Im Vorfeld habe ich viel von Scorn gehört und einige Screenshots gesehen. All das erinnerte mich etwas an die Alien-Filme, was sich die Entwickler:innen der eeb Software da ausgedacht haben. Nun endlich darf ich selbst Fuß fassen in diesem fremden Universum und muss sagen – ich bin beeindruckt.
Brutale Schönheit
Zunächst einmal: Für Scorn solltet ihr nicht von der zartbesaiteten Sorte sein. Denn das hier ist nichts für schwache Mägen. Scorn ist blutig, brutal und oftmals einfach ekelhaft in der Darstellung einiger Dinge. Dennoch faszinierten mich die gezeigten Bilder immer wieder. Das als kleine Vorwarnung.
Um was geht es bei Scorn und welches Genre haben wir hier vor uns? Gute Fragen, die ich euch aber nicht so leicht beantworten kann. Denn Scorn ist eine Mischung aus Shooter, First-Person-Adventure und minimalen Walking Simulator Abschnitten. Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass ich hier ein zweites Agony vor mir habe. Doch davon ist Scorn zum Glück meilenweit entfernt. Dazu gleich aber mehr.
Philosophische Ansätze
Auch die zweite Frage um die Inhalte von Scorn sind schwer zu beantworten. Denn in Scorn wird kein Wort geredet und keine Zeile Text vorgelesen. Ihr werdet ins eiskalte Wasser geschmissen und sollt schauen, was ihr daraus macht. Als eine Art Bewohner einer fremden Welt wacht ihr auf und sucht einen Weg … wohin auch immer. Jedenfalls wollt ihr einfach nur überleben in dieser für euch fremden und gefahrvollen Umgebung. Alles hier ist fremdartig und es scheint eine Symbiose zwischen organischen und mechanischen Elementen zu geben. Mehr kann ich euch auch nicht sagen. Es bleibt sehr viel Spielraum für Interpretationen.
Wer nun denkt, dass ihr euch hier einfach durchballern müsst, ist schief gewickelt. Denn Scorn ist kein schneller Shooter, bei dem Munition durch die Gegend fliegt. Vielmehr könnt ihr es mit einem Resident Evil vergleichen, bei dem jeder Schuss wertvoll ist. Den meisten Konfrontationen geht ihr also besser aus dem Weg – weil sie auch keinerlei Spaß machen. Denn alles in diesem Spiel ist unglaublich träge und das Abfeuern der Waffe macht wenig Spaß. Ja, manchmal kann es sogar zu Frust führen.
Offene Kinnlade
Die Belohnung stellt sich in Form atemberaubender Szenen dar: Immer wieder stand ich da und ließ die Umgebung auf mich wirken. Diese Fremdartigkeit, die so grausam, aber dennoch faszinierend ist. Scorn geizt nicht mit seiner dichten Atmosphäre, die teils auch beklemmend wirkt. Nur Erklärungen wird es dafür keine geben. Ihr erfüllt diese Welt mit Sinn.
Grafisch ist Scorn also ein Genuss, wenn man das so sagen kann: Es sieht unglaublich schön, aber auch schrecklich aus. Viele Szenen werden euch noch lange nach dem Abspann in Erinnerung bleiben. Man könnte das schon als interaktive Kunst bezeichnen – was natürlich Geschmackssache ist. Doch technisch und grafisch ist das hier ganz großes Kino.
Nur spielerisch will Scorn sich nicht entscheiden. Ich persönlich hätte mich mehr über ein reines Adventure wie Call of the Sea gefreut. Das kam auch völlig ohne Waffen aus und war atmosphärisch grandios. Dafür bietet euch Scorn zumindest noch ein paar nicht ganz so schwere Rätsel an, die ihr schnell gelöst haben solltet.
Fazit
Am Ende des Tages bzw. nach fünf oder sechs Stunden Spielzeit für den ersten Durchgang, bin ich zwiegespalten. Spielerisch ist Scorn eher mau, künstlerisch aller erste Sahne. Vielleicht hätte man sich mehr auf die Rätsel oder die Atmosphäre konzentrieren sollen als diese Shooter-Elemente einzubinden. Dennoch kann ich euch raten, dass ihr mal einen Blick auf das Spiel werft. Und wenn ihr am Ende wisst, um was es ging, dann sagt mir Bescheid. In diesem Sinne: Viel Spaß auf dem Weg durch diese Alien-Hölle.
Erhältlich für: PC, Xbox
Website: scorn-game.com