einem tödlichen Geschoss wird. Hoch in der Luft habe ich mit dem Helikopter die volle Übersicht. Und wer findig ist, bekommt bald auch ein Hover Board, bei dem Zurück in die Zukunft Vibes aufkommen.

Je weiter ihr die Story spielt, desto mehr Möglichkeiten bekommt ihr geliefert. Auf eurem Smartphone schaut ihr euch Einsätze und mögliche Nebenaktivitäten an. Stück für Stück kommen neue Apps hinzu. So müsst ihr eine Foto-Schnitzeljagd machen, Autos stehlen, Geheimnisse entdecken, Windräder untersuchen, besondere Stunts abziehen oder Herausforderungen bestehen. Es gibt viel zu tun, wenn ihr möchtet. Erst nach der Hälfte der Hauptgeschichte habt ihr die volle Bandbreite an Freizeitaktivitäten.

Charakter-Entwicklung light

Für ein bisschen Rollenspiel-Element hat Violition ein Level-System eingebaut: Je mehr Punkte ihr sammelt, desto höher steigt ihr im Level. Das beschert euch immer wieder neue Fähigkeiten. Anfangs steckt ihr dann einem Feind eine Granate in die Hose und werft ihn auf seine Freunde. Später habt ihr dann Annährungsminen, eine flammende Faust oder Rauchgranaten. Bis zu vier Fähigkeiten dürft ihr gleichzeitig auf euren Aktionsknöpfen verteilen.

Grafisch ist Saints Row dann eher nicht am Puls der Zeit. Es sieht teilweise echt stark aus, aber bei den Animationen oder Nahaufnahmen, merkt man der Engine an, dass sie etwas älter ist. Aber insgesamt geht das völlig in Ordnung. Auch die Unterhaltungen sind keineswegs so stumpf und nervend, wie ich es anfangs befürchtet habe. Hier ist niemand pseudo-cool oder absolut hip – und das gefällt mir sehr gut.

Fazit

Saints Row ist aus meiner Sicht ein guter Start für einen Neuanfang der Reihe. Viele sagen zwar, dass es das nicht gebraucht hätte, aber für mich kam dieses Spiel genau zur rechten Zeit. Die Geschichte unterhält, die Welt ist ein riesiger Spielkasten und das Gameplay ist kurzweilig – was will man mehr?!

Wer auf Open-World-Spiele steht, sich aber nicht in hundert Stunden jede Nebenaufgabe reinziehen will, sollte zu den Saints Row greifen: Hier ist alles verhältnismäßig kompakt – immer auf Spaß und Chaos getrimmt. Die technischen Bugs, die immer mal wieder auftauchen, sind da nicht sonderlich stören. Besonders dann nicht, wenn sie ein verrücktes Spiel noch verrückter machen. Nun wisst ihr: Die Saints sind wieder da!

Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: saintsrow.com