Redgi hat ein kleines Problem: Sein Vater liegt leblos auf dem Thron mit einem Speer im Bauch und auch der Rest des Königreichs liegt in Trümmern. So beginnt das Action-Abenteuer Tails of Iron aus dem Hause Odd Bug Studio. Allerdings handelt es sich hier nicht um einen Game of Thrones Verschnitt, sondern um ein ganz anderes Setting. Redgi ist nämlich eine Ratte. Schauen wir uns das Spektakel mal genauer an.
Gefallenes Königreich
Als Thronfolger hat Redgi eine große Verantwortung zu tragen. Sein Vater, der berühmte König Rattus, einte einst die Ratten-Clans und befreite das Land vor den fiesen Kröten. Doch heimlich scharrten sich die Kröten wieder zusammen, um Rache zu üben. Ausgerechnet an dem Tag, an dem sich Redgi im Show-Kampf gegen seine Brüder beweisen soll, greifen die Kröten an. Ein spannendes Abenteuer beginnt.
Tails of Iron ordnet sich in die Kategorie der 2D-Souls-Likes ein. Denn von Anfang an ist hier klar, dass es für Redgi kein Zuckerschlecken wird. Die Kämpfe sind knackig, aber fair. Es wird dabei einiges an Geschick und Können am Controller verlangt. Allerdings habt ihr inzwischen beim Spielstart die Wahl, welcher Schwierigkeitsgrad es sein darf. So kommen auch nicht ganz so versierte Spieler:innen zum Zug.
Konzentriert euch!
Dabei ist das Kampfsystem schnell erlernt, aber schwer zu meistern. Ihr habt einen Knopf für den Angriff, fürs Blocken, Kontern und Ausweichen. Es ist immer ein Taktieren mit dem Gegner, wann ihr welche Aktion ausführen müsst. Doch Tails of Iron zeigt euch an, was zu tun ist, wenn ihr aufpasst. So deuten rote Striche über dem Feind an, dass ihr ausweichen solltet. Gelbe Striche laden zum Block und anschließenden Konter ein. Habt ihr das verinnerlicht, wird das Spiel schon um einiges leichter.
Doch nutzt immer die Chance, auf einer Bank zu rasten und zu speichern. Denn der Tod folgt Redgi schneller, als euch lieb ist. Denkt auch daran, dass das hier kein Jump&Run ist. Was ich damit meine? Viel zu oft bin ich sorglos von einer Plattform hinunter gesprungen, ohne die Leiter zu benutzen. Das kostete mich stets die Hälfte meiner Lebensleiste. Ja, Tails of Iron verzeiht solche Taten nicht. Dafür werdet ihr aber auch häufig belohnt.
Spürnasen werden belohnt
Überall in der Welt findet ihr Schatzkisten mit Beute. So erhaltet ihr nicht nur zusätzliche Münzen, sondern auch neue Ausrüstungsteile. Tails of Iron ist nämlich nebenher auch Rollenspiel – zumindest in einer Light-Version. Mit den Ausrüstungen definiert ihr euren Spielstil. Wollt ihr gut gepanzert sein, dafür aber an Bewegung einsparen? Oder flitzt ihr lieber flink durch die Gegend mit leichtem Schutz? Zudem sind die verschiedenen Rüstungen gegen verschiedene Feind-Typen sinnvoll. Eure Wahl.
Eure Reise führt euch quer durch die mittelalterliche Welt des Spiels. Von der Kanalisation über kleine Dörfer und Sümpfe bis hin zu einem prächtigen Schloss ist einiges an Umgebung geboten. Der Grafikstil orientiert sich dabei an mittelalterlichen Fenster- und Glas-Bemalungen, was dem Spiel äußerst gut zu Gesicht steht. In ähnlicher Form hatte ich das zuletzt bei Saga of Sins gesehen. Mir hat dieser Stil gut gefallen, kann aber Geschmackssache sein.
Flöten für Meerschweinchen?
Ebenso schön finde ich die Art und Weise, wie Tails of Iron seine Geschichte erzählt. Es gibt einen Erzähler, der die Rahmenhandlung präsentiert. Doch innerhalb des Spiels wird nicht geredet – zumindest nicht so, dass ihr es versteht. Wenn die Ratten sich unterhalten, hört ihr ein Kauderwelsch samt Sprechblasen, die euch den Weg weisen. Irgendwo habe ich gelesen, dass jemand diese Sprache mit einem Meerschweinchen, das gerade Flöte spielen lernt, vergleicht. Das trifft es ziemlich gut. Haltet das im Hinterkopf und ihr werdet euch köstlich amüsieren.
Apropos amüsieren: Die Reise von Redgi ist zwar hart, aber nie so düster, wie es sich vielleicht liest. Ihr werdet hier zehn Stunden – plusminus – euren Spaß haben. Denn das Werk von Odd Bug Studio ist wirklich zauberhaft programmiert. Nur bei der Bewegung von Redgi kommt mir die Ratte etwas träge vor. Aber daran gewöhnt man sich schnell.
Vollgepackt mit Extras
Die nun veröffentliche Crimson Knight Edition von Tails of Iron ist der ideale Einstieg für Neulinge. Die Editon vereint sämtliche DLCs und gibt euch zum Start gleich noch einen Sack an Ausrüstung mit. Zudem lässt sie euch über den Schwierigkeitsgrad entscheiden, was früher nicht möglich war. Dadurch öffnet sich die Story für Gelegenheitsspieler:innen oder macht es zur echten Herausforderung für Profis – ganz wie ihr wünscht.
Fazit
Tails of Iron ist ein rattenscharfes Abenteuer. Herausfordernde Kämpfe treffen auf hübsche 2D-Animationen und einen Rollenspiel-Anteil, der euren Stil unterstützt. Folgt Redgi auf seiner Reise durch das Königreich und kämpft mit ihm gegen die fiesen Kröten – es wird sich lohnen. Denn für mehr als zehn Stunden solltet ihr hier euren Spaß haben. Damit ist Tails of Iron von Odd Bug Studios ein kleiner Geheimtipp, den ich erst in der Crimson Knight Edition für mich entdeckt habe.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: oddbug.co.uk