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Speedball (2026)

Der 35-jährige Punk im neuen Trikot.

Speedball ist so ein Name, bei dem ihr entweder sofort an den Amiga denkt – Metallarenen, Bitmap-Brothers-Logo, „Ice cream! Ice cream!“ – oder ihr habt gerade eine Bildungslücke entdeckt.

35 Jahre nach dem Original versucht Rebellion nun, diese Mischung aus futuristischem Handball, Faustkampf und Flipper in die Gegenwart zu schießen. Herausgekommen ist ein Remake, das vieles vom alten Charme einfängt, manches sinnvoll erweitert – und an ein paar modernen Basics überraschend vorbeirutscht.

Kurz zurück in die Arena: Was Speedball damals ausmachte

Das 1988er Speedball war ein kleiner britischer Kult: Fünf-gegen-fünf-Future-Sport in einer Metallbox, bei der es genauso wichtig war, Gegner umzutreten wie Tore zu schießen. Nur eine Aktionstaste am Joystick, kontextsensitiv für Passen, Schießen und Grätschen, dazu Multiplikator-Felder an der Bande, Bonusziele und ein gnadenloser Karriere-Modus – simpel, aber mit erstaunlich viel Tiefe.

Speedball 2: Brutal Deluxe hat das Konzept dann 1990 perfektioniert: mehr Spieler auf größeren Feldern, bessere Lesbarkeit, noch härtere Action, dazu ein legendärer Karriereaufbau, bei dem ihr eure Truppe mit Siegeln und Kohle zu Monsterschlägern hochzüchtet. Genau diese Mischung aus Arcade-Sofortzugriff, hoher Geschwindigkeit und brutaler Klarheit im Spieldesign ist der Maßstab, an dem sich jede Neuauflage messen lassen muss.

Mehr Knöpfe, mehr Optionen – weniger Eleganz?

Die neue Speedball-Version verabschiedet sich vom „eine Taste für alles“-Dogma und setzt auf ein modernes Button-Layout. Ihr habt separate Knöpfe für Sprung, Boost/Sprint, Schuss aufs Tor und Grätsche, dazu Modifizierer, mit denen ihr etwa einen angesetzten Torschuss abbrechen könnt, um den Gegner zu täuschen. Auf dem Papier klingt das genau nach der Art „Next Step“, die man sich 2026 wünscht: mehr Raum für Fakes, mehr Kontrolle über das eigene Spiel.

In der Praxis hängt viel davon ab, wie sehr ihr das alte, ultra-kontextbezogene System im Blut habt. Wer frisch einsteigt, findet ein schnelles, griffiges Arcade-Sportspiel, das sich gut mit Controller spielt. Zudem bietet es genug Moves, um Matches dynamisch zu halten. Veteran:innen des Originals müssen sich allerdings umgewöhnen: Der Fluss ist weniger „Joystick und Timing“, mehr „Skill-Rotation“ – was nicht per se schlecht ist, aber den puristischen Minimalismus der Bitmap-Brothers-Vorlage deutlich aufweicht.

Arenen, Fallen und Brutalität

Neben der klassischen Speedball-Arena bringt das Remake neue Spielfelder mit Umweltgefahren ins Spiel: Eisgeschütze, Minen, Flammenwerfer – all das sorgt dafür, dass ihr nicht nur gegnerische Spieler, sondern auch die Arena selbst im Blick behalten müsst. In den besten Partien entsteht genau die Art Chaos, die Fans lieben: Der Ball prallt an Multiplikatoren, jemand wird in Slow Motion in die Bande gerammt, eine Falle schaltet plötzlich einen Verteidiger aus, und ihr schiebt den Ball im letzten Moment über die Linie.

Speziell die Takedowns wurden deutlich aufgedreht. Harte Checks lösen jetzt Zeitlupen-Sequenzen aus, bei denen ihr euren Gegner spektakulär zermalmt – und anders als früher bringen euch diese Aktionen nicht nur Schaden, sondern auch Punkte. Aggression ist also nicht nur Mittel zum Zweck, sondern direkt in die Score-Mechanik eingebaut. Das passt perfekt zum „Future Bloodsport“-Image: Wer härter zufasst, gewinnt nicht nur Respekt, sondern auch Spiele.

