Unterhaltung Games

Scars Above

Ein Hauch Souls-like auf einem fremden Planeten: Dieser B-Movie-Action-Titel hat überzeugende Argumente.

Irgendwie hatte ich was anderes erwartet, nachdem ich die ersten Trailer zu Scars Above gesehen hatte: Ich dachte bei dem Werk der Mad Head Games und Publisher Plaion, dass mich hier ein Action-Shooter in Sci-Fi-Gewand erwartet. Dass hier aber Souls-Vibes mitschwingen kam genauso unerwartet wie überraschend. Denn dadurch spielt sich Scars Above ein ganzes Stück interessanter.

Wir sind nicht allein

Die Geschichte von Scars Above geht gleich in die spannende Phase: Eine gigantische Pyramide aus dem All bedroht die Erde. Das Gebilde wird nur der Metahedron genannt. Die Menschheit sieht auf der einen Seite darin Hoffnung, hat aber auch Angst vor den Bewohner:innen dieses Gebildes. Also starten eine Handvoll Menschen ins All, um die Ankömmlinge zu begrüßen bzw. zu untersuchen.

Ihr übernehmt dabei die Rolle von Kate, einer der Auserwählten, die Menschheitsgeschichte schreiben dürfen. Gemeinsam mit ihrem Captain Richards und ihren beiden Freund:innen wagen sie sich mit ihrem Raumschiff in die Nähe des stillen Giganten. Und dann plötzlich rührt sich das Ding. Kate wacht urplötzlich auf einem fremden Planeten auf und weiß nicht mehr, was geschehen ist. Von ihrem Team keine Spur. In den nächsten zehn bis zwölf Stunden sollt ihr herausfinden, was hier vor sich geht.

Wie ein guter B-Movie

Die Prämisse von Scars Above klingt schon mal nicht schlecht. Was euch gleich bewusst sein sollte: Das Budget für den Titel war jetzt nicht immens groß und ich würde es eher in die AA-Spalte einsortieren. Denn rein am technischen Gewand erkennt ihr schon, dass hier viel Feinschliff möglich wäre. Das soll nicht heißen, dass Scars Above schlecht aussieht. Nur die Animationen und Umgebungsdetails sind doch eher Mittelmaß. Aber das Gameplay reißt das wieder raus.

Denn spielerisch habt ihr es hier mit einem Third-Person-Abenteuer mit leichten Dark Souls Anlei-hen zu tun. Die Gegner halten euch besonders zu Beginn sehr gut auf Trab. Ein paar falsche Bewegungen und das war es mit Kate. Aber ganz so unerbittlich wie Dark Souls ist Scars Above dann auch wieder nicht. Sobald ihr den Dreh heraus habt, werdet ihr sogar mit kleineren Horden von Feinden gut fertig. Das liegt aber auch daran, dass Kate immer schlagkräftiger wird über während ihrer Reise in der fremden Umgebung. So findet sie schnell eine Art Lasergewehr, das ihr fortan als Multifunktionswaffe dient.

Vielseitige Wumme

Die Levelstruktur ist dabei streng linear und meist sehr schlauchig. Nur hier und da gibt es Abzweigungen, die sich allerdings meist lohnen: Oft warten hier Erfahrungspunkte oder andere versteckte Objekte auf euch. Eure Waffe rüstet ihr durch das Spielen der Story quasi automatisch immer wieder auf: So verschießt ihr bald neben Elektrostrahlen auch Feuerkugeln, Eisfontänen oder Säurebällchen.

Außerdem findet Kate sehr nützliche Unterstützungsgadgets wie einen Schutzschild, Flammengranaten oder weitere Accessoires, die sie auf Knopfdruck nutzen darf. Dabei ist dieses Kampfsystem interessant gestaltet: Scars Above erlaubt euch nämlich nur eine ausgerüstete Spezialfähigkeit. Per Schnellauswahl könnt ihr diese aber auch jederzeit – auch im Kampf – wechseln. Aber ihr solltet immer überlegen, was gerade hilfreich sein könnte.

Stirbt Kate mal, dann wird sie am nächsten Lagerfeuer … pardon … an der nächsten Lichtsäule wiederbelebt. Außerdem füllt sich dann ihre gesamte Munition auf und ihre Heilspritzen. Natürlich sind dann aber auch wieder sämtliche Gegner – bis auf Bosse – wieder von den Toten auferstanden, wenn Kate hier rastet. Kennen wir alles irgendwo her, macht aber dennoch Laune. Was Kate jedoch nicht verliert bei einem digitalen Ableben: Ihre Erfahrungspunkte. Diese dürft ihr immer sicher hüten und jederzeit einsetzen – auch fernab der Lichtsäule.

Die Fähigkeiten umfassen beispielsweise mehr Lebensenergie oder Ausdauer, höhere Munitionskapazität, einen besseren Scanner zum Aufspüren von Objekten und viele weitere praktische Dinge. Je mehr Fähigkeiten ihr erlangt habt, desto mehr Ebenen schalten sich hier frei und ihr bekommt Zugriff zu mächtigeren Skills. Das motiviert und lässt ein klein wenig euren eigenen Spielstil durchschimmern.

Nicht nur stupide Action

Zwei Dinge haben mich an Scars Above sehr unterhalten: Zum einen waren es die Boss- oder Zwischenkämpfe gegen dickere Gegner. Dann muss Kate geschickt mit ihren Waffenaufsätzen herumexperimentieren, um die Schwachstellen zu lokalisieren und anzugreifen. Dabei kommt es zu interessanten Kombis: Regnet es beispielsweise und ihr beschießt eure Gegner mit Eis, frieren sie ein. Mit Brandbeschleuniger getroffene Gegner … nun ja … brennen eben sehr gut. Auf diese Weise könnt ihr ausprobieren, welche Taktik gerade gefragt ist. Der Scanner bietet euch zudem die Möglichkeit, Schwachstellen ausfindig zu machen.

Die zweite Sache, die mir bei Scars Above besonders gut gefiel, sind die Umgebungsrätsel: Hier müsst ihr auch immer wieder euren Grips und eure Waffe einsetzen, um weiterzukommen. Seen könnt ihr zufrieren, Spinnweben abfackeln oder Schaltkreise mit dem Strom anschalten. Das ist alles nicht neu oder einzigartig, bringt aber frischen Wind und Abwechslung ins Gameplay.

Fazit

Scars Above ist ein kleiner Geheimtipp, den sich Action- oder Souls-Fans unbedingt mal anschauen sollten. Der Titel erfindet das Rad nicht neu, vermischt aber interessante Mechaniken zu einem runden Spielerlebnis. Auch mit seinen Ecken und Kanten ergibt sich daraus ein unterhaltsames Gesamtbild, das insbesondere Einsteiger:innen in die Welt der Souls-Spiele sehr gut gefallen könnte: Hier wird Action, Geschick und Grips geschickt vermengt. Ein Lob an Mad Head Games und Publisher Plaion.

Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: scarsabove.primematter.gg/de-uk