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Styx: Blades of Greed

Kleiner Goblin, schleich dich!

Styx: Blades of Greed ist unterm Strich ein gutes, manchmal sogar richtig starkes Stealth-Spiel, das die Reihe spielerisch sinnvoll öffnet, technisch und strukturell aber nicht konstant mit seinem Ehrgeiz mithalten kann. Wenn ihr pures Schleichen, vertikale Levels und kreative Infiltration mögt, bekommt ihr hier den bislang ambitioniertesten Styx – nur eben keinen makellosen. Lust drauf? Dann kommt mit!

Wo die Reihe herkommt

Für alle, die Styx bisher nur vom Hörensagen kennen: Die Figur tauchte zuerst in Of Orcs and Men auf, bekam dann mit Master of Shadows 2014 und Shards of Darkness 2017 ihre eigenen Schleichspiele und entwickelte sich dort zu einer kleinen Kultfigur für Leute, die lieber im Schatten bleiben, statt Gegner frontal umzuhauen. Die Reihe war nie AAA-Hochglanz, aber sie hatte immer einen klaren Reiz: ein zynischer Goblin, klares Stealth-Design, vertikale Karten und das wunderbare Gefühl, eine ganze Festung mit Geduld, Timing und einem Dolch im Rücken auszumanövrieren.

Blades of Greed bleibt dieser Linie treu, zieht den Maßstab aber deutlich an. Styx arbeitet diesmal nicht mehr bloß für andere, sondern verfolgt mit eigener Crew und Luftschiff seine ganz eigenen Ziele, während sich auf dem Iserian-Kontinent ein Krieg zwischen Elfen, Menschen und Orks zusammenbraut und der mysteriöse Rohstoff Quartz alle Seiten anheizt. Inhaltlich markiert das Spiel damit sogar den Beginn des Großen Krieges und der Black Hand, also jenes Söldnerverbands, der in Of Orcs and Men später wichtig wird.

Schleichen als Spielplatz

Spielerisch macht Blades of Greed sehr vieles richtig. Cyanide setzt stärker als zuvor auf große, offene und vor allem vertikale Areale, in denen ihr klettert, gleitet, mit dem Greifhaken Abkürzungen findet und euch wie eine grüne Mischung aus Dieb, Assassine und Kakerlake durch Mauerritzen, Gesimse und Dachbalken bewegt. Gerade diese Bewegungsfreiheit ist eine der größten Stärken, weil ihr euch nicht nur durch Korridore schiebt, sondern Räume wirklich lesen und auf eure Weise knacken könnt.

Dazu kommt ein schönes Arsenal an Werkzeugen und magischen Kräften. Unsichtbarkeit und Klon-Fähigkeit aus den Vorgängern kehren zurück, neu sind unter anderem Gedankenkontrolle und Time Shift durch Quartz, außerdem könnt ihr wieder Tränke, Munition und diverse Hilfsmittel craften. Das sorgt dafür, dass sich fast jede Situation wie ein kleines Stealth-Rätsel anfühlt: Lockt ihr den Wachmann weg, übernehmt ihr kurz seinen Kopf, schickt ihr euren Klon zum Hebel oder lasst ihr ihn einfach über die Brüstung kippen? Eure Entscheidung!

Genau in diesen Momenten ist Blades of Greed super spannend und spaßig. Wenn ein Level euch Raum gibt, seine Systeme zu kombinieren, wirkt das Spiel fast wie ein Gegengift zu überfüllten Open-World-Checklisten: weniger Marker-Hopping, mehr Beobachtung, Planung und schmutzige Improvisation.

Die Welt ist größer, aber nicht immer klüger

Die Öffnung der Reihe ist gleichzeitig auch der Punkt, an dem die Meinungen auseinandergehen. Ich bin auch zwiegespalten: Positiv betrachtet helfen die drei großen Gebiete – die Grenzfestung The Wall, das Ork-Dorf Turquoise Dawn und die Ruinen von Akenash – enorm dabei, das Schleichen freier und organischer zu machen. Gerade das Zurückkehren in zuvor besuchte Areale mit neuen Tools wird ist toll, weil daraus ein leichter Metroidvania-Effekt entsteht und die Karten nicht wie Wegwerfkulissen wirken.

Weniger gelungen ist allerdings, wie das Spiel euch durch manche Missionen treibt. Ausgerechnet das Missionsdesign bleibt oft zu streng oder zu schlicht, obwohl die Levels selbst viel mehr Möglichkeiten bieten würden. Ihr habt also einerseits wunderbar verschachtelte Räume und viele kreative Werkzeuge, andererseits Aufgaben, die nicht immer das Beste daraus machen oder euch unnötig auf bestimmte Abläufe festnageln.

Auch die Geschichte überzeugt nicht komplett. Styx selbst bleibt mit seinem giftigen Humor und seiner schnoddrigen Art eine starke Figur, aber Plot, Nebencharaktere und manche Sprecherleistungen sind eher zweckmäßig als mitreißend. Die Welt ist atmosphärisch, doch erzählerisch wirkt Blades of Greed dann eher wie ein solides Fantasy-Rahmenwerk für gutes Schleichen als wie ein Story-Brett, das euch emotional vom Hocker haut.

Fazit

Styx: Blades of Greed ist ein Fest für Leute, die echtes Stealth lieben, geduldig Räume ausspähen und lieber zehn Minuten einen perfekten Weg planen, als fünf Gegner frontal niederzukloppen. Die größere Welt, die vertikale Freiheit und das erweiterte Werkzeugset machen es spielerisch zur ambitioniertesten und in vielen Momenten auch besten Folge der Reihe.

Gleichzeitig ist es typisch Styx, dass der Goblin nicht ganz geschniegelt aus dem Schatten tritt. Missionsstruktur, Story und vor allem die technische Seite verhindern, dass Blades of Greed der große Befreiungsschlag wird, den die Reihe vielleicht verdient hätte. Wenn ihr mit AA-Kanten leben könnt und vor allem ein knackiges, systemisches Schleichspiel sucht, lohnt sich der Ausflug trotzdem sehr – vielleicht sogar mehr als viele größere Produktionen, die Heimlichkeit nur noch als optionale Beilage behandeln.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: nacongaming.com/en/styx-blades-of-greed