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Switch – Or Die Trying

Klingt komisch, ist aber so: Dieses Spiel ist das fehlende „i“ in „Meatboy“.

Selten war ich so kurz davor meinen Controller in die Ecke zu schleudern, wie bei diesem Spielchen. Und das liegt am wahnsinnigen Balancing, das euch dieser Titel entgegenwirft. Herausforderung trifft hier auf Frust aller ersten Güte. Solltet ihr sowieso nicht auf Hardcore-Jump&Run’s stehen, braucht ihr an dieser Stelle nicht weiterzulesen. Alle anderen, die mehr von meinem Wutausbruch hören wollen, bleiben dran.

Fallt nicht auf die Optik rein!

Sehr niedlich und unschuldig stellt sich der Hauptakteuer des Hüpfspielchens vor: Es ist ein kleines „i“ – ja, ich meine hier tatsächlich den Buchstaben. In einem kurzen Tutorial hüpft das Kerlchen leichtfüßig durch simple Passagen, um die Spielidee zu verdeutlichen: Springen, laufen, an Wänden gleiten, später sogar schießen und einen Doppelsprung ausführen. Die Sache mit dem Doppelsprung hat jedoch einen Haken: Es ist nämlich kein Doppelsprung im eigentlichen Sinne. Wer den rechten Trigger oder den „B“-Knopf während eines Sprungs in der Luft drückt (auf einem Xbox-Controller), der verwandelt sein kleines „i“ in ein „I“ (großes „i“). Dadurch bekommt das Männchen einen zusätzlichen Boost, was einem Doppelsprung nicht unähnlich ist.

Nur wird euch diese Variante der Fortbewegung ziemlich die Gehirngänge verknoten, da springen und verwandeln zwei unterschiedliche Tasten benötigen. Meiner Meinung nach hätte das gesamte Spiel auch gut funktioniert, wenn springen und verwandeln auf ein und derselben Taste gelegen wäre. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?! Zumindest konnte ich mich an die Steuerung einigermaßen gewöhnen, während ich die ersten Levels des ersten Buches anging. Die komplette Welt ist übrigens in fünf Bücher unterteilt, die jeweils 15 Level für euch bereithalten. Spielerisch befindet sich „Switch – Or Die Trying“ fast auf Augenhöhe mit Titeln wie dem Klassiker „Super Meat Boy“ oder dem wunderbaren „Celeste“. Doch der schwankende Schwierigkeitsgrad macht dem Ganzen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung.

Die Herausforderung wartet

Grundsätzlich lautet die Aufgabe eines jeden Abschnitts gleich: Erreiche das Ziel. Auf dem Weg dahin gibt es im Level immer eine Träne zu sammeln und eine Zeit zu schlagen. Für jeden dieser drei Aufgaben (Ziel erreichen, Träne sammeln, Zeit schlagen) winkt ein Sternchen am Ende. Schafft ihr alle drei Vorgaben in einem Lauf, dann bekommt ihr eine „Exzellente“ Wertung. Eigentlich dauert so ein Level nie länger als eine Minute – vorausgesetzt ihr schafft ihn beim ersten Durchgang. Bei mir hat es manchmal zwei, drei Anläufe gebraucht, bis ich durch war. Am Ende des ersten Buches dann sogar manchmal zehn Anläufe – bis auf Level 9 des ersten Buches, wo ich beinahe die Kontrolle über mich verlor … Waren die ersten Abschnitte für mich wie eine Eingewöhnung in die Spielmechanik, kam Level 9 beinahe einer spielerischen Vergewaltigung gleich. Sollte ich zuvor nur simple Hüpfpassagen meistern, kommen nun auch tödliche Stacheln mit ins Spiel, an denen mein „i“ direkt zerplatzt, wenn es sie berührt – was soweit ja noch okay ist. Anstatt mich mit dieser Neuerung alleine zu lassen, schiebt sich auch noch eine Stachelwand von unten nach oben durch den Abschnitt und hetzt mich den Turm hinauf – wie ich solche Level hasse.

Als wäre der Blick auf die Zeitanzeige rechts oben nicht schon Druck genug. Als Tüpfelchen auf dem „i“ verleihen die Macher den Stacheln eine solch merkwürdige Form, dass es fast nie ersichtlich ist, wann unser Held die Stacheln nun berührt und wann nicht. Meist reicht es, wenn ich nur in der Nähe der Stacheln bin, um zu platzen. Der Schwierigkeitsgrad dieses Level schnellt dadurch dermaßen in die Höhe, dass ich schreien möchte. Und als ich es dann nach 71 Versuchen endlich an die Spitze des Turms geschafft habe, stelle ich einen Level später fest, dass ich wieder mit dem Zuckerbrot der recht simplen Hüpfeinlagen belohnt werde. Irgendwie fühlt sich das nicht richtig an. Hardcore-Zocker, die „Super Meat Boy“ vor dem Schlafengehen noch einmal durchspielen, werden sich daran wohl wenig stören. Doch als Gelegenheits-Jump&Run-Spieler fällt mir solch ein unausgegorener Schwierigkeitsgrad sehr negativ auf, da er für reichlich Frust sorgt. Es sollte doch mit ein bisschen Übung möglich sein, das erste von fünf Büchern des Spiels zu schaffen, ohne gleich ein Dauerzocker sein zu müssen?! Wenn ich in späteren Abschnitte ordentlich was zu knabbern habe, dann ist mir das Recht. Allerdings schmeckt es im ersten Level doch ziemlich bitter, wenn euch das Spiel aufzeigt, wie ungeeignet ihr hierfür seid.

Fazit

Insgesamt kann ich „Switch – Or Die Trying“ nur eingefleischten Fans des Genres empfehlen. Gelegenheitsspieler machen besser einen großen Bogen hierum und versuchen mit „Mario“ und Co. ihr Glück. Wer sich auf diese Herausforderung einlässt, sollte definitiv ein dickes Nervenkostüm mitbringen und schnelle Finger – nur so könnt ihr dem munteren Hauptcharakter dieses Titels wirklich helfen. 

Erhältlich für: Xbox One, PC
Website: threye.com/switch.html