Skautfold: Moonless Knight ist ein kantiges, eigensinniges Action-RPG-Metroidvania, das mit seinem Setting, seinem Guard-System und seiner düsteren Pixelatmosphäre deutlich interessanter ist als viele glattpolierte Genre-Routinen.
Gleichzeitig ist es genau die Sorte Spiel, die euch erst einmal gegen ihre sperrigen Erklärungen, ihre konfuse Story und eine gewisse mechanische Wiederholung anrennen lässt, bevor sie ihre Stärken zeigt.
Japan, Mond und Kultisten
Die Prämisse ist herrlich schräg: In einem alternativen Jahr 1900 reist ihr als Ritter Gray im Auftrag des Angelic Empire of Britannia ins Dawn Empire of Japan, nur damit ein religiöser Putsch, Kultisten und Lovecraft-Horror alles in einen sehr schlechten diplomatischen Abend verwandeln. Von dort aus erkundet ihr einen halb offenen Kaiserpalast, kämpft euch durch Monster und Palastintrigen und sucht nach einem Weg, das Imperium vor dem buchstäblich aufbrechenden Mond zu bewahren.
Allein diese Mischung aus viktorianischer Schwere, japanischem Schauplatz und kosmischem Wahnsinn hat sofort Profil. Viele Spiele wollen düster sein; Moonless Knight ist dagegen so erfreulich überzeugt von seinem eigenen Gothic-Geflüster, dass man ihm selbst dann noch zuhört, wenn man gerade nicht jeden Plotfaden versteht.
Kampfsystem mit Biss
Spielerisch setzt Moonless Knight auf ein Top-Down-Metroidvania mit Souls-Anleihen, in dem Blocken, perfektes Parieren, Ausweichen und der Umgang mit einem Guard-System im Zentrum stehen. Bei Treffern verliert nicht nur ihr Substanz, sondern auch eure maximale Guard schrumpft, während clevere Gegenwehr, gezielte Waffenwahl und gute Defensive das Blatt schnell wieder wenden können.
Das ist die Art von System, die dem Spiel ein eigenes Rückgrat gibt. Besonders gelungen finde ich, dass sich verschiedene Waffen tatsächlich anders lesen und selbst das Feint-System fast jede Aktion wieder in eine defensive Reaktion überführen kann, wenn man schnell genug denkt. In seinen besten Momenten wirkt Moonless Knight deshalb wie ein Spiel, das nicht bloß hart sein will, sondern euch aktiv dazu zwingt, mit Absicht statt mit Panik zu kämpfen.
Gute Ideen, raue Umsetzung
Der Haken ist nur: Das Spiel erklärt sich miserabel. Das Tutorial und die Übersicht lassen zu wünschen übrig. Zentrale Mechaniken werden dabei viel zu spät entdeckt, schlicht weil das Spiel sie kaum oder gar nicht ordentlich einführt. Das ist schade, weil eine komplexere Kampfidee dann schnell wie unnötige Hürde wirkt, obwohl sie eigentlich das Gegenteil sein soll.
Dazu kommt, dass sich der Kampf trotz aller guten Grundlagen mit der Zeit etwas abnutzen kann. Viele Nahkampfgegner sind recht simpel ausspielbar und so entsteht eine Routine, die zwar funktioniert, aber nicht dauerhaft aufregend bleibt. Moonless Knight ist kein Actionfeuerwerk, sondern eher ein schwerer, zäher Tanz, der nicht jeden sofort packt.
Atmosphäre stark, Story schwierig
Audiovisuell liefert das Spiel ziemlich zuverlässig ab. Die Pixeloptik ist aber Geschmackssache. Überwiegend sieht das Spiel stimmungsvoll aus, dazu kommen schöne Wettereffekte, dynamische Beleuchtung und ein netter Soundtrack, der dem Ganzen viel Epos verleiht. Das passt hervorragend zu dieser Welt aus Kultisten, verwundeten Soldaten, imperialen Hallen und Mondwahnsinn.
Wesentlich problematischer ist die Story. Vorwissen ist zwar nicht zwingend nötig, gleichzeitig wird aber genau diese Erzählweise mehrfach als verwirrend, schwer zugänglich und für Neueinsteiger unnötig kryptisch beschrieben. Weil Moonless Knight stark an frühere Teile anknüpft und mit bekannten Figuren, alten Ereignissen und Serienlore hantiert, fühlt sich die Handlung öfter wie ein halber Eingeweihten-Club als wie ein sauber erzähltes Einzelabenteuer an.
Fazit
Skautfold: Moonless Knight ist ein interessantes, sperriges und sehr spezielles Action-RPG, das seine Identität nie versteckt. Das Setting ist stark, das Kampfsystem hat echte Eigenheiten, und wer düstere Metroidvanias mit einer Portion Souls-Strenge mag, findet hier deutlich mehr Charakter als in manch größerer, aber austauschbarer Genreware.
Man muss allerdings bereit sein, sich auf die Schwächen einzulassen. Die Story ist unnötig konfus, die Einführung der Systeme unerquicklich dürftig, und nicht jede Spielstunde hält das Niveau der besten Ideen. Unterm Strich bleibt für mich deshalb ein raues, eigenwilliges Spiel mit Kultpotenzial — eines, das eher Respekt als sofortige Liebe auslöst, aber gerade deshalb hängen bleiben kann.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/1029170/Skautfold_Moonless_Knight