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Sword Art Online: Alicization Lycoris

Japanisches Rollenspiel für Fans: Sehr klassisch, leicht unfair und oft zäh – aber auch zum Reinbeißen.

Herr Gott, noch einmal! Das kann jetzt nicht euer Ernst sein?! Gerade habe ich fünf (!) Bosse in Folge gelegt und bin am sechsten Boss ganz knapp gescheitert. Darf ich wieder einen Versuch starten? Klar doch! Aber bitte von vorne … Also noch mal alle fünf Bosse von vorher besiegen und dann mal schauen, ob es klappt. So viel steht fest: „Sword Art Online: Alicization Lycoris“ macht es euch wahrlich nicht leicht.

Zu viel ist zu viel

Es ist vielleicht einer der unfairsten oder unglücklichsten Anfänge der Rollenspielgeschichte: „Sword Art Online: Alicization Lycoris“ wirft euch relativ zu Beginn die eben erwähnten sechs Bosse am Stück vor – und setzt den Speicherpunkt vor dem Ersten (!). Es braucht schon eine gewisse Frusttoleranz, um hier nicht den Controller in den Monitor zu feuern, wenn man versagt hat.

Das wäre selbst für ein Dark Souls etwas zu viel des Guten. Aber mit etwas Übung schafft ihr die Stelle schon – nur nötig wäre es nicht gewesen. Kurz zur Erläuterung: Nach einem ausführlichen Tutorial werdet ihr in die Fantasy-Welt des neuen „Sword Art Online“-Ablegers geworfen. Ihr habt es hier im Grunde mit einem typischen JRPG zu tun.

Alle klassischen Elemente sind vertreten: Gruppenkämpfe (in Echtzeit), ständig auftauchende Monster, hochlevelbare Charaktere, jede Menge Fähigkeiten und immer wieder Grinding-Sessions. Besonders auf Letzteres hätte ich hören sollen. Ich war im Level wohl noch etwas schwach auf der Brust als ich in den tödlichen Bosskmapf eingetaucht bin.

Daher mein Tipp: Nehmt euch während der Story immer wieder Zeit und farmt ein paar Monster ab, um höher im Level zu steigen. So wird das Spiel um einiges leichter. Aber ich hatte noch einen Fehler gemacht …

Sei aktiver!

Bei den Kämpfen gegen die dicken Brocken konnte ich kaum Schaden anrichten: Etwas ausweichen, hoffen, dass nicht wieder ein unblockbarer Schlag kommt und dann selbst attackieren – so war mein Muster. Die ganzen passiven Skills, die ich gelernt hatte, halfen mir da recht wenig. Warum nur setze ich keine aktiven Fähigkeiten ein? Genau das fragte mich ein Kumpel, als ich ihm mein Leid klagte. Die Antwort: Weil ich keine aktiven Fähigkeiten habe und es keine gibt!

Mit hochgezogener Augenbraue fragte mich mein Kumpel, ob ich mal im Skill-Tree mit dem Zeiger nach oben gegangen wäre. Ich wusste nicht, was er meinte. Doch dann traf es mich, wie ein Blitz: Neben dem umfangreichen passiven Fähigkeitenbaum, den ich für den gesamten Baum hielt, gab es weiter oben noch einen! Dieser ist jedoch so weit von dem anderen entfernt, dass man ihn sehr leicht übersehen kann. Design-Technisch ist das eine glatte Sechs! Hier hat mich „Sword Art Online: Alicization Lycoris“ ganz schön verschaukelt.

Nachdem auch das geklärt war, ging es endlich voran. Schleppend zwar nur, aber es ging. Und es machte sogar Spaß – nachdem ich anfangs zu viel Frust aufgeladen hatten. Mit dem Rezept: Aktive Fähigkeiten nutzen und etwas grinden, war „Sword Art Online: Alicization Lycoris“ nicht mehr das große Problem, als das es sich zu Beginn ausgab.

Fanservice

Was die Story angeht: Nun ja. Erzählt wird hier die Geschichte der dritten Staffel von „Sword Art Online“ – jedenfalls im ersten Kapitel. Danach habe ich die ewig andauernden Dialoge mit stoischer Gleichgültigkeit über mich ergehen lassen. Eigentlich wollte ich nur wieder raus ins Getümmel und mich den Kämpfen widmen.

Denn nach einer gewissen Eingewöhnungsphase – und die hatte ich ja reichlich – machen die Fights gegen andere Schergen echt Spaß. Habt ihr das erste Kapitel hinter euch, dann könnt ihr sogar kooperativ mit einem Freund spielen. Ja, „Sword Art Online: Alicization Lycoris“ wird auf Dauer immer besser – doch muss man auch bis dahin durchhalten.

Fazit

Ich will nicht zu viel meckern – die Ladezeiten aus der Hölle habe ich ja noch gar nicht erwähnt: „Sword Art Online: Alicization Lycoris“ ist ein klassisches Japano-Rollenspiel geworden, das Fans sicherlich eine Menge Spaß machen wird. Auch mir als Nicht-Kenner der Anime- oder Manga-Vorlage hat das Rollenspiel Spaß gemacht – aber erst, nachdem ich mich richtig reingebissen habe.

Nach einem sehr zähen und ungelenken Auftakt entfaltet sich „Sword Art Online: Alicization Lycoris“ zu einem unterhaltsamen Spiel mit vielen positiven Elementen. Doch bis dahin sind wohl schon viele abgesprungen, was echt schade ist. Bandai Namco könnte beim nächsten Ableger etwas schneller in die Pötte kommen – dann stimmt am Ende auch die Balance. Für diesen Titel heißt es von mir: Durchbeißen und Spaß haben!

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: bandainamcoent.eu/sword-art-online/sword-art-online-alicization-lycoris