Unterhaltung Games

Starfield

Ein episches Abenteuer oder doch nur aufgeblasenes Sci-Fi-Marketing?

Ich glaube, dass ich hier für all meine Kollegen spreche: Ein Spiel von Bethesda zu testen ist Fluch und Segen gleichermaßen. Auf der einen Seite habe ich mich riesig auf Starfield gefreut, auf der anderen Seite stehe ich hier einem Monster von Spiel gegenüber, bei dem ich nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen soll. Starfield besteht aus so vielen Elementen, von denen einige gut, einige weniger gut sind. Wie soll man da bewerten? Aber das hilft ja alles nichts. Augen zu und durch. Hier erfahrt ihr meine persönlichen Eindrücke, die ihr gerne dazu nutzen könnt, um euch selbst ein Bild von Starfield zu machen.

Lost in Space

Springen wir einfach mal mittenrein: Mit meinem Raumschiff bin ich zum ersten Mal im Orbit und habe noch keine Ahnung, was ich zu tun habe. Nach ein paar Hinweisen von meinem Roboter-Begleiter komme ich langsam in die Steuerung – und werde gleich auf die Probe gestellt. Ein Piratenschiff greift mich an und ich muss mich wehren. Danach folgen noch ein paar davon. Starfield macht es mir aber auch recht einfach zu Beginn. Dennoch fühle ich mich in den ersten zwei Spielstunden leicht überfordert. Es gibt hier so viel zu entdecken, zu lernen und zu sehen. Zu viel? Das zeigt sich gleich.

Springen wir mal ganz zum Anfang: Als namenloser Niemand beginnt eure Reise in einer Mine, in der ihr als Neuling Mineralien abbauen sollt. Das Gerät eurer Wahl dazu: ein Lasercutter. Dieser wird im Verlauf des Spiels noch ein guter Freund werden. Jedenfalls stoßt ihr gleich bei eurem ersten Einsatz auf das vielleicht seltenste Material des Weltalls. Natürlich könnt ihr die Finger nicht davon lassen. Nach einer merkwürdigen Vision, die diese Berührung auslöst, wird euch Schwarz vor Augen. Nachdem ihr aufwacht, beginnt das Abenteuer.

Altbekanntes Gefühl

Fast fühle ich mich wie in Fallout 3 oder 4 mit einer Prise Skyrim: Im Charakter-Editor tobe ich mich aus und erstelle mir meine Heldin – ja, ich spiele meist Frauen in Rollenspielen. Neben dem Erscheinungsbild dürft ihr noch über Talente und eure Hintergrund-Geschichte bestimmen. Und hier solltet ihr gut überlegen, was und wie ihr gerne spielt. Denn wie bei Bethesda-Spielen üblich, macht sich jede Entscheidung bemerkbar. Von der Frage eurer religiösen Einstellung bis hin zu Vorlieben für Waffen oder Forschung gebt ihr eurem Charakter hier den ersten Schliff. Für mich persönlich hat sich die Spezialisierung auf Jet-Packs als Vorteil erwiesen. Das nur nebenher. Ihr kennt euch und eure Spielweise aber am besten und entscheidet entsprechend.

Bevor ich lange überlegen kann, wird unsere Basis auf dem Minen-Planeten schon von Piraten angegriffen. Hier habe ich gleich mal die Chance, meine Waffen auszuprobieren. Und was ich sehe und spiele, fühlt sich richtig gut an. Der erste Eindruck soll sich übrigens auch im späteren Verlauf des Spiels bestätigen - allerdings auch einige andere Dinge. Denn anstatt aus der Deckung zu feuern, laufe ich direkt auf meine zu und will sie einkesseln. Das klappt auch hervorragend. Zu gut, meiner Meinung nach. Denn ein Gegner scheint mich erst zu bemerken, kurz bevor er stirbt. Auch bei späteren Gefechten kommen solche Ausfälle immer mal wieder vor. Aber wirklich schlimm ist das nicht – zumal man das per Patch sicher gut behoben hat.

Entdecken oder nicht?

Jedenfalls bekomme ich danach direkt mein erstes Raumschiff namens Frontier geschenkt. Die anfängliche Unsicherheit damit habe ich euch bereits geschildert. Als ich halbwegs heil mit dem Vehikel in New Atlantis gelandet bin, steigt die Begeisterung in mir hoch. So viele Dinge wollen noch entdeckt werden. Auch hier überwältigt mich dieser Gedanke erneut. Denn eigentlich liebe ich Spiele, in denen ich alles erkunden kann – in Starfield bleibt mir das wohl verwehrt. Ein Gedanke, an den ich mich erst einmal gewöhnen muss. Doch das ist nicht das einzige Problem, das ich mit Open World Spielen habe. Auch Starfield macht es mir schwer, mich auf die Hauptgeschichte zu konzentrieren. Immer wieder komme ich vom Weg ab und will nebenher mehr entdecken. Dazu gleich mehr. Kommen wir wieder zur eigentlichen Geschichte zurück.

