Schon bei etlichen Vorberichten zu neuen Games fiel mir Shadow Labyrinth durch seinen ungewöhnlichen Ansatz ins Auge: Statt bloß auf Retro-Nostalgie setzt dieses Spiel auf eine radikal neue Interpretation des Pac-Man-Mythos – in Form eines düsteren Metroidvania-Action-Adventures, das deutlich mehr will, als nur ein weiteres Pixelspielchen zu sein.
Von der Amazon-Serie ins Spiel
Shadow Labyrinth versteht sich vor allem als „Re-Imagination“ der Kernideen des klassischen Pac-Mans. Im Zentrum steht Swordsman No. 8, ein wortkarger Held, der auf einem von Ruinen und Kriegen gezeichneten Planeten erwacht – geführt von Puck, einer lebenden Pac-Man-Kugel.
Apropos: Der Begleiter Puck, der euch im Spiel als schwebende, sprechende Kugel zur Seite steht, könnte einigen bekannt vorkommen. Er hatte nämlich schon einen Auftritt in der Amazon Prime-Serie „Secret Level“. In einer der ungewöhnlichsten Episoden der Anthologie stammt Puck aus derselben mysteriösen Maze-Welt, begleitet dort Swordsman No. 7 und liefert verschrobene, aber unverwechselbar ironische Dialoge. Ist das bereits ein Hinweis?
Der Serienauftritt dient dabei nicht nur als Easter Egg, sondern als tatsächliches Prequel: Einige Aspekte des Spiels – von Pucks rätselhafter Motivation bis zu den düsteren Labyrinthstrukturen – werden erst durch die Serienepisode noch etwas tiefer und greifen clever ineinander. Für Kenner fühlt sich Shadow Labyrinth wie eine direkte Fortsetzung an, erweitert jedoch Thema und Worldbuilding um eine größere, deutlich offene Sci-Fi-Welt.
Sprung, Schwert und Sphären
Im Zentrum des Spiels steht nun wie gesagt Swordsman No. 8, ein geheimnisvoller Protagonist ohne Worte, der in einer zerschundenen Sci-Fi-Welt aufwacht und versucht, zusammen mit Puck einen Ausweg aus den Labyrinthtiefen zu finden. Die Plattformmechanik ist dabei das Herzstück: Ihr springt, klettert, lauft Wände entlang und hangelt euch mit Enterhaken durch weitverzweigte Areale, die klassischem Metroidvania-Design folgen, aber gelegentlich auch knallhart strammes Jump&Run-Feeling vermitteln.
Bereits nach kurzer Zeit begegnet ihr Gegnern, die präzise Angriffe und gezieltes Parieren erfordern. Eure anfangs simple Schwertcombo wächst mit freischaltbaren Bewegungen und Spezialfähigkeiten – darunter Paraden, Dashs, Wandläufe und das Auslösen von Puck-Attacken.
Besonders die Transformation in den ikonischen Pac-Man-Ball sorgt regelmäßig für Abwechslung: In speziellen Maze-Abschnitten rollt ihr als Puck an Linien entlang, sammelt Power-Ups und gelbe Orbs und müsst mit Schwung und Timing schwierige Sprungpassagen überwinden – ganz in der Tradition des Arcade-Klassikers, jetzt jedoch verpackt in ein düsteres Setting. Ein besonderes Feature ist das Freischalten des Mech-Modus: Wer genügend Energie sammelt, verwandelt sich für kurze Zeit in ein riesiges, mächtiges Kampfmonster und kann Boss-Gegner regelrecht zerlegen – ein mechanischer Twist, der Schwung in knifflige Kämpfe bringt.
Anspruchsvoll, aber nie unfair
Was Shadow Labyrinth von vielen anderen Metroidvanias abhebt, ist seine anhaltende Herausforderung, gerade im Platforming. Viele Abschnitte verlangen Millimeterarbeit und präzises Timing, einige Strukturen erinnern an ikonische Level aus Celeste oder Hollow Knight – gerade, wenn man mit letzter Kraft einen Puck-Sprung noch schaffen muss, um nicht in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen. Die zahlreichen Bossfights sind kein Zuckerschlecken: Sie verlangen das Erlernen komplexer Angriffsmuster und das perfekte Zusammenspiel aller Perks und Ausweichmanöver. Einzelne Abschnitte können durchaus frustrierend sein, vor allem da das Spiel mit Speicherpunkten geizt und Feinde sowie Bosse nach dem Tod oft respawnen.
Wer sich aber darauf einlässt, erlebt eine dichte, stilsichere und technisch ausgereifte Reise, die durch ihre Kombination aus Jump&Run, Rollenspiel-Elementen und Sci-Fi-Story erstaunlich frisch bleibt. Die Erkundung wird mit immer neuen Fähigkeiten, hart erarbeiteten Abkürzungen und cleveren kleinen Rätseln belohnt. Und vielmehr will ich euch an dieser Stelle gar nicht verraten. Kurzum: Ich finde es ein sehr gelungenes, wenn auch teils schwieriges Metroidvania. Und damit kommen wir zum Fazit.
Fazit: Labyrinth zwischen Nostalgie und Neuzeit
Shadow Labyrinth schafft es, aus der Grundidee von Pac-Man eine düstere, tiefgehende und anspruchsvolle Metroidvania-Erfahrung zu machen, die sogar Serien-Fans einen echten Mehrwert gibt. Die Verbindung zu „Secret Level“, vor allem durch Puck, sorgt dafür, dass sich Spiel- und Serienerlebnis wie ein großes Gesamtbild anfühlen. Spielerisch überzeugt Shadow Labyrinth mit forderndem, manchmal sogar erbarmungslosem Jump&Run, stylischen Bossfights und Mechaniken, die Arcade-Nostalgie und modernes Sci-Fi-Game-Design hervorragend verschmelzen. Wer eine Herausforderung sucht und Lust hat, ein Stück Pac-Man-DNA in ganz neuer, düsterer Form zu erleben, wird mit diesem Titel eine intensive, manchmal schweißtreibende Abenteuer-Reise erleben.
Erhältlich für: PS, Xbox, Switch, PC
Webseite: bandainamcoent.com/games/shadow-labyrinth