Das muss jetzt einfach gesagt werden: Dieser Name ist absolut missverständlich! Bevor es die Spiele gab, war mir „Sword Art Online“ kein Begriff. Echte Aufmerksamkeit konnten aber auch die Versoftungen der Anime-Serie nicht bei mir erregen, da ich tief im Inneren ein Spieler bin, der gerne auf Solo-Mission geht. Gerne darf es auch mal eine Runde online mit Freunden sein, aber ein echtes MMO kommt bei mir nicht in Frage – deshalb ließ ich „Sword Art Online“ auch immer links liegen. Erst bei „Fatal Bullet“ wagte ich den Selbstversuch und sah schnell, dass ich einem riesigen Irrtum unterlegen war …
Nur nicht täuschen lassen!
Der Name des Spiels bezieht sich, wie bereits gesagt, lediglich auf die Comic- und Anime-Reihe. Darin erleben ein paar Jugendliche spannende Abenteuer in einer virtuellen Welt, in die sie mit einer Art VR-Brille eintauchen und dazu stets online sein müssen. Anders ausgedrückt: Das „Online“ im Namen bezieht sich also keineswegs darauf, dass der Titel hier ein Online-Spiel ist. Es kann locker-leicht im Alleingang gedaddelt werden und ist im Grunde ein solider Dungeon-Crawler in einer virtuellen Zukunft.
Daher nochmal: Wie kann man nur so einen Titel wählen, der seine (unwissenden) Käufer dermaßen in die Irre leitet?! Um diesen Ableger hier zu spielen, müsst ihr aber nicht sonderlich viel Vorwissen besitzen. Solltet ihr völlig neu sein in diesem Universum, dann reicht euch das, was ich euch bereits erklärt habe. In „Fatal Bullet“ erstellt ihr schnell euren eigenen Avatar, um dann in die virtuelle Welt voller Gefahren abzutauchen – fertig. Was die Story weiter zu bieten hat, ist nicht sonderlich der Rede wert. Im Mittelpunkt steht eher das kurzweilige Ballern in kleinen Arealen.
Schnell, spaßig und Mittelmaß
Nach einem umfassenden Tutorial wisst ihr ungefähr, wo der Hase lang läuft. Was mich im Nachhinein etwas erstaunt hat: Viel Neues werdet ihr nach der ersten Stunde kaum zu sehen bekommen – also auf rein spielerischer Ebene. Immer wieder verschlägt es euch und euer Team, das aus zwei anderen Mitstreitern besteht, in generische Dungeons, in denen ihr aufräumen sollt. Zunächst habt ihr dafür eine recht übersichtliche Zahl an Waffen zur Auswahl, dürft aber im späteren Verlauf neue Wummen kaufen, die mehr Pepp ins Geschehen bringen.
Auch wenn es sich hier um ein Sci-Fi-Spielchen handelt, fallen die Waffen im Grunde recht klassisch aus und sind in acht Kategorien eingeteilt. Erwartet also nicht abgefahrene Schießprügel, wie ihr sie in „Enter the Gungeon“ oder „Immortal Redneck“ bekommt. Zugegeben: Es macht schon Spaß vor jeder Mission an seinen Werten zu doktern und das Team aufzurüsten. Mit den gewonnenen Erfahrungspunkten lassen sich zudem neue Talente freischalten, die den Unterhaltungsfaktor noch etwas nach oben treiben. Eine kleine oder auch größere Runde zwischendurch geht hier eigentlich immer – wäre das nicht die unsaubere Programmierung.
Der K(r)ampf mit der Technik
Wenn ihr euch dazu entschlossen habt, das Spiel alleine zu zocken, dann müsst ihr an manchen Stellen ordentlich Frusttoleranz beweisen: Eure KI-Mitstreiter gehören nämlich nicht gerade zur Elite im Konsolen-Himmel. Jede Mission gilt als gescheitert, wenn all eure Recken am Boden liegen. Ein Glück, dass ihr gefallene Helden an Ort und Stelle wiederbeleben könnt. Pech, dass sich eure KI-Charaktere meist einen Dreck um euch kümmern.
Oft kam es vor, dass ich am Boden lag, um dann mit anzusehen, wie meine anderen Mitstreiter sang- und klanglos ins Gras bissen, ohne auch nur zu versuchen, mir wieder auf die Beine zu helfen. Ebenfalls nicht sonderlich auf der Höhe der Zeit: Die Grafik. Als Xbox 360 Spielchen würde das hier noch ganz gut funktionieren. Für die Xbox One ist hier aber zu wenig geboten: Das fängt bei der kargen Umgebung an und endet bei den abgehackten Animationen.
Fazit
Als Spielchen, das Grinden zur Grundlage hat, präsentiert sich „Sword Art Online: Fatal Bullet“ durchaus solide. Eine Runde zwischendurch macht immer wieder Laune und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Abzüge gibt es jedoch auf der technischen Seite: Die KI-Aussetzer und die optische Vielfalt halten sich zu sehr in Grenzen, als dass man hier lange alleine Spaß haben könnte. Wer Freunde hat, die mitspielen, bekommt hier ein deutlich besseres Erlebnis geliefert, das „Fatal Bullet“ um ein paar Klassen aufwertet. Fans der Reihe sowie alle, die eine nette, wenn auch seichte Geschichte erleben wollen, können direkt zugreifen. Allerdings würde ich warten, bis sich der Preis hierfür leicht nach unten korrigiert hat.
Erhältlich für: Xbox One, PS4, PC
Website: bandainamcoent.com/games/sword-art-online-fatal-bullet