„An dieser Stelle geht es leider nicht mehr weiter – Fehler in der Demo“, meint Nick von Merge Games bei meinem Termin auf der gamescom mit ihm. Doch dafür haben mich die ersten zehn Minuten von „Sparklite“ zu sehr angefixt, um jetzt aufzugeben.
Instinktiv drücke ich eine der Schultertasten auf dem Controller und – siehe da – eine kleine Zeppelin-Bombe macht sich auf den Weg zu dem Stein, der uns den Durchgang versperrt – Bumm!
Nick ist ebenso erstaunt, wie begeistert: „Jetzt ist das hier der letzte Termin des Tages und wir sind noch nicht selbst auf die Idee mit der Schultertaste gekommen … Vielen Dank dafür!“, quittiert er mir lachend meinen Versuch. Ab diesem Moment konnte ich es kaum erwarten, dass „Sparklite“ endlich in den Handel kommt.
Starke 16-Bit
Das Spiel aus dem Hause Red Blue Games (Merge Games wirkt als Publisher) orientiert sich stark an Klassikern wie „Zelda“, was Gameplay und Optik angeht. Nein, nicht das aktuelle Switch-Zelda. Vielmehr der Titel aus der guten alten Zeit des Super Nintendos. Jeder 16-Bit-Fanatiker bekommt beim Anblick von „Sparklite“ Freudentränen in die Augen.
Nur übernimmt die Hauptrolle nicht Link, sondern eine taffe Dame namens Ada. Gleich zu Beginn erleidet die handwerklich begabte Abenteuerin mit ihrem fliegenden Schiff eine Bruchlandung. In einer Welt voller Monster muss sie sich zunächst mit ihrem Schraubschlüssel durchschlagen, bevor sie eine geheime, fliegende Basis entdeckt.
Diese Basis dient ihr fortan als Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Jedes Mal, wenn ihr das zeitliche segnen würdet, schnappt euch ein Mitglied der fliegenden Basis, um euch direkt ins Krankenzimmer zu bugsieren. Kurz gesagt: Wirklich sterben könnt ihr hier nicht. Ihr landet nur immer wieder in eurem Bettchen.
Immer wieder anders
Damit wäre auch schon die erste Besonderheit von „Sparklite“ angedeutet: Denn das Abenteuer enthält Rogue-like-Elemente. Soll heißen: Jeder Neubeginn beschert euch eine zufällig genierte Welt – zumindest teilweise. Grundsätzlich hat die gesamte Karte immer eine feste Größe und fünf Themengebiete. Das ändert sich auch nicht.
Nur die Anordnung der einzelnen Abschnitte samt zufällig auftauchender Events darin oder versteckter Schätze ist prozedural generiert. Was hat das Ganze mit „Zelda“ zu tun? Schauen wir weiter … Die Optik, eine schicke Draufsicht auf das pixelige Geschehen, könnte glatt von Zeiten des SNES stammen.
Auch das Gameplay fühlt sich an, wie „Zelda“ in seinen besten Tagen: Mit dem Schwert, pardon, mit dem Schraubschlüssel zerschneidet ihr das Gras, sammelt Edelsteine beziehungsweise Sparks auf, die euch als Währung dienen. Und natürlich gibt es in jedem der fünf Abschnitte mindestens ein besonderes Item zu entdecken, das euch anschließend den Weg für neue Gebiete eröffnet.
Metroidvania lässt grüßen
Diese mächtigen Items findet Ada in zufällig verstreuten Tempeln, die sie erst einmal in den Umgang mit dem neuen Item einführen, bevor Ada sich davon eine Blaupause machen darf. Das Item selbst muss sie zurücklassen – fies eigentlich.
Um das Item dauerhaft zu bekommen, muss Ada das gute Stück auf der Werkbank in der fliegenden Station selbst zusammenbasteln. Das wiederrum verlangt natürlich, dass ihr die nötige Kohle dafür habt. Geld dominiert hier das Geschehen. Richtig clever haben die Entwickler das Aufleveln bei „Sparklite“ gelöst: Anstatt irgendwelche Erfahrungspunkte zu sammeln, bekommt ihr die erwähnte Währung durch das Besiegen von Feinden oder Öffnen von Truhen.
Selbst bei einem K.O. bleiben euch die wertvollen Steine erhalten, sodass sich jeder Ausflug in die Welt unter euch lohnt. Habt ihr genügend Geld, könnt ihr eure Basis – und damit auch euch – Stück für Stück verbessern. Aber damit nicht genug. Euer Schraubschlüssel, den ihr als Waffe einsetzt, hat einiges zu bieten.
Mach's, wie es dir gefällt
Ihr findet auf eurem Abenteuer immer mal wieder Modifikationen. Diese dürft ihr an der Station im Krankenzimmer an eueren Schraubschlüssel anbringen. Dadurch bekommt ihr beispielsweise mehr Leben, eine bessere Verteidigung oder bekommt die Tempel auf der Karte angezeigt.
Habt ihr zwei Modifikationen derselben Art, könnt ihr diese gegen etwas Geld miteinander verschmelzen, was das Ganze stärker macht und außerdem Platz auf dem Schraubenschlüssel spart. Denn die Slots für die Verbesserungen sind anfangs stark begrenzt.
Das klingt vielleicht zunächst etwas kompliziert, geht aber sehr schnell wunderbar von der Hand und stellt sich als sehr cleveres, stufenloses Level-System heraus. Ihr werdet dadurch Stück für Stück besser. Fühlt sich prima an! Das Sahnehäubchen auf dem sonst schon richtig launigen Gameplay sind die Bosse, die ihr besiegen müsst, bevor es in ein neues Gebiet geht.
Gerade der erste dicke Brocken wird euch einige Zeit beschäftigen. Doch sobald ihr ihn gefällt habt, ist die Begeisterung groß. Die restlichen Obermotze werden weniger Anstrengung benötigen, weil man sich schnell in die Mechaniken eingespielt hat und es dann irgendwie besser läuft.
Fazit
Um meine Frage in der Einleitung zu beantworten: Es fühlt sich großartig an, wenn „Zelda“ und Rogue-like aufeinander treffen – sofern es so gut funktioniert wie hier bei „Sparklite“. Die Entwickler von Red Blue Games haben sich wirklich Gedanken gemacht, mit welchen Spielmechaniken man Zocker über eine lange Zeit bei Laune halten kann. Für mich ist die kleine Ada mit ihrem Schraubschlüssel schon jetzt eine der ganz großen Pixel-Heldinnen dieses Jahres!
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: redbluegames.com/games/sparklite