Giganten der Gezeiten fühlt sich an wie eine dieser überdrehten Doppelfolgen, in denen jemand im Autoren-Raum gesagt hat: „Lasst uns alles reinwerfen – riesige Monster, Zeitkrams, Fanservice – und schauen, was passiert.“ Ihr schlüpft abwechselnd in die Schwämme, Krabben und Seesterne eurer Kindheit und versucht, eine gewaltige Geisterkatastrophe abzuwenden, während Bikini Bottom Stück für Stück im Chaos versinkt.
Spielerisch mischt das Ganze 3D-Plattformer mit leichten Action- und Rätselanteilen – und funktioniert immer dann am besten, wenn es euch einfach albern sein lässt. Schon auf der gamescom im letzten Jahr wusste ich, dass mir das gefallen wird. An dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön an THQ Nordic für die Präsentation und den umwerfenden Anzug, den der Präsentator trug.
Solide Schwamm-Action mit bekannten Ecken
Das Grundgerüst ist klassisches SpongeBob-3D-Hüpfen in relativ schlauchigen Levels. Ihr springt, prügelt euch mit Geistern, Quallen, Robotern und anderen Serien-Kreaturen, sammelt glänzende Objekte und schaltet neue Gebiete frei. Die beiden Haupt-Figuren sorgen mit individuellen Fähigkeiten für Abwechslung: SpongeBob mit seinen Standard-Hüpfern, Karate-Sprüngen und Abklatschern. Auf der anderen Seite Patrick als schwerfälliger Schläger, der Dinge aufheben und durch den Sand tauchen kann. Das macht die ersten Stunden angenehm abwechslungsreich, gerade wenn ihr die Reihe schon länger begleitet.
Auf lange Sicht zeigen sich aber vertraute Schwächen: Gegner und Herausforderungen wiederholen sich, Plattform-Abschnitte bauen öfter auf denselben Mustern auf, und manche Sammelaufgaben strecken den Level nur, statt ihn interessanter zu machen. Die Steuerung geht im Großen und Ganzen in Ordnung, hat aber immer wieder ihre „flutschigen“ Momente – Sprünge, die nicht ganz da landen, wo ihr es erwartet, oder Kamerawinkel, die präzise Landungen schwerer machen, als sie sein müssten. Wer mit den früheren SpongeBob-Plattformern warm geworden ist, wird sich dennoch sofort zu Hause fühlen; große Überraschungen im System dürft ihr aber nicht erwarten.
Wenn selbst die Flut noch einen Spruch drückt
Die Geschichte ist genau so dramatisch, wie es der Titel verspricht – nur eben mit der typischen SpongeBob-Schraube. Nach dem Streit zwischen Neptun und dem Fliegenden Holländer bedroht eine gigantische Gezeitenstörung Bikini Bottom, riesenhafte Kreaturen tauchen auf. Ihr reist durch verschiedene Zonen, versucht, den Ursprung des Chaos zu finden, geratet in überinszenierte Bosskämpfe und bekommt zwischendurch genügend Slapstick, Wortspiele und Seitenhiebe, um euch regelmäßig zu grinsen zu bringen.
Die deutsche Synchro trägt dabei viel: bekannte Stimmen, treffsichere Sprüche und eine gute Mischung aus kindgerechtem Humor und dem Augenzwinkern, das auch euch als älteres Publikum abholt. Fanservice gibt es reichlich, von Nebenfiguren in Miniauftritten bis zu Anspielungen auf klassische Folgen. Und ja, an passender Stelle darf natürlich auch David Hasselhoff nicht fehlen – als liebevoller Seitenhieb auf den ersten Kinofilm taucht er in einer Szene bzw. Referenz auf, die Fans sofort erkennen und feiern werden. Es ist kein zentrales Spielelement, aber genau dieses „Was, sie haben den Hoff wirklich wieder reingepackt?!“-Gefühl passt perfekt zur überdrehten Tonlage.
Schön schrill, aber etwas brav
Optisch liefert Giganten der Gezeiten sauber ab: bunte Unterwasserlandschaften, überzeichnete Animationen, dicke Umrisse, die Figuren und Objekte gut lesbar halten. Besonders Boss-Arenen sehen beeindruckend aus, wenn Wellen, Trümmer und Monster die Bühne füllen. Auf der technischen Seite ist das Spiel weitgehend stabil, kleinere Ruckler oder Pop-ins sind vorhanden, aber selten störend. Die Musik setzt auf bekannte Motive, Surf-Gitarren und Cartoon-Soundeffekte; sie drängt sich nicht in den Vordergrund, hilft aber, die Serie-Atmosphäre zu tragen.
Beim Leveldesign bleibt vieles angenehm, aber unspektakulär. Ein bisschen mehr Mut zu echten Umgebungs-Ideen und Umweltgags hätte dem Konzept gut getan – gerade, weil die Story so laut und wild aufdreht.
Fazit: Gelungener Serien-Ausflug mit Wasser nach oben
SpongeBob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten ist ein sympathischer, ordentlich gemachter 3D-Plattformer, der seinen stärksten Moment hat, wenn er euch einfach in die überdrehte Cartoon-Welt fallen lässt, euch zwischen bekannten Figuren hin- und herspringen lässt und sich nicht zu ernst nimmt. Humor, Präsentation und die vielen kleinen Referenzen – inklusive des unvermeidlichen David-Hasselhoff-Moments – machen das Spiel gerade für Fans der Serie charmant.
Wer dagegen ein spielerisches Feuerwerk oder ein Leveldesign auf Top-Plattformer-Niveau erwartet, wird feststellen, dass sich das Ganze trotz „gigantischem“ Setting eher wie ein sehr solider, aber wenig mutiger Serienableger anfühlt. Als kurzweilige, bunte Schwamm-Action für ein paar Nachmittage taugt Giganten der Gezeiten aber allemal – vor allem, wenn ihr ohnehin ein Herz für Bikini Bottom habt.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
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