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Shin Megami Tensei Strange Journey Redux

Dämonen sind doch auch nur Menschen – irgendwie jedenfalls.

Fangen wir mal mit einem Zitat an: „Eine räumliche Verzerrung erscheint in der Antarktis und droht die Erde zu verschlingen. Die Vereinten Nationen antworten auf die Katastrophe mit einem Team hoch technisierter Spezialisten, die in die Anomalie eindringen und eine Lösung für das Problem finden sollen.“ Genau so preist Deep Silver in einer offiziellen Erklärung das Spiel „Shin Megami Tensei Strange Journey Redux“ an. Warum ich dieses Zitat genommen habe?

Ganz einfach: Es zeigt, wie simpel man den Inhalt des Spielchens, das ursprünglich aus dem Jahre 2009 stammt, auf dem DS veröffentlicht wurde (aber nur in Japan) und nun erstmals in Europa erscheint, auf den Punkt bringen kann. Für mich hört sich das bereits schlüssig und spannend genug an, um einen Blick auf das rundenbasierte Taktikrollenspiel zu werfen. Doch bis zu meinem ersten Kampf sollte es noch eine Weile dauern.

Was lange währt, …

Normalerweise schaue ich mir fleißig jedes Intro an, das ich vor die Linse bekomme – immerhin will ich wissen, mit was ich es zu tun habe. In manchen Fällen mache ich allerdings eine Ausnahme, wenn die Story trist vor sich hinplätschert oder ich lieblos ein Standbild nach dem anderen präsentiert bekomme. Bei „Shin Megami Tensei Strange Journey Redux“ bin ich in einem Dilemma gefangen:

Auf der einen Seite klingt die Story recht interessant, auf der anderen Seite zieht sich die Präsentation wie Kaugummi dahin. Es wird geredet von einer allvernichtenden Bedrohung in der Antarktis – von der die Menschheit aber noch nicht sehr viel weiß –, dann ist die Rede von Spezialisten, die sich dorthin auf den Weg machen – in insgesamt vier multifunktionalen Superfahrzeugen.

Und immer wieder tauchen merkwürdige Bilder aus dem Inneren des Schwarzen Lochs auf, das den Planeten zu schlucken droht. Aber warum muss ich mich über eine Stunde (!) mit all dem befassen, bevor ich selbst in den Kampf geschickt werde (allerdings nur für zwei Fights, bevor es mehr Infos auf mich regnet – diesmal aber „nur“ 20 Minuten lang)?! Natürlich ist das Ganze auch noch auf Englisch, was den Titel von vornherein schon für manche uninteressant macht.

… hat durchaus Potenzial

Habt ihr diese Hürde allerdings genommen, erwartet euch ein richtig gutes Spiel hinter der Intro-Fassade: „Shin Megami Tensei Strange Journey Redux“ erfindet das Rad zwar nicht neu, weiß es aber unterhaltsam zu drehen. Die Kämpfe laufen wie in klassischen J-RPGs rundenbasiert ab: Ihr wählt also eine eurer Fähigkeiten aus, bestätigt diese und wartet, wie der Gegner darauf reagiert – wenn ihr ihn damit nicht umgepustet habt. Schon kurz danach wird dieses System aufgelockert, wenn ihr euren ersten freundlichen Dämonen trefft – inzwischen sind wir in dem Schwarzen Loch, das sich Schwarzwelt nennt, gelandet.

Diese kleine Elfe erklärt euch dann, dass nicht alle mysteriösen Wesen feindselig sind. Mit etwas diplomatischem Geschick könnt ihr ein paar der Monster auf eure Seite ziehen – Pokemon lässt grüßen. Je öfters ihr gegen eine Art von Monster kämpft, desto höher wird euer Analysewert diesem gegenüber. Kurz gesagt: Schon bald wisst ihr genau, was das Vieh für Stärken und Schwächen hat. Apropos Schwäche: Trefft ihr einen Dämonen an seinem wunden Punkt, beispielsweise mit Feuer, dann kommt eine interessante Spielmechanik zum Einsatz.

Mit dem Angriff verursacht ihr Extra-Schaden und zusätzlich dürfen eure Mitstreiter dem Monster auch noch eins verpassen – völlig kostenlos und ohne, dass sie damit ihre Aktion verlieren. Daher lohnt es sich immens, die Schwächen eurer Gegner zu kennen. Etwas ungelenk fühlt sich jedoch der Fortschritt der Kampagne an, zumindest zu Beginn. Ihr quatscht an Bord des Transporters mit allerlei Besatzung und müsst im Menü-Punkt „Move“ von Lokalität zu Lokalität eilen, bis ihr an Deck die Tür zur Außenwelt geöffnet bekommt. Zudem funktioniert das Speichern anfangs ebenfalls nur an Bord des Hauptquartiers.

Im späteren Verlauf findet ihr aber besondere Kultstätten, an denen ihr auch außerhalb des Transporters speichern dürft. Grafisch ist das Spiel für einen DS-Titel ganz solide – erwartet aber keine Aha-Momente, jedenfalls nicht in Punkto Optik. Persönlich fand ich es allerdings etwas schade, dass es keinerlei 3D-Effekte gab. Erst als mir bewusst wurde, dass das Spiel schon so viele Jahre auf dem Buckel hat, war mir auch klar, warum man an dieser Stelle nicht nachgebessert hat – wäre wohl zu teuer geworden.

Fazit

Nach einer schier endlos langen Intro-Phase nimmt „Shin Megami Tensei Strange Journey Redux“ endlich Fahrt auf und kann spielerisch überzeugen. Dass allerdings jedes neue Feature bis ins Detail erklärt wird, nervt etwas auf Dauer – immerhin ist das hier Fantasy und keine Bauanleitung für einen Dämonenanzug. Sei’s drum: Als rundenbasiertes Rollenspiel hält der Titel zudem noch ein paar interessante Spielmechaniken bereit, die auch nach längerer Spielzeit immer noch genügend motiviert.

Erhältlich für: Nintendo 3DS
Website: atlus.com/strangejourney