Unterhaltung Games

Scott Pilgrim EX

Toronto prügelt wieder – Zwischen Kult und Comeback.

Scott Pilgrim EX ist ein neuer 2D-Action-Adventure-Brawler von Tribute Games, basiert erneut auf Bryan Lee O’Malleys Universum und schickt Scott, Ramona und weitere bekannte Figuren in eine frische Geschichte rund um entführte Sex-Bob-Omb-Mitglieder, gestohlene Instrumente und ein von Dämonen, Robotern und Veganern heimgesuchtes Toronto.

Dass dabei wieder Tribute Games am Steuer sitzt und zugleich Anamanaguchi für den Soundtrack zurückkehrt, ist mehr als bloße Fanpflege. Es verleiht dem Spiel jetzt schon wieder einen Kultstatus, den das alte Spiel bereits hatte.

Und genau da setzt für mich auch der Reiz an: Das hier ist kein lustloser Nostalgie-Aufguss, sondern ein Spiel, das sehr genau verstanden hat, warum diese Reihe für viele bis heute so besonders ist. Kommt mit auf eine verrückte Reise mit ordentlich Wumms.

Prügeln mit Persönlichkeit

Die stärkste Seite von Scott Pilgrim EX ist klar das Kämpfen. Gleich sieben spürbar unterschiedliche Figuren mit fighting-game-artigen Eigenheiten habt ihr hier am Start. Die reaktive, leichte Steuerung und der erstaunlich große Moveset-Umfang macht das Spiel auch für Button-Mashing-Freunde zum Genuss. Davon konnte ich mich bereits auf der gamescom letztes Jahr überzeugen. Dort durfte ich mit den Entwicklern eine Runde zocken.

Genau das ist für mich auch der Punkt, an dem das Spiel seinen besten Eindruck hinterlässt: nicht als stumpfer Retro-Brawler, sondern als Prügelspiel mit Rhythmus, Charakter und genug Ausdruck, damit jede Figur ein wenig anders „klingt“. Außerdem will das Spiel quasi, dass ihr gemeinsam mit Freunden und Freundinnen dieses Abenteuer erlebt. Ich hatte beim Testen daher auch immer zwei gute Freunde mit dabei.

Pixel, Musik und Toronto-Flair

Audiovisuell trifft Scott Pilgrim EX mal wieder genau ins Schwarze. Ich kann nur die detailreiche Pixelgrafik, die charmanten Dialoge und den Soundtrack von Anamanaguchi loben. Dieser Soundtrack fällt mit 71 Tracks ungewöhnlich umfangreich aus und dockt wieder stark an die musikalische Identität des alten Scott Pilgrim-Kosmos an.

Für mich ist das fast der eigentliche Star des Spiels: Dieses Toronto sieht nicht nur hübsch aus, sondern wirkt wie eine liebevoll überdrehte Popkultur-Spielwiese, auf der Grafik, Musik und Humor ständig miteinander flirten. Zudem gibt es so viele versteckte Bereiche und jede Menge lustige Popkultur-Gags und -Anspielungen.

Wo das Spiel stolpert

So euphorisch ich auch mit dem Gesamtbild bin, es gibt doch einen Punkt, über den ich immer wieder gestolpert bin. Das Quest-Design ist nicht so gelungen. Oftmals weiß ich nicht genau, wo ich was machen soll und warum. Und dann wären da noch die etwas nervigen Checkpoints.

Um es auf den Punkt zu bringen: Scott Pilgrim EX ist immer dann großartig, wenn es euch einfach kämpfen, kombinieren und Chaos stiften lässt. Im Gegenzug verliert es immer dann etwas an Schwung, wenn es glaubt, euch mit Kleinkram und Laufwegen Spieltiefe simulieren zu müssen.

Fazit

Für mich ist Scott Pilgrim EX ein sehr sympathisches, aber nicht ganz rundes Beat-’em-up. Wer vor allem wegen Stil, Figuren, Ko-op-Charme, knackiger Pixel-Action und Scott-Pilgrim-Flair einsteigt, dürfte hier sehr glücklich werden; wer ein perfekt durchdesigntes Kampagnenspiel ohne Hänger erwartet, wird die strukturellen Schwächen schneller merken.

Um es kurz zu machen: Scott Pilgrim EX ist ein Brawler mit echtem Herz, toller Präsentation und viel Persönlichkeit, dem ein strafferer Aufbau gutgetan hätte. Für mich ist das aber, um hier Spaß zu haben.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: scottpilgrimex.com