„Simon the Sorcerer“, 1993 von Adventure Soft auf Amiga und PC veröffentlicht, war für viele die erste echte britische Point-and-Click-Offenbarung – inspiriert von Discworld, Monkey Island und Blackadder, vollgepackt mit feinem Sarkasmus, Popkultur-Referenzen und einer kaputten Fantasywelt, die sich nie zu ernst nahm. Gerne erinnere ich mich daran - wenn auch nur düster.
Damals war Simon ein rotzfrecher Teenager, ausgestattet mit Zauberhut und britischer Ironie, der in einer kuriosen Märchenwelt den bösen Magier Calypso stoppen musste. Die Rätsel waren herrlich schräg, die Sprüche legendär und die Grafik für die Zeit eine farbenfrohe Offenbarung. Tipp-Hotlines für Adventure-Spiele waren Kult – oft musste man tatsächlich zum Telefonhörer greifen, um aus Sackgassen oder Logiklöchern herauszufinden.
Neuer Zauber: Simon The Sorcerer Origins
Kaum startet „Simon The Sorcerer Origins“, fühlt ihr euch zurückversetzt - jedenfalls erging es mir so: Ein leicht nerviges Tutorial aus dem Off von Simons Mutter (inklusive ihrer legendären Kommentare: „Simon, hör auf, die Sachen zu kombinieren!“), ein schräger Mix aus Klamauk und Fantasy – und schon bald findet sich Simon wieder im Sumpf, beim Zauberer Calypso und einer Prophezeiung rund um den „frechen Jungen aus einer anderen Welt“.
Die Welt ist bunter, magischer und voller schräger Bewohner als je zuvor. Alte Bekannte winken am Wegesrand – und neue Plottwists lassen das Abenteuer wie ein klassischer Simon-Trip wirken, nur eben optisch und mechanisch zeitgemäß. Ersteindruck: Magisch!
Rätsel, Mechaniken & Nostalgie-Hotline
Die Rätsel sind der charmante Mittelpunkt: Ihr sammelt, kombiniert und experimentiert wild durch die magische Welt. Wie im Original besteht viel aus Mut zur Kreativität, absurd scheinenden Item-Kombos (fast wie damals: „Nimm Magnet, nimm Faden, angle Schlüssel im Abfluss“), und gerne auch mal Dialogrätsel, die Trial-&-Error, aber auch Witz und Geduld verlangen.
Die neue Zauberhut-Logik sorgt für noch mehr Kombinationsmöglichkeiten als früher: Der Hut schluckt Inhalte à la Mary Poppins und erlaubt magische Querverweise. Natürlich darf auch hier ein dummer Spruch zur rechten Zeit nicht fehlen.
Greif zum Hörer!
Ein Highlight für mich als Journalisten, aber auch für den Nostalgietrip: Als Testende einmal steckengeblieben, kam prompt der Hinweis zur eigens eingerichteten Rätsel-Hotline der Entwickler. Wie geil ist das denn, bitte?!
Das fühlte sich an wie damals bei Adventure-Spielen, als man in stundenlangen Sackgassen landete und zum echten Telefon griff, um die Lösung zu erfragen. Ein liebevoller Schwenk – technische Tipps gab's auch, und der Humor am anderen Ende der Leitung war offenbar original britisch.
Spielwelt, Dialoge & Humor
Apropos: Der Humor ist weiterhin das Markenzeichen. Schräge Charaktere wie ein marionettengeführter Zauberladenbesitzer, Kneipen mit One-Ring-Special-Angeboten, eine Mumie mit Deadpan-Delivery und die unzähligen Gags an jeder Ecke.
Nicht jede Pointe zündet – aber die angespielten britischen Einflüsse, Sprüche und Running Gags sind für Fans des Originals (und Leute mit Vorliebe für trockenen UK-Humor) ein Fest. Simon bleibt eine coole Mischung aus Rincewind, Guybrush und pubertärem Spaßvogel.
Die Fantasiewelt ist üppig animiert und voller handgezeichneter Details – von düsteren Akademiefluren bis zum bunten Sumpf gibt es ironische Easter Eggs und liebevolle Parodien auf Fantasy-Klischees. Die Story zieht an, der Ballast aus früheren Teilen wird clever in Andeutungen und charmanter Rückbindung inszeniert.
Rätselqualität & Umfang
Die Komplexität der Rätsel ist eine echte Stärke – manche sind so knackig, dass selbst Adventure-Liebhaber:innen ins Grübeln kommen. Der Schwierigkeitsgrad schwankt je nach Kapitel und verlangt oft kreatives, manchmal auch absurdes Querdenken.
Kombinieren, Experimentieren, oft auch Gespräche führen und Hinweise um drei Ecken denken sind Pflicht. Ohne optionales Hilfesystem können einige Rätsel zur Geduldsprobe werden, doch die Möglichkeiten der Hotline oder Online-Guides holen Nostalgie und modernes Abenteuer unter einen Hut. Ihr könnt inzwischen natürlich auch online nachschauen. Aber für mich war alles wie früher – herrlich!
Fazit: Magisches Comeback mit feinstem Brit-Humor
Simon The Sorcerer Origins ist ein liebevolles, charmantes und überraschend cleveres Spiel für Fans alter Adventures und neue Rätselfüchse zugleich. Zwischen schrulligen Dialogen, knackigen Logikrätseln und einem Zauberhut voller Kombinationsmöglichkeiten entdecken Nostalgiker:innen und Neu-Einsteiger:innen eine Spielwelt, die den Geist des Originals und die besten Seiten des Genres feiert. Frustige Sackgassen gehören dazu – und bringen manchmal wieder das einzige, was wirklich hilft: Einfach mal zum Telefon greifen. Eine magische Reise, voller Witz, Herz und Retro-Flair!
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: iningames.com/products/simon-the-sorcerer-origins-special-edition-nintendo-switch-limited