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Sherlock Holmes: Chapter One

Open-World und Detektivarbeit – passt das zusammen? Der junge Sherlock zeigt euch, wie das geht.

Als ich die ersten Bilder von Frogwares Sherlock Holmes: Chapter One gesehen habe, war ich gleich gefesselt. Das lag an mehreren Dingen: Zum einen sehen die Screenshots verdammt gut aus. Dann ist dort aber nicht der Sherlock Holmes zu erkennen, den ich erwartet hätte. Anstatt eines gestandenen Mannes ist dort ein Jüngling zu sehen, der erst in die großen Fußstapfen des Meisterdetektives wachsen muss.

Und zu guter Letzt ist das Spiel als Open-World-Titel angelegt. Wie passt all das zusammen? Wie in Sherlocks heiklen Fällen ergibt sich mit der Zeit ein Gesamtbild, das durchaus Sinn macht und fasziniert. Also tauchen wir tiefer ein.

Schatten der Vergangenheit

Nach dem letzten Sherlock Holmes Abenteuer, das den Untertitel Devil‘s Daughter trägt, musste Frogwares einfach einen Neuanfang wagen. Denn der quasi Vorgänger musste viel Kritik einstecken und verrannte sich in einer Sackgasse. Da war der Schritt in die Vergangenheit von Sherlocks Werdegang eine durchaus gute Idee. So jung und unerfahren haben wir den Detektiv selten gesehen. Spannende Herangehensweise.

Also erleben wir in Chapter One nun diesen jugendlichen Sherlock, der in seine alte Heimat Cordona zurückkehrt. Auf der fiktiven Mittelmeerinsel will er mit seiner Vergangenheit abschließen und zudem den Tod seiner Mutter verarbeiten. Diese starb als Sherlock noch ein Kind war. Nur stellt sich schnell heraus, dass es nicht unbedingt eine natürliche Ursache hat – und genau das ist der rote Faden, der sich durchs gesamte Spiel zieht. Ihr sollt den Fall von Sherlocks Mutter neu aufrollen und lösen.

Ein Freund, ein guter Freund …

An eurer Seite ist euer treuer Freund Jon, aber nicht Watson. Ohne zu viel zu verraten, ist Jon ein alter Freund, der Sherlock seit dem Tod seiner Mutter begleitet und ihn moralisch unterstützt und herausfordert. Jedenfalls habt ihr immer wieder teils sehr gute Dialoge mit Jon, die beiden Charakteren mehr Tiefe verleihen und euch zudem beim ein oder anderen Fall weiterhelfen. Denn neben dem Hauptfall müsst ihr natürlich jede Menge kleinere Fälle lösen.

Die einzelnen Fälle spielen sich allesamt auf der offenen Karte von Cordona ab. Nach dem einführenden Kriminalfall in Sherlocks Hotel, werdet ihr auf die Insel und somit in die Open-World entlassen. Schon beim ersten richtigen Fall fiel mir eins gleich positiv auf: Ich suchte nach dem Quest-Marker, der mir den nächsten Tatort zeigen sollte – Fehlanzeige. Ich musste meine Notizen durchgehen, um herauszufinden, wo die Schneiderin ihren Laden hat. Anfangs war ich irritiert, aber später begeistert, dass mir Frogwares in Chapter One einfach mal was zutraut und mir Freiraum gibt.

Freie Entscheidung

Hinzu kommt, dass ich selbst entscheiden kann, wie ich einen Fall löse. Sobald ich genügend Beweise zusammen habe, darf ich mir ein internes Gedankenspiel vorstellen. Danach entscheide ich, wer der Täter ist und was ich mit ihm oder ihr mache. Wenn ich einen Ganoven beispielsweise mal nicht in den Knast bringe, könnte mir das an anderer Stelle helfen – oder auch nicht. Ihr dürft entscheiden. Daher passt die Open-World auch sehr gut zum Chapter One.

Neben der Detektivsicht, in der ihr Hinweise genau unter die Lupe nehmen dürft, könnt ihr Sherlock auch mal wieder verkleiden. Mit dem passenden Outfit mischt ihr euch unter die Bevölkerung und könnt Geheimnisse bei Gesprächen aufdecken. Das hilft bei der Lösung eines Falls. Auch wenn es nicht immer leicht ist, das passende Kostüm zusammenzustellen, macht dieses Feature viel Spaß und lädt zum Experimentieren ein. Bei einem anderen Feature bin ich mir noch unschlüssig …

Ein bisschen Action gefällig?

Sherlock Homes ist nämlich auch bekannt als guter Kämpfer. Also kippt Frogwares immer mal wieder Action-Sequenzen ins Spiel ein. Hier könnt ihr wild mit dem Revolver rumballern – aus der Third-Person-Perspektive. Da stumpfes Morden aber nicht zu unserem Meisterdetektiv passt, solltet ihr diese Situationen mit Köpfchen lösen – müsst ihr aber nicht. Denn anstatt eure Verfolger zu töten, könnt ihr sie durch Umgebungsobjekte auch außer Gefecht setzen, was besonders Jon sehr gut gefällt. Durch diese Möglichkeit finde ich die Szenen auch nicht mehr so störend, sondern wieder geistig anregend. Auch hier macht Frogwares einen guten Job.

Grafisch unterscheidet sich das tatsächliche Spiel etwas von den anfänglichen Screenshots: Es sieht nicht ganz so gut aus, wie vermutet, aber immer noch blendend. Zumal man bedenken sollte, dass Frogwares kein riesiges Studio á la Ubisoft oder EA ist. Bis auf die Gesichter oder Animationen können sich verschiedene Fleckchen auf der Insel wirklich sehen lassen. Mir persönlich hat dieser Stil sehr gut gefallen.

Fazit

Respekt, Frogwares. Mit Sherlock Holmes: Chapter One habt ihr ein richtig gutes Detektivabenteuer geschaffen. Die Spielmechanik aus Rätsellösen und offener Spielwelt fügt sich hervorragend zusammen. Und keine Angst: So ausufernd riesig ist diese offene Welt nicht – was auch gut so ist. Der junge Sherlock samt seines Kumpanen Jon sind ein sympathisches Tag-Team, das einem durch die schicken Dialoge schnell ans Herz wächst.

Setting, Steuerung und einzelne Features wie Kostümieren passen sich ins Gesamtbild ein und heben Sherlock wieder auf das Podest der Meisterdetektive. Damit ist der Ausrutscher beim letzten Mal längst vergessen. Jetzt muss Frogwares in Chapter Two nur so stark weitermachen. Aber da bin ich froher Hoffnungen.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: sherlockholmes.one