Ich muss gestehen: Als ich die ersten Bilder zu Scarlet Nexus letztes Jahr gesehen habe, war ich neugierig, aber nicht sonderlich gehypet. Das Werk von Bandai Namco sah zwar interessant aus, aber auch etwas „normal“ – jedenfalls wenn man sich oft Anime-Sendungen anschaut. Nun durfte ich aber selbst Hand anlegen und kann euch meine detaillierte Meinung mitteilen – und die fällt durchweg positiv aus.
Alles schon gesehen?
Zunächst einmal spielt Scarlet Nexus in einer dystopischen Zukunftswelt, die mal wieder von bösen Wesen heimgesucht wurde. All das ist nicht neu und wird auch in Scarlet Nexus nicht um weitere Details bereichert. Allerdings lenkt die Spielwelt auch nicht weiter vom eigentlichen Geschehen und der Story ab. Im Mittelpunkt eurer Reise stehen die beiden Hauptcharaktere Yuito und Kasane.
Yuito ist Meister im Nahkampf, während Kasane eher zu raumgreifenden Attacken neigt. Soweit, so normal – würde ich sagen. Der Clou an den beiden Charakteren: Ihr müsst euch gleich zu Beginn für einen der beiden entscheiden. Denn bei einem Spieldurchgang erlebt ihr nur die Geschichte eines Charakters. Erst durch zweimaliges Durchspielen bekommt ihr den vollen Durchblick. Das hatte mir damals schon an Resident Evil 2 oder Nier Automata sehr gut gefallen.
Bei Scarlet Nexus ist dieses zweifache Durchspielen keinerlei künstliches Aufblähen der Inhalte, sondern macht einerseits Laune und sorgt andererseits für eine interessante Story-Erweiterung. Also kurz gesagt: Das lasse ich mir gerne gefallen. Zumal euer Charakter beim zweiten Durchgang schon gleich stärker ist und Dialoge übersprungen werden können.
Lange Rede, langer Sinn?
Bei den Dialogen wären wir schon gleich beim nächsten Thema: Ihr braucht einen langen Atem, wenn ihr die Story in vollen Zügen genießen wollt. Denn Scarlet Nexus legt einen Hauptfokus auf die Geschichte – und dazu gehören nun mal auch typisch japanische Dialog-Passagen, die ihre Längen haben können. Als ich mich beim ersten Durchgang für Kasane entschieden habe, ging es gleich danach mit einer schicken Cutszene los.
Das Kampfsystem wurde anschließend in einem knappen Tutorial eingehend erklärt und hat mich direkt in seinen Bann gezogen – mehr dazu im nächsten Abschnitt. Doch als ich dann raus wollte in diese Welt, folgte ein Dialog auf den nächsten. Es kam mir zu Beginn fast immer wie eine gemeine Zwangspause vor, wenn ich mal kämpfen durfte, aber danach wieder quatschen musste.
Denn die Kämpfe haben es wirklich in sich: Kasane setzt sich eindrucksvoll mit magischen Projektilen zur Wehr, die sie wild durch die Gegend schleudert. Hinzu kommen telekinetische Kräfte, mit denen sie sogar Autos durch die Luft wirbelt und auf Gegner schmettert. Das geht dermaßen locker von der Hand, dass die Zeit beim Fighten wie im Flug vergeht – das spricht schon sehr für Scarlet Nexus.
Im späteren Verlauf erlernt ihr immer weitere Fähigkeiten, die ihr dann geschickt einsetzen solltet, um die Gegner zu dominieren. In dieser Hinsicht ist Scarlet Nexus ein Traum.
Spaß in jeder Pore
Aber nicht falsch verstehen: Auch die Story um Widerstandskämpfer und böse Aliens kann sich sehen lassen. Nur persönlich bin ich nicht so der Fan von ellenlangen Dialogen, die etwas öde präsentiert werden. Sieht man davon ab, entwickelt Scarlet Nexus seine Charaktere wunderbar weiter und gibt ihnen eine Tiefe, die ich so nur aus der Persona-Reihe kenne. Ihr könnt auch Freundschaften knüpfen, die euch dann später in den Kämpfen weiterhelfen.
Allerdings übernehmt ihr immer nur den Hauptcharakter – auch wenn ihr in einer Truppe von Kämpfern unterwegs seid. Das hilft aber gegen die teils gigantischen Gegner, die sehr surreal daherkommen. Das Artdesign ist wirklich gelungen: Hier mutieren alltägliche Gegenstände zu monsterhaften Figuren – ein einzigartiger Look, der Scarlet Nexus zu etwas Besonderem macht.
Zwischen zwei Welten
Grafisch merkt man dem Spiel den Spagat zwischen der neuen und alten Konsolengeneration schon an. Die tollen Animationen und das schnelle Gameplay lassen einen aber die manchmal sehr leblose Außenwelt vergessen. Rottöne dominieren hier das Geschehen. Bevor ich es vergesse: Erwartet bei dem Actionrollenspiel jetzt aber keine Open World: Scarlet Nexus nimmt euch behutsam an der Hand und führt euch durch schlauchartige Level, in denen ihr den Gegnern einheizen dürft.
Fazit
Lohnt sich Scarlet Nexus? Auf jeden Fall! Das Spiel könnte zwar an der ein oder anderen Stelle noch ausgereifter sein – Stichwort Grafik und Präsentation. Allerdings überzeugt das Kampfsystem und die coole Story aus Sicht zweier Charaktere. Die knapp 20 bis 25 Stunden, die ihr für einen Durchgang benötigt, sind gespickt mit irrsinnigen Feinden, verrückten Twists und Action am laufenden Band. Für mich bereits jetzt ein kleines Highlight dieser Spielesaison.
Erhältlich für: Xbox, Playstation, PC
Website: bandainamcoent.eu/scarlet-nexus/scarlet-nexus