Bethesda macht in Starfield ein ganz schönes Faß auf: dieses Metall, das ihr anfangs entdeckt habt, entpuppt sich als Artefakt. Aber von wem oder was? Genau das gilt es herauszufinden. Dabei schneidet Starfield sehr interessante Fragen der Menschheitsgeschichte an, die auch mich zum Grübeln bringen. In Sachen Story-Telling hat das Studio schön was gelernt. Mich hat die Geschichte zwar erst spät, aber dafür so richtig gepackt. Das war auch übrigens ein Grund dafür, dass ich diesmal weniger vom Weg abgekommen bin. Ich wollte wissen, wie es weitergeht.

So viel zu tun

Wer will, der kann locker seine 100 Stunden in Starfield verbraten – und noch deutlich mehr. Ihr könnt auf über 1000 Planeten fliegen, eigene Basen bauen und jede Menge Raumschiffe finden und aufrüsten. Allerdings hängen viele dieser Elemente nicht an der Story dran, so dass es schon etwas Eigenmotivation benötigt, um sich hier tief zu vergraben. Was das Entdecken anging, wurde mir das ständige Fliegen zu den unterschiedlichen Planeten schnell langweilig. Das lag vor allem daran, dass es nie wirklich viel zu entdecken gab. Mal ein fremdes Tier hier, mal eine Höhle mit Ressourcen hier. Aber einmalige Schätze oder besondere Quests - Fehlanzeige. Zumindest bei mir. Daher ging mein Entdeckergeist bald baden.

Aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Dazwischen habt ihr nämlich ein Rollenspiel von Expertenteams der Branche. Starfield macht Spaß, wenn ihr euch darauf einlassen könnt. Das musste ich auch erst einmal lernen. Denn zu Beginn war ich schier überfordert mit den Inhalten. Nach Mantra-artigem Einreden, dass ich nie alles sehen werde und das auch okay ist, ging es mir bald besser. Ich konnte mich gehen lassen und war glücklich damit. Auf diese Art und Weise habe ich übrigens auch mein Problem mit dem ständig überladenen Rucksack gelöst: " oooohhhmmm … du musst nicht alles mitnehmen, was du siehst … ooohhhhmmmm …"

Überraschend gut

Grafisch und technisch hat mich Starfield ebenfalls positiv überrascht. Ich habe das Spiel auf der Xbox Series X gespielt und bin begeistert, wie flüssig alles läuft. Auch wenn es Ladezeiten gibt, sind diese so kurz, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Es gibt zwar einige Spiele da draußen, die besser aussehen, aber wohl kaum ein anderes, das so wenige Bug bei dieser Größe aufweist. Hut ab vor dieser Leistung. Die Verschiebungen haben Starfield also sehr gutgetan.

Und da wäre noch etwas, über das ich berichten muss. Starfield hat es geschafft, dass ich sogar nach dem Abspann noch weiterspiele. Eigentlich halte ich nicht viel von einem New Game Plus. Aber hier hat Bethesda es echt clever eingebunden, dass ich motiviert war – auch wenn das Ende nicht zu 100 Prozent meinen Geschmack traf. Und damit komme ich zu meinem Fazit.

Fazit

Starfield hat so viele Facetten, über die man urteilen kann. Eigentlich kommt es stark auf euren Spielstil an, ob ihr Starfield mögt oder nicht. Denn ganz ehrlich: Der Basisbau und die Flüge mit meinem Raumschiff waren nie ganz mein Fall – auch wenn sie mich immer wieder unterhalten haben. Dafür hat mich die Story und das Gameplay begeistert. Die Waffen, die Fähigkeiten und sogar die Kameradschaft unter euren Crew-Mitgliedern sind ausgezeichnet umgesetzt worden. Die vielen Rädchen greifen bestens ineinander, was bei so einem Mammutwerk leicht hätte schiefgehen können. Starfield ist auf viele Arten einzigartig, aber auch ein echtes Biest an Spiel. Gebt Starfield eine Chance und lasst euch nicht von fremden Meinungen in eine Richtung drängen. Nur so entfaltet sich für euch ein einmaliges Abenteuer, das euch über Wochen und Monate unterhalten kann.

Erhältlich für: Xbox, PC
Website: bethesda.net/en/game/starfield