So schnell kann’s gehen: Nach einem gemütlichen Tag in der Sonne macht ein kleiner Schleimball die Begegnung mit einem riesigen Wurm, der ihn kurzerhand verschluckt. Aus dieser Misere gilt es sich in „Slime-san“ des Indie-Entwicklerteams Fabraz und Publishers Headup Games nun zu befreien.
Die Härte alter Zeiten
Was sich jetzt vielleicht einfach anhören mag, wird jeden eurer Finger am Gamepad zu Höchstleistung anspornen – denn „Slime-san“ ist nichts für Weicheier, auch wenn die Form des Hauptcharakters vielleicht darauf schließen lässt. Selbst die 8-Bit-Retro-Optik verharmlost das Geschehen etwas. Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke: Waren die Spiele zu Zeiten von NES und Co. nicht auch immer brutal schwer?! Sei’s drum: In der Kampagne gibt es pro Level immer vier Bildschirme zu überstehen, die von euch Geschick und Schnelligkeit verlangen.
Denn jeder einzelne dieser Bildschirme ist gefüllt mit anspruchsvollen Hüpfpassagen und natürlich jeder Menge Gefahren. Die Sache ist nämlich folgende: Berührt ihr einen falschen Pixel, sterbt ihr – hat hier jemand „Meatboy“ gerufen?! Ja, so ähnlich könnt ihr euch „Slime-san“ vorstellen: anspruchsvoll, pixelig und definitiv nichts für Einsteiger ins Genre.
Damit ihr euch nicht zu viel Zeit lasst bei den kurzen Abschnitten, gibt es noch eine Art Zeitlimit: Nach einem Moment beginnt euch nämlich die Magensäure des gigantischen Wurms, in dem ihr euch befindet, zu jagen. Seid ihr nicht schnell genug am Ausgang, geht’s gleich wieder von vorne los.
Aber zum Glück hat der kleine Schleim ein paar nette Tricks auf Lager: Durch seine Konsistenz kann er an Wänden entlang gleiten, sich daran hochziehen, schnell von A nach B dashen und sogar durch Hindernisse der gleichen Farbe – also grün – hindurch sickern, wenn ihr die entsprechende Taste gedrückt haltet. Zusätzlich verlangsamt dieser Move noch die Zeit, was bei manchen Passagen ganz nützlich ist. Nur wenn ihr diese kleinen Tricks beachtet und beherrscht, werdet ihr es bis zum Ende schaffen.
Ich hab’s gefunden, also behalt ich es!
Wer damit noch nicht genug hat, kann in den Levels noch zusätzlich auf Item-Suche gehen: Denn in jedem Level gibt es insgesamt vier grüne Äpfel einzusammeln. Diese sind eine Art Währung, die ihr in der Stadt – ja, der Wurm hat eine komplette Kleinstadt gefuttert – ausgeben könnt. Damit erhaltet ihr dann neue Outfits, Hintergründe oder sogar Spielstile.
Letztere sind besonders interessant, da sie euren Schleim verformen und ihm positive, aber auch negative Eigenschaften verleihen. Ein Beispiel: Ein Spielstil kann sein, dass ihr weiter dasht, aber langsamer seid. Oder ihr könnt zweimal hintereinander hüpfen, dafür aber nicht mehr dashen. Es gibt viele Varianten, mit denen ihr den Schleim an euren ganz eigenen Stil anpassen könnt – nette Sache. Aber wirklich einfacher macht es die Sache im Endeffekt dann auch nicht.
Neben den Äpfeln gibt es hin und wieder auch mal eine Münze in den Levels zu finden. Diese gelten ebenfalls als Währung – allerdings für eine ganz besondere Sache: Mit jeweils drei Münzen dürft ihr ein Minispiel freischalten, das ihr ab dann immer wieder zwischendurch daddeln dürft. Von einer Pong-Variante über eine Art Mario Kart bis hin zu einem billigen Zelda-Klon ist alles vertreten.
Eine wirklich erfrischende und lustige Idee. Aber wieder zurück zum Alltagsgeschäft des grünen Schleims … Ein kleines Highlight sind die Bosse, die am Ende jedes Kapitels warten. Wobei die Bosse eigentlich die inneren Organe des Wurms sind, die euch aufs Korn nehmen. Aber auch hier gilt: Nur mit Geschick und Timing werdet ihr diese überstehen.
Ganz schön viel drin
So viel zum Basis-Spiel von „Slime-san“, das auf der Xbox One und der PS4 sein Debüt mit der „Superslime Edition“ feiert. Diese beinhaltet neben dem Grundspiel auch sämtliche Erweiterungen. In „Blackbird’s Kraken“ werdet ihr diesmal von einem gigantischen, dreimal dürft ihr raten, gefressen. Schmecken diese Schleimbollen eigentlich so lecker?!
Auf jeden Fall müsst ihr auch da wieder lebend herauskommen – was ebenfalls sehr anspruchsvoll ist. Bei „Sheeple’s Sequel“ macht euch ein durchgeknalltes Schaf das Leben schwer: In hinterlistigen Levels versucht euch der Superschurke um die Ecke zu bringen – was er garantiert das ein oder andere Mal schaffen wird. Und wäre das nicht schon Material genug, wartet die „Superslime Edition“ noch mit zehn Extra-Levels auf, in denen ihr Opa-san spielen dürft.
Soll keiner sagen, dass es nicht genug zu tun gäbe. Wenn ihr „Slime-san“ von Anfang bis Ende durchhabt, könnt ihr euch gerne auch an die Speedruns machen: In äußerst knappen Zeitvorgaben müsst ihr durch die Abschnitte flitzen, um eine Trophäe zu verdienen. Doch an diesem Punkt bin ich spätestens raus: Das überlasse ich lieber den Profis, die 20 Jahre jünger sind als ich. Ich habe nämlich auch schon so an der Kampagne ordentlich zu knabbern – aber meinen Spaß dabei.
Fazit
„Slime-san“ ist ein liebenswerter, aber auch ganz schön brutaler Plattformer: In einer netten 8-Bit-Grafik verpacken Indie-Entwickler Fabraz und Publisher Headup Games ihr knallhartes Jump&Run, bei dem jeder Fehler tödlich ist. Timing, Geschick, aber auch eine gewisse Frusttoleranz braucht ihr, um den niedlichen, grünen Schleim aus seiner misslichen Lage zu befreien. Besonders Fans von kniffligen Hüpfeinlagen und Speedruner finden hier ein Paradies vor: Gelegenheitsspieler hingegen werden spätestens ab der Hälfte des Titels an ihre Grenzen gelangen. Ein cooler Geheimtipp!
Erhältlich für: Switch, PS4, Xbox One, PC
Website: slime-san.com