Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich bis zum ersten Anspielen noch nie etwas von „Sakura Wars“ gehört hatte. Nach etwas Recherche war ich erstaunt: Es handelt sich dabei um eine der stärksten IPs von Sega – und das will was heißen. Zu meiner Verteidigung kann ich aber sagen, dass „Sakura Wars“ damals im Jahre 1996 auf dem Saturn sein Debut feierte – und ich hatte keins. Auch nicht einer meiner Freunde.
Außerdem erfreute sich die Marke lediglich in Asien großer Beliebtheit, was ebenfalls ein Grund für meine Unkenntnis sein könnte. Apropos Asien: Dieser softe Reboot von „Sakura Wars“ kam dort bereits letztes Jahr auf den Markt. Erst jetzt können wir in Europa ins Spiel eintauchen. In diesem Teil spielen wir einen Marine Offizier namens Kamiyama.
Als Setting haben wir es mit einem feudalen Japan samt Steampunk-Elementen zu tun – schon mal ziemlich interessant. Als Kamiyama in Tokyo am Bahnhof kommt, wird er Zeuge eines dämonischen Angriffs. Zum Glück ist ein Schimärenstreiter in der Nähe und erledigt das Viech.
Die zwei ungewöhnlichen Fakten an der Situation: Der Schimärenreiter ist ein mächtiger Mech und dieser Dämon galt eigentlich als Ausgerottet. Langsam wird klar, in welche Richtung sich „Sakura Wars“ bewegt. Aber wartet ab …
Jetzt wird’s blumig
Am kaiserlichen Theater wird Kamiyama kurzerhand als Befehlshaber rekrutiert und muss fortan für die Verteidigung der Menschheit sorgen – und den Ruf der Truppe. Denn die Blumendivision galt einst als Vorzeigetruppe im ganzen Land. Doch das ist lange vorbei. Der Status ist angekratzt und Kamiyama könnte das wieder ändern.
Anders als ihr jetzt vielleicht erwarten möget, muss Kamiyama nicht etwa direkt gegen jeden und alles kämpfen – nein, nein. Er hat nun die Oberhand über die Theatergruppe. Mit ihrem Spiel soll sie den Menschen Hoffnung in der Zeit des Friedens geben. Ja, die Story ist etwas merkwürdig, trifft aber wohl den Geschmack mancher Anime-Fans.
Ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail ist die Besetzung des Theaters: Die gesamte Blumendivision besteht aus jungen Frauen. Als Hahn im Korb liegt daher also immer etwas erotische Spannung in der Luft – auch das ist typisch japanisch. Jedenfalls nimmt „Sakura Wars“ von da an eine andere Wendung an: Ihr müsst immer wieder flirten, was das Zeug hält.
Dabei steht euch das „LIPS“-System zur Verfügung, in dem ihr euch in einer Art Quick-Time-Event immer wieder in Dialogen für Antworten entscheiden müsst. So beeinflusst ihr die Zuneigung euerer Mitstreiter.
Zwei-Knöpfe-Action
Neben dem Flirten hat Kamiyama aber auch die Aufgabe, die Theatertruppe vor der Auflösung zu retten. Das schafft er nur, wenn er die Kampftruppenolympiade gewinnt – keine leichte Sache. Dazu wirft er sich immer wieder in einen Mech und bekämpft Dämonen. Das geschieht in klassischer Hack’n Slay Manier: Macht euch auf kurzweiliges Kombo-Geschnetzel á la „Devil May Cry“ gefasst – ohne jedoch zu sehr in die Tiefe zu gehen.
Den Großteil der Story erlebt ihr als eine Art interaktive Visual Novel, die immer wieder mit leicht anrüchigen Momenten auflockert. Persönlich war es mir an manchen Stellen zu kitschig und zu dialoglastig. Aber das mag auch daran liegen, dass ich noch nicht sonderlich viel Erfahrung mit diesem Genre habe.
Die eigentliche Story hat mich jedenfalls gut unterhalten. Apropos: Musikalisch macht „Sakura Wars“ schon was her. Die Melodien im Hintergrund sind nie zu aufdringlich und recht stimmig geworden. Bei der Synchro scheiden sich jedoch die Geister. Alles ist prima vertont – keine Frage. Allerdings nur auf Japanisch, was dann doch etwas ärgerlich ist, wenn man gerne eine englische Tomspur gehabt hätte. Aber Schwamm drüber.
Der Stimmung tut es keinen Abbruch. Grafisch befindet sich „Sakura Wars“ auf einem recht soliden, wenn auch nicht sonderlich herausragenden Niveau. Die Szenen mit den Dialogen sind jedenfalls liebevoll gezeichnet und transportieren den Anime-Charme gut rüber.
Fazit
„Sakura Wars“ ist eine wilde Mischung aus Action RPG, Visual Novel und Dating App. Nichts davon verlangt sonderlich viel Können von euch oder geht arg in die Tiefe – dennoch sorgen die einzelnen Mechanismen für gute Unterhaltung.
Persönlich hätte ich es schön gefunden, wenn das Kampfsystem noch stärker in den Fokus gerückt wäre als diese teils sehr kitschigen Dialoge – aber manchen Fans wird genau das auch gefallen. Sei’s drum: Mit diesem soften Reboot von „Sakura Wars“ hat Sega jedenfalls eine gute Basis geschaffen, um die Reihe erneut (oder diesmal auch im Westen) im alten Glanz erstrahlen zu lassen.
Erhältlich für: PS4
Website: games.sega.com/sakurawars/lang/en