Wenn ich an die letzten beiden South-Park-Spiele denke, komme ich schnell ins Schwärmen. Sowohl der Stab der Wahrheit als auch die rektakuläre Zerreisprobe waren herrlich durchgeknallte und sehr gute Spiele. Mit South Park Snow Day will sich Entwickler Question LLC und Publisher THQ Nordic vom rundenbasierten Ansatz wegbewegen und mehr in die Richtung Action gehen. Ob dieser Ansatz gelingt, erzähle ich euch in den folgenden Zeilen.
Keine Schule für Cartman
Der Name ist Programm: Im berühmten Örtchen South Park erwartet Cartman und Co. ein herrlicher Schneetag. Nun ja, ganz so herrlich ist er für die meisten Einwohner nicht. Denn es schneit so heftig, dass alles zum Stillstand kommt – auch der Schulbetrieb. Und das ist für Cartman das Wichtigste. Anstatt das Unwetter daheim auszusitzen, beginnt für ihn ein neues Rollenspiel. Ihr als namenloses Kind spielt darin gleich mal eine Hauptrolle.
Im Tutorial lernt ihr fix die Steuerung und sämtliche Mechaniken kennen. Ich würde es als klassisches Third-Person-Action-Spiel beschreiben. In streng linearen Leveln lauft ihr von A nach B und prügelt unterwegs Feinde (verkleidete andere Kinder) nieder. Das macht ihr entweder im Nahkampf oder per Pfeil und Bogen aus der Ferne. So viel mal zum groben Konzept.
Alleine oder mit anderen – immer gemeinsam unterwegs
Snow Day ist dabei aber speziell auf das Spielen mit Freund:innen ausgelegt. Mit einer Vierer-Truppe könnt ihr die Kämpfe in Echtzeit bestreiten. Spielt ihr lieber alleine, füllt Snow Day eure Truppe mit KI-Kids auf. Mehr dazu später.
Grundsätzlich machen die Fights Spaß, verlangen aber wenig an Taktik. Ihr könnt euch zwar im hohen Schnee verstecken und theoretisch mehr Schaden durch das Anschleichen von hinten austeilen, aber die Praxis sieht anders aus. Die Scharmützel gegen Wellen von Gegnern spielen sich eher chaotisch und hektisch. Das liegt zum einen an den vielen Gegnern, die plötzlich aus allen Hinmelsrichtungen auftauchen, zum anderen an der doch etwas unpräzisen Steuerung.
Ein kleines Beispiel gefällig? Es gibt eine Luftattacke: Sobald ihr springt oder euch von irgendwo herunterfallen lasst, könnt ihr in der Luft die Angriffstaste drücken. Dann katapultiert ihr euch schräg nach vorne durch die Gegend und schwingt eure Waffe. Wirklich zielen könnt ihr so aber nicht. Daher endet der Angriff meist irgendwo – ab und an mitten in den Gegnern.
Epische Story? Eher nicht
So nett die Cutszenen auch sind, so monoton ist die Handlung. Wirklich spannende Sachen passieren in Snow Day eigentlich nie. Aber das hätte ich auch nicht erwartet. Viel enttäuschender ist eigentlich der monotone Spielverlauf. Denn bereits nach einer halben oder kompletten Stunde habe ich gefühlt alles gesehen. Ob ich am Ende mit einem Schwert, Dolchen oder einem Hammer umherlaufe, macht kaum einen Unterschied. Etwas mehr Anwechslung hätte dem kontinuierlichen Spielverlauf gutgetan.
Für Abwechslung sorgen unterdessen die Spielkarten, die ihr in Snow Day ergattern könnt. Immer wieder erhaltet ihr eine kleine Auswahl an Karten, von denen ihr euch für eine entscheiden müsst. Es sind kleine Verbesserungen, wie beispielsweise mehr Heilkraft, mehr Pfeile verschießen oder erhöhter Schaden in bestimmten Situationen. All das ist jedoch immer auf den aktuellen Level zeitlich begrenzt.
Permanente Upgrades gibt es aber auch: Diese müsst ihr euch zwischen den Missionen kaufen. Auch wenn sie einzeln wenig bewirken, sind sie letztlich in der Masse schon recht nützlich. Ihr werdet damit also Stück für Stück mächtiger. Dieses Feature setzt Snow Day gekonnt um.
Like a Boss
Ein Highlight waren für mich immer die Bosskämpfe gegen andere Bekannte aus South Park. So stellen sich euch Kyle, Stan und Prinzessin Kenny entgegen. Das kann schon Laune machen – insbesondere, wenn ihr mit Freund:innen spielt. Die KI-Kids sind da schon etwas dümmer unterwegs. Sie prügeln zwar auf alles ein, jedoch ohne erkennbare Taktik. So kam es öfters vor, dass sie wie die Lemminge nacheinander ins Getümmel liefen und abgeschlachtet wurden.
Grafisch macht South Park Snow Day übrigens einen sehr guten Eindruck. Die Comic-Figuren wurden bestens in Szene gesetzt (und vertont). Anscheinend gilt das nicht für die Switch-Version, die unter heftigen Framerate-Einbrüchen leidet. Also spielt lieber auf dem PC, der PS5 oder Xbox Series X/S.
Fazit
Alles in allem ist South Park Snow Day ein munteres Spielchen, geprägt von seinem Fäkalhumor. Nur ist der Ausflug in das Third-Person-Action-Genre nicht gänzlich geglückt. Der Spielablauf ist auf Dauer zu monoton und linear, um über viele Stunden zu begeistern. Da macht auch der 4-Spieler-Multiplayer-Modus wenig aus. Die Rollenspiel-Elemente sorgen für Abwechslung, doch spätestens nach einem Durchgang ist die Luft raus. Dafür steht Snow Day technisch auf sicheren Beinen, wenn man die Switch-Version ausklammert. Als Hardcore South Park Fan kann ich euch den Titel empfehlen. Wenn ihr aber nur teilweise auf das Setting steht, solltet ihr euch vorher lieber ein paar Let’s Plays anschauen. Viel Spaß im Schnee, wünsche ich euch.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: southpark.thqnordic.com