Es ist bereits über ein Jahr her, aber es war quasi Liebe auf den ersten Blick: Eigentlich halte ich nichts von Spielen, die allzu kitschig sind. Bei „Shantae Half-Genie Hero“ mache ich jedoch eine Ausnahme. Denn das flotte Hüpfspielchen aus dem Hause WayForward überzeugt von der ersten Minute an – und das mit recht interessanten Ideen.
Dazu eine kleine Vorgeschichte … Kurios: Die Reihe um die bezaubernde halb Flaschengeist, halb Bauchtänzerin namens „Shantae“ gibt es bereits seit über zwanzig Jahren – wovon ich bis Dezember 2016 nichts wusste. Vielleicht lag es daran, dass die Reihe hauptsächlich auf Handhelds ihre Erfolge feierte. Mir jedenfalls fiel das Spiel erstmal auf, als es eine Xbox Live Sonderaktion gab, bei der auch „Shantae and the Pirate's Curse“ für einen vergünstigten Preis gab.
Die Bewertungen waren durchweg positiv, aber die Grafik war mir dann doch etwas zu altbacken. Also ließ ich es links liegen. Kurz darauf gab es eine Neuankündigung: „Shantae Half-Genie Hero“ stand in den virtuellen Verkaufsregalen – und sah in der HD-Aufmachung einfach fantastisch aus. Gekauft! Gleich nachdem das Spielchen heruntergeladen war, legte ich eine Runde los.
Grafisch kam ich mir wie in einem schmucken Zeichentrickfilm aus 1001-Nacht vor: Das orientalisch angehauchte Setting ist eine Wucht und passt hervorragend zu der quirligen Hauptakteurin. Nachdem ein Fluch ihre Insel heimgesucht hat, muss sich die magiebegabte Heldin auf die Suche nach der Ursache machen – das Abenteuer beginnt. Nun, ein Jahr später, steht die „Ultimate Edition“ im Spielregal und beinhaltet jede Menge Extras. Dazu komme ich aber erst später.
Vielleicht eine kleine interessante Neuigkeit: Selbst wenn ihr das Original besitzt, könnt ihr bei der „Ultimate Edition“ (erneut) eine Gamerscore von 1000 Punkten erzielen. Daher könnte das Spiel also auch für Kenner wieder interessant sein. Wie sich die putzige Shantae jedoch spielt, bekommt ihr jetzt zu lesen.
Jump’n Run vom Feinsten
Ein paar Gespräche mit den Einwohnern der Palaststadt und schon kann sich Shantae auf ihre erste Mission begeben. Die griffige Spielmechanik punktet durch eine präzise Steuerung und witzige Ideen: Denn anders als ihre Hüpfvorbilder, schlägt Shantae mit ihrer wilden Haarpracht zu – persönlich habe ich so eine Attacke zuletzt im Jahr 1990 bei „Kabuki Quantum Fighter“ für das NES gesehen.
Aber ich schweife ab. Denn Santae kann noch viel mehr, wie ich schnell feststellen muss. Anfangs war mir nicht ganz klar, wofür folgender Move gut sei: Per Knopfdruck hält die Zeit an und die Heldin vollführt einen Bauchtanz, der mit mega-kitschiger Musik untermalt wird – ich konnte nicht anders als loszulachen. Doch wirklich nützlich war das Ganze nicht. Nach dem ersten Level ging mir jedoch ein Licht auf: Durch eine magische Zugabe hatte Shantae einen neuen Trick erlernt. So kann sie sich per Bauchtanz plötzlich in ein niedliches Äffchen verwandeln, was ihr neue Fähigkeiten verleiht: Hoch gelegene Gebiete sind nun kinderleicht zu erreichen.
Und genau da wird es interessant. Denn im Grunde eilt die Halb-Magierin von einem Level zum nächsten, bekämpft am Ende einen (fast immer grandios designten) Boss, um dann in herausforderndere Missionen zu gelangen. Mit den neuen Fähigkeiten lassen sich jedoch auch alte Missionen erneut angehen, um etliche Geheimnisse zu lüften, was dem Spielspaß sehr zugute kommt. Dabei wird klar, mit wieviel Liebe zum Detail die Entwickler ihre einzelnen Levels aufgebaut haben. Sehr motivierend!
Es wird ultimativ
Das alles gilt natürlich auch für die „Ultimative Edition“. Doch wie der Name schon andeutet, enthält dieses Paket noch viel mehr. Sämtliche bisher erschienene DLCs sind mit an Bord: Bei „Friends to the End“ könnt ihr auch in die Haut von Shantaes Freunden schlüpfen. Mit dem „Kostüm Paket“ habt ihr dann auch die Auswahl, was ihr auf euren Missionen tragen wollt.
Exklusiv gibt es da für Shantae noch den blauen Badeanzug – ein bisschen abgedrehter Anime-Humor muss manchmal sein. Und dann wäre da noch eine eigene Mini-Kampagne namens „Pirate Queen's Quest“, bei der ihr Shantaes Erzfeindin steuern dürft – putzig und herausfordernd. Bei den DLCs hört das Vergnügen jedoch nicht auf. Hinzu kommen neue Spielmodi: Im „Hero-Mode“ besitzt ihr gleich zu Beginn schon alle Transformationen von Shantae und könnt in vollem Umfang loslegen. Das empfehle ich euch allerdings erst, wenn ihr mindestens einmal im normalen Modus durch seid.
Zu guter Letzt gibt es noch eine Art Hardcore-Modus, der euch richtig stramm fordern wird. Eigentlich spiel sich „Shantae“ dann in etwa so, wie ein durchschnittliches Jump&Run aus den 90er-Jahren. Damals waren solche Plattformer aber wesentlich anspruchsvoller als heutzutage.
Fazit
Insgesamt kann ich allen, die auf ordentliche Plattformer stehen, dieses kleine Juwel nur ans Herz legen. Was ein taffer Klempner kann, kann diese liebenswerte Dame mit ihrem humorigen Auftreten schon allemal. Ein Spielchen, das wirklich in keiner Sammlung fehlen sollte.
Erhältlich für: PS 4, Xbox One, PC, Switch
Website: WayForward.com