Inzwischen muss irgendwie alles Open-World sein – so kommt es mir jedenfalls vor. Anscheinend denken Entwickler:innen, dass mit Open-World alles besser wird. Aber nicht jedes Format eignet sich für die offene Welt. Also war ich entsprechend skeptisch als Sega ankündigte, dass sie ihren blauen Igel Sonic in die offene Welt entlassen. Kann das gutgehen? Genau das klären wir mit Sonic Frontiers.
In die Spuren eines Klempners?
Bevor nun einige sagen: Bei Mario hat der Umschwung in die offene Welt vor Jahrzehnten bereits gut funktioniert, lasst mich eins sagen. Mario ist nicht Sonic! Ja, theoretisch klingt das plausibel, weil beide Spiele im Jump&Run-Genre angesiedelt sind. Aber Sonic ist da doch etwas speziell. Die einzelnen Levels waren immer auf Geschwindigkeit ausgelegt. Wie das mit einer offenen Welt zusammenpasst, wird schwer. Aber Sega hat nun den Versuch gewagt. Und ich muss sagen: So schlecht ist ihnen der Ansatz gar nicht gelungen.
In Sonic Frontiers werden Sonic und seine Freunde in eine virtuelle Cyberwelt gezogen. Natürlich hat hier irgendwie auch Dr. Eggman seine Finger mit im Spiel. Doch auch er wurde dort hineingezogen und versucht nun den größten Nutzen aus der Lage zu ziehen. Jedenfalls wacht Sonic kurz nach der harten Landung auf und ist alleine: Amy und Tales fehlen. Außerdem sieht die Welt merkwürdig aus – und deren Bewohner sind noch merkwürdiger. Alles scheint dem kleinen Igel feindlich gesinnt zu sein. Also trottet der Igel blindlings los, um zu sehen, was es hier zu tun gibt.
Erinnerungen an alte Zeiten
Ja, der Einstieg ist etwas generisch, aber geht als Storyline klar. Die ersten Gehversuche auf der Insel stellen sich als äußerst unterhaltsam heraus. Irgendwie erinnert das Ganze ein wenig an Zelda: Breath of the Wild, was das Design der Gegner angeht. Technisch ist Sonic Frontiers eine andere Nummer – aber dazu später mehr.
Jedenfalls lauft ihr zu Beginn durch die Gegend, entdeckt Sprungschanzen, Beschleunigungsstreifen oder Schienen, die überall in der Gegend platziert sind. Das Austoben im dreidimensionalen Raum macht durchaus Laune. Wir sammeln Münzen und andere leuchtende Gegenstände. Erst später wird klar, was es damit auf sich hat. In dieser Welt warten eine Menge Geheimnisse und viele kleine Herausforderungen.
Aus dieser Sicht macht Sonic Frontiers durchaus Lust auf mehr: Immer wieder ploppt eine neue Aufgabe auf und die große Insel lädt zum Erkunden ein. Spielerisch bleibt Sonic Frontiers aber im Grunde seinen Wurzeln treu: Neben den insgesamt fünf großen Welten, die ihr frei erkunden könnt, gibt es immer wieder die schnellen Speed-Levels, die ihr aus den anderen Teilen kennt und liebt. In diese Levels gerät Sonic über Portale. Hier müsst ihr möglichst schnell ans Ziel rasen, Punkte und Münzen sammeln oder andere Herausforderungen bestehen. Für Fans von Sonic schlägt hier das Spielerherz höher.
Persönlich ist mir aber die offene Spielwelt irgendwie lieber: Das liegt daran, dass ich mit Sonic früher nie warm wurde. In der offenen Welt kann ich munter durch die Gegend laufen, Herausforderungen bestehen und gegen Gegner kämpfen. Manche von denen sind übrigens so hoch wie ein Wolkenkratzer. Ja, in diesem Aspekt macht Sonic Frontiers wirklich Spaß. Auch die Kämpfe gegen die unterschiedlichen Gegner halten mich bei Laune. Insbesondere die gigantischen Fights gegen die Titanen einer jeden Welt – bombastisch. Doch es gibt auch Schattenseiten.
Etwas schwach auf der Brust
Das größte Manko an Sonic Frontiers ist die Technik: Es kommt mir vor, dass Sonic Frontiers aus dem letzten Jahrzehnt stammt. Auf Screenshots sieht die Welt von Sonic wunderschön aus. Auch in den zahlreichen Zwischensequenzen kann sich der Igel sehen lassen. Doch sobald ihr durch die Welt rast, schwächelt das technische Gerüst. Viele Objekte tauchen erst im letzten Moment auf oder verschwinden unschön am Horizont. Damit meine ich noch nicht einmal die Weitsicht. Gefühlt verschwinden einige Objekte schon nach zehn, zwanzig Metern Entfernung. Das wird besonders deutlich, wenn ihr schnell unterwegs seid. Hier sollte Sega unbedingt beim nächsten Mal seine Hausaufgaben machen. Denn anscheinend verträgt sich Geschwindigkeit nicht mit ihrer Grafik-Engine.
Fazit
Sonic Frontiers ist ein schnelles, unterhaltsames Spielchen, das mit Sicherheit seine Fangemeinde finden wird. Auch ich, der sonst weniger mit Sonic was angfangen kann, hatte teilweise meinen Spaß hier. Das Konzept von offener Welt und schnellen Zwischen-Levels geht zwar nicht 100%ig auf, passt aber deutlich besser zusammen, als ich dachte. Somit kann ich Sonic Frontiers guten Gewissens weiterempfehlen. Nur die Technik hat Sega nicht im Griff. Für ein immersives Gefühl müsste hier ordentlich nachgeschraubt werden. Für den ersten Versuch von Sonic in einer offenen Welt war das aber gar nicht schlecht. Hut ab.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: frontiers.sonicthehedgehog.com