Wie faszinierend kann ein Mix aus Action-RPG und Shoot-’em-up denn sein? Ich muss sagen: Sigma Star Saga DX ist ein kurioses Kleinod, das sich nie sauber in eine Schublade stopfen lässt und gerade deshalb spannend bleibt.
Zwei Spiele, ein Abenteuer
Der Kern von Sigma Star Saga DX ist ungewöhnlich. Ihr erkundet Planeten und Raumstationen aus einer klassischen Top-down-Perspektive, also mit deutlich Zelda-artigem Gefühl, und werdet dann in kurzen, seitlich scrollenden Schießsequenzen in ein SHMUP verwandelt. Diese Mischung war schon 2005 seltsam mutig und ist es 2026 immer noch.
Ich finde genau diese Reibung interessant. Das Overworld-Spiel ist eher langsam und strukturiert, während die Shoot-’em-up-Passagen plötzlich Tempo und Chaos reinschieben. Das mag nicht immer funktionieren, aber das Spiel hat dadurch einen echten Eigencharakter, den viele Retro-Releases vermissen lassen.
Story mit Stachel
Die Geschichte ist für so ein Spiel auffallend ambitioniert. Ihr folgt Ian Recker, einem Undercover-Piloten, der im Krill-Imperium ermittelt und dabei in eine größere politische und persönliche Verschwörung rutscht. Die Story und die Figuren sind überraschend gut geschrieben und geben dem Spiel mehr Gewicht, als man bei diesem Genre-Mix erwarten würde.
Gerade das hält das Ganze zusammen. Denn wenn ein Spiel mechanisch so eigenwillig ist, braucht es einen klaren erzählerischen Anker. Sigma Star Saga DX hat den — auch wenn die Handlung manchmal etwas sperrig und überladen wirkt.
GBA-Charme mit Feinschliff
Optisch lebt das Spiel weiterhin stark von seinem GBA-Erbe. Die Sprite-Arbeit ist großartig, mit richtig hübschen Animationen und viel Persönlichkeit. Genau das lässt die Neuauflage nicht wie einen billigen Port wirken, sondern wie ein sorgfältig aufgefrischtes Retro-Spielchen mit klarer Handschrift.
Die DX-Version bringt außerdem einige sinnvolle Verbesserungen mit: bessere Balance, weniger nervige Zufallskämpfe, neue Komfortfunktionen, Galerie und zusätzliche Musik. Das ist wichtig, weil das Original an mehreren Stellen etwas zu altbacken oder unfreundlich war. Hier merkt man, dass die Neuauflage nicht nur konserviert, sondern auch entschärft und zugänglicher macht.
Nicht ganz ohne Reibung
Trotzdem bleibt Sigma Star Saga DX ein Spiel mit Ecken und Kanten. Besonders die SHMUP-Passagen sind irgendwann repetitiv, teils zu simpel und nicht immer gut mit dem Rest verknüpft. Auch die Orientierung kann anstrengend sein, weil manche Areale verwirrend aufgebaut sind und die Kamera gelegentlich gegen euch arbeitet.
Das Spiel will viel und trifft nicht immer ins Schwarze. Aber ich finde es sympathisch, dass es überhaupt so etwas Eigenes versucht. Gerade heute wirkt Sigma Star Saga DX fast wie ein Gegenentwurf zum glattgebügelten Einheitsbrei.
Fazit
Sigma Star Saga DX ist für mich ein ungewöhnliches, manchmal sperriges, aber sehr interessantes Wiedersehen mit einem fast vergessenen WayForward-Experiment. Die Mischung aus Zelda-artiger Erkundung, Sci-Fi-Story und kurzen SHMUP-Duellen ist originell genug, um auch 2026 noch aufzufallen.
Nicht jeder Abschnitt davon ist gleich stark, und die Shoot-’em-up-Einlagen bleiben die größte Baustelle. Aber die starke Story, die tollen Sprites und die klugen DX-Verbesserungen machen daraus ein Retro-Spiel mit echter Persönlichkeit. Für mich ist das ein sehr charmanter Beweis dafür, dass Mut im Game Boy-Advance-Stil auch heute noch belohnt werden kann.
Erhältlich für: PS, PC, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/3281520/Sigma_Star_Saga_DX/