Ein wenig zahm auf dem Feld

Was ein bisschen fehlt, ist die audiovisuelle Wucht. Die Animationen wirken leicht hölzern: Treffer fühlen sich nicht immer so brutal an, wie sie aussehen sollen, und manche Bewegungsabläufe lassen den metallischen Impact vermissen, der Speedball 2 so befriedigend gemacht hat.

Dazu kommt der Verzicht auf ein Replay-System für Tore – ihr seht nur kurz einen Spieler-Jubel, keine Zeitlupe des Schusses selbst. Bei einem Sportspiel, das von „Boah, hast du den gesehen?!“-Momenten lebt, ist das eine seltsam kurzsichtige Entscheidung.

Modi, Online-Fokus und Team-Management

Die Neuauflage zielt klar auf Online-Wettbewerb ab. Schnelle Matches, Ranked-Play, Leaderboards – wenn ihr Lust auf kurze, intensive Spiele mit menschlichen Gegnern habt, bekommt ihr genau das, was ihr erwartet. Im besten Fall, mit lagarmen Sessions und zwei Teams, die das System verstanden haben, ist Speedball 2026 eine echte Adrenalinpille: Tackles, Konter, Bande nutzen, Power-Ups aktivieren, das volle Programm.

Und genau hier liegt ein echter Schwachpunkt: Der Singleplayer-Modus ist etwas dünn. KI-Gegner sind brauchbar, aber nicht überragend, und ohne aktive Online-Community verliert der Titel einen großen Teil seiner Faszination. Wer Speedball vor allem als Couch- oder „gegen die CPU“-Erfahrung im Kopf hat, bekommt weniger als erhofft.

Glanz mit blinden Flecken

Optisch geht das Remake in Richtung „3D-Neuinterpretation“, ohne in hyperrealistischen Overdesign-Kram abzurutschen. Die Arenen sind klar lesbar, Spieler und Ball gut zu erkennen, und das futuristische Corporate-Dystopia-Setting ist stimmungsvoll eingefangen.

Der Sprung von Pixeln zu 3D-Modellen ist dabei Geschmackssache: Manche lieben den neuen Look, andere trauern dem ikonischen Bitmap-Brothers-Stil nach, der roher, aber charaktervoller war.

Fazit: Starker Kern, verschenkte Chancen

Die gute Nachricht zuerst: Wenn es läuft, fühlt sich Speedball 2026 wie Speedball an. Es ist schnell, aggressiv, lesbar, und in den besten Online-Matches kommt dieses alte „Nur noch eine Partie“-Gefühl wieder hoch, das den Bitmap-Brothers-Klassiker so süchtig gemacht hat. Die neue Mehr-Tasten-Steuerung eröffnet zusätzliche Finten und Strategien, die Fallen-Arenen und Punkt-Takedowns verstärken den brachialen Charakter des Sports angenehm.

Die schlechte Nachricht: Das Remake stolpert über Dinge, die 2026 eigentlich Standard sein sollten – wenig Polish bei Animationen und Präsentation, kein Tor-Replay, ein starker Fokus auf Multiplayer bei vergleichsweise magerem Solo-Angebot.

Wenn ihr mit Speedball groß geworden seid und euch vor allem danach sehnt, wieder Gegner in eine Stahlwand zu tacklen, lohnt sich ein Blick – besonders, wenn ihr Freunde oder eine aktive Online-Szene im Rücken habt. Erwartet ihr hingegen ein rundum modernes Sportspiel, das das Erbe von 1989 in jeder Hinsicht auf ein neues Niveau hebt, dürfte ihr euch eher wünschen, die Entwickler hätten sich beim Feintuning genauso viel Zeit genommen wie einst die Bitmap Brothers – die damals vier Monate nur fürs Gameplay-Finetuning eingeplant haben.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: rebellion.com/de/tag/speedball