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Sands of Aura

Soulslike auf dem Sandmeer – sperrig, aber stimmungsvoll.

Sands of Aura hat mich überrascht: Es ist eines dieser Spiele, die nicht alles perfekt machen, aber durch Welt, Stimmung und Grundidee deutlich länger im Kopf bleiben als manch glattere Genre-Konkurrenz.

Wenn ihr euch auf ein düsteres Action-RPG einlassen könnt, das Soulslike-Kämpfe mit freier Erkundung und einer melancholischen Sandmeer-Welt verbindet, bekommt ihr hier ein raues, aber ziemlich faszinierendes Abenteuer. Zudem mischen sich auch noch Zelda- und Diablo-Vibes mit ein. Also ganz spannend.

Eine Welt aus Sand und Asche

Die Prämisse ist stark: Talamhel wurde von einer Katastrophe verschlungen, die Zeit zerbrach, und aus der einstigen Welt wurde ein endloses Meer aus Sand, über das ihr mit eurem Schiff von Insel zu Insel segelt. Genau dieses Bild trägt das ganze Spiel, denn Sands of Aura wirkt nicht wie das nächste generische Fantasy-Soulslike, sondern eher wie eine sterbende Märchenwelt, die unter Dünen, Nacht und göttlichem Verderben begraben wurde.

Besonders gelungen finde ich dabei, wie das Spiel seine Atmosphäre aufbaut. Ruinen ragen wie Grabsteine aus dem Sand, Musik und Umgebungsgeräusche bleiben oft eher zurückhaltend und unheimlich, und selbst ruhige Fahrten über das Sandmeer haben etwas Einsames und leicht Bedrohliches. Das sorgt dafür, dass ihr nicht einfach nur von Dungeon zu Dungeon hetzt, sondern die Welt als verwundet und verloren wahrnehmt. Schon die ersten Minuten waren faszinierend.

Erkundung statt Wegpunkt-Tourismus

Ein großer Reiz von Sands of Aura ist, dass euch das Spiel vergleichsweise wenig an die Hand nimmt. Ihr setzt Kurs über die Sandsee, entdeckt Inseln eher organisch als über eine Checkliste und stoßt dabei auf handgemachte Gebiete mit Geheimwegen, Abkürzungen, Beute und eigenen kleinen Geschichten. Es war auch dieser Entdeckerdrang, der mich motiviert hat. Das hebt das Spiel für mich von vielen anderen Genrevertretern ab, weil Fortschritt hier oft stärker aus Neugier als aus Marker-Abklappern entsteht.

Allerdings ist das auch ein zweischneidiges Schwert. Was für die einen immersive Freiheit ist, kann für die anderen schnell in Orientierungslosigkeit kippen, denn Sands of Aura verzichtet bewusst auf klare Führung. Dabei nimmt es in Kauf, dass ihr zwischendurch schlicht nicht genau wisst, wo es als Nächstes hingehen soll. Wenn ihr gerne selbst euren Weg findet, ist das ein Pluspunkt; wenn ihr in Action-RPGs lieber sauber geleitet werdet, kann euch das Spiel damit auch nerven.

Kämpfe, Builds und die guten Ideen

dazwischen Im Kern ist Sands of Aura ein forderndes Action-RPG mit klarer Soulslike-DNA. Kämpfe verlangen Timing, Ausdauer-Management und Aufmerksamkeit. Gleichzeitig setzt das Spiel stark auf Beute, Crafting und Individualisierung. Besonders spannend ist das Waffensystem: Aus vielen Komponenten lassen sich zahllose Waffen zusammenbauen. Außerdem gibt es unterschiedliche Kampfstile, Rüstungen, Runen und magische Verbesserungen, mit denen ihr euren Charakter recht frei formen könnt.

Genau hier liegt für mich eine der größten Stärken des Spiels. Sands of Aura wirkt nicht wie ein bloßer Souls-Klon, sondern bringt mit seinem Fokus auf Item-Fortschritt, Waffenbau und isometrisch wirkender Perspektive einen eigenen Dreh hinein. Wenn ihr Freude daran habt, Ausrüstung zu optimieren und an eurem Kampfstil herumzutüfteln, bietet das Spiel mehr ich erwartet hätte.

Wo der Sand ins Getriebe gerät

Ganz rund läuft das Abenteuer aber nicht. Zunächst musste ich mich an die Steuerung gewöhnen: alles ist hier einen Tick anders als bei Genrevertretern. Springen mit Y auf dem Xbox-Controller, zum Beispiel. Aber nach einer Weile geht das ganz gut.

Der Kampf ist die nächste Herausforderung: Dieser ist zwar grundsätzlich sehr befriedigend, gleichzeitig aber stellenweise auch etwas steif. Vor allem dann, wenn Gegnergruppen dichter werden oder die Lesbarkeit unter der Perspektive leidet. Dazu kommt eine Kamera, die in ungünstigen Momenten Gefahren verdecken kann, was gerade in einem Spiel mit harten Kämpfen schnell unnötig frustriert.

Auch das Pacing schwankt. Manche Inseln und Dungeons bleiben durch ihre Atmosphäre und ihr Layout positiv hängen, andere fühlen sich kürzer oder weniger prägnant an, sodass das Abenteuer nicht über die komplette Laufzeit dieselbe Wucht hält. Für mich klingt das nach einem Spiel mit klarer Vision, das seine besten Momente brillant trifft, dazwischen aber nicht immer denselben Feinschliff erreicht.

Fazit

Sands of Aura ist kein makelloses Soulslike, aber ein eigenständiges und stimmungsvolles Action-RPG, das euch mit Sandmeer-Erkundung, düsterer Welt und flexiblen Build-Systemen mehr bietet als bloße Genre-Nachahmung. Wenn ihr Lust auf eine melancholische Reise habt, euch etwas Orientierungslosigkeit nicht abschreckt und ihr kleine Indie-Kanten verzeihen könnt, dann steckt hier ein richtig interessantes Abenteuer drin - sofern ihr den leicht zähen Einstieg überwunden habt.

Wenn ihr dagegen vor allem präziseste Kämpfe, perfekte Kameraarbeit und eine konsequent geführte Struktur erwartet, werdet ihr an Sands of Aura wahrscheinlich häufiger anecken. Für mich ist es deshalb kein großer Soulslike-Pflichtkauf für alle, aber sehr wohl ein Spiel, das genau bei den Leuten hängenbleiben dürfte, die raue, atmosphärische Welten lieber entdecken als nur effizient abhaken wollen.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: store.steampowered.com/app/1119840/Sands_of_Aura