Mir ging es etwa so: Smash it Wild: Tactical Volleyball Roguelike ist genau die Art von Spielidee, bei der man erst kurz lacht und dann bemerkt, dass sie tatsächlich verdammt gut funktioniert. Vielleicht hätte ich das von Blood Bowl wissen können. Jedenfalls: Volleyball, Dodgeball, Taktikbrett und Roguelike in einem Paket - das geht.
Ganz groß wird das Spiel zwar nicht, weil Umfang, Balance und Langzeitmotivation Grenzen setzen, aber als origineller Indie-Hybrid ist das hier ein ziemlich herrlicher Volltreffer. Ihr müsst euch aber zunächst etwas reinfuchsen. Seid ihr bereit dazu?
Volleyball mit Gehirn
Schon die Grundidee ist wunderbar schräg. Smash it Wild lässt euch in einem Fantasy-Turnier mit tierischen Teams antreten. Es verwandelt Sport in rundenbasierte Rastertaktik, bei der Positionierung, Ausdauer, Ballflugbahn und Teamfähigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Jede Runde besteht aus aufeinanderfolgenden Matches, zwischen denen ihr trainiert, Gegenstände einsammelt, Events erlebt und eure Mannschaft immer weiter in Richtung Pokal optimiert. Das geht so lange bis eine Niederlage alles wieder auf null setzt.
Das Erstaunliche daran: Dieses Regelchaos liest sich absurder, als es sich spielt. Das Spiel übersetzt auf natürliche Weise Sport in Taktik, weil Pässe, Blocks, Spikes und Ausweichmanöver eben nicht mehr Reflexsache sind, sondern bewusste Entscheidungen, die wie kleine Zug-für-Zug-Rätsel gelesen werden. So wird aus einem vermeintlichen Gag-Spiel ein ziemlich ernstzunehmendes Strategiesystem mit echtem Eigenleben.
Wenn der Ball zur Waffe wird
Die vielleicht cleverste Idee ist, dass der Ball hier nicht nur Punktelieferant, sondern auch Waffe ist. Angriffe kosten Ausdauer, können Gegner verschieben, blockieren, mit Effekten wie Eis oder Gift belegen und so nicht bloß auf den nächsten Punkt, sondern direkt auf die gegnerische Formation zielen. Dadurch spielt sich Smash it Wild eher wie eine Mischung aus Platz-Sport und kontrollierter Prügelei, bei der ihr ständig abwägt, ob ihr sauber abschließt oder den Gegner erst taktisch zerlegt.
Gerade diese Dualität macht das Spiel so angenehm frisch. Ein guter Zug ist nicht einfach „Ball übers Netz“, sondern oft die Vorbereitung auf den übernächsten Schlag, das Herausziehen eines Verteidigers oder das Erzwingen einer schlechten Reaktion. Wenn das System klickt, fühlt sich ein sauber vorbereiteter Punkt fast so befriedigend an wie ein perfekter Zug in einem Taktik-RPG.
Teams, Synergien und kleine Suchtmomente
Außerhalb der Matches lebt Smash it Wild stark von seiner Roguelike-Schraube. Zwischen den Spielen verbessert ihr Spieler, wählt Fähigkeiten, kombiniert Items und bastelt an Team-Synergien, wobei unterschiedliche Mannschaften jeweils eigene Strategien und Movesets mitbringen. Genau dieses Tüfteln ist eine der größten Stärken, weil ihr nicht nur eine Aufstellung verwaltet, sondern langsam kleine Sportmonster züchtet, die sich gegenseitig perfekt ergänzen.
Auch die Präsentation hilft dabei. Das Sailpunk-Fantasy-Setting mit seinen tierischen Athleten, die farbenfrohe Optik und die klar lesbaren Plätze sorgen dafür, dass die vielen Informationen nicht im Systemnebel verschwinden.
Der Einstieg ist kein Freundschaftsspiel
Ganz ohne Anlaufzeit geht das alles aber nicht. Das Tutorial ist eher funktional als wirklich gut. Damit schubst euch das Spiel anfangs etwas unsanft auf das Feld. Das ist nicht katastrophal, aber schon genug, um in den ersten Runden eher Stirnrunzeln als Sportbegeisterung auszulösen.
Dazu kommt eine gewisse Uneinheitlichkeit bei Schwierigkeit und Balance. Einzelne Builds sind klar stärker als andere. Es gibt auch Runs, die durch Upgrade-Glück zu leicht oder zu unerquicklich werden.
Gute Idee, begrenzte Halbwertszeit
Smash it Wild macht Spaß, aber nicht ewig. Die grundlegende Mechanik ist stark, der Content-Pool aber nicht riesig. Runs mit derselben Mannschaft werden irgendwann ähnlicher, als man es sich von einem Roguelike wünscht. Anders gesagt: Das Spiel hat viel Persönlichkeit, aber noch nicht ganz die Ausdauer eines echten Langstrecken-Champions.
Fazit
Smash it Wild: Tactical Volleyball Roguelike ist ein wunderbar seltsamer Genre-Mix, der viel besser funktioniert, als sein Name zunächst vermuten lässt. Die Verbindung aus Sport, Taktik und Roguelike hat echte Tiefe, belohnt kluges Positionsspiel und schafft etwas, das sich nicht wie die x-te Variation bekannter Indie-Bausteine anfühlt.
Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass der Einstieg holpert und die Langzeitmotivation nicht ganz mit dem starken Grundkonzept mithält. Unterm Strich bleibt für mich trotzdem ein sehr sympathischer, clever designter Exot. Es ist einer dieser Titel, bei denen man erst denkt „Das ist doch Quatsch“ und eine Stunde später viel zu ernst über die perfekte Volleyball-Igel-Synergie nachgrübelt.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: goblinzstudio.com/game/smash-it-wild