Eigentlich wurde mir durch meinen Kumpel Brandon bewusst, dass die Tales of Reihe eine lange Tradition hinter sich hat. Zwar kannte ich Spiele wie Tales of Vesperia oder Tales of Symphony, aber so richtig hatte sich die Reihe nie in mein Gedächtnis verankert. Mit Tales of Arise ist das nun anders: Bandai Namco wagt sich aus der Komfortzone und bietet neue Ansätze, die die Reihe nach 25 Jahren auch bei uns im Westen zu einer festen Größe machen könnte.
Aus dem Schatten der anderen?
Wie gesagt: Tradition hat die Tales of Reihe. Denn hinter Dragon Quest oder Final Fantasy ist das actionlastige Rollenspiel ein Aushängeschild der japanischen Spielgemeinde. Ihr erlebt hier Anime-Kitsch vom Feinsten – und das ist durchaus positiv gemeint. Denn Tales of Arise wird euch mit einer epischen Story und abwechslungsreichem Gameplay überraschen. Zudem wurde an der Grafikschraube gedreht, was auch der Grund ist, dass es Tales of Arise nicht für die Nintendo Switch gibt, sorry.
Doch bis ihr den vollen Glanz des Spiels erfassen könnt, heißt es durchhalten. Denn zu Beginn unterhält Tales of Arise zwar ordentlich, sticht aber wenig aus der Masse hervor: Wir haben eine epische Story – mehr dazu folgt gleich – einen Helden, der – oh Wunder – sein Gedächtnis verloren hat und das klassische Gut gegen Böse Schema. Doch wer die ersten zehn bis fünfzehn Stunden – ja, ich weiß, dass das viel Zeug ist – durchhält, der bekommt ein wahrlich prächtiges Rollenspiel präsentiert.
Episch in jeder Hinsicht
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Völker, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Auf der einen Seite sind die hochtechnologischen Rena, die im Alltag gerne mal auf Magie zurückgreifen. Dem gegenüber stehen die fast mittelalterlichen Dahna, für die Magie die absolute Ausnahme bildet. Vor ein paar Hundert Jahren haben die Rena die Welt der Dahna unterjocht und in fünf Königreiche aufgeteilt. Angeführt wird jedes dieser Reiche von einem Herrscher, der Ambitionen auf den höchsten Thron hat.
Ihr erratet es schon: Euer Held soll sich gegen diese bodenlose Ungerechtigkeit stellen und seine Welt wieder befreien. Alphen, so der Name des Hauptakteurs, ist Dahna und etwas löchrig im Gedächtnis. Zudem ist sein kompletter Kopf hinter einer Eisenmaske verborgen, was mich irgendwie an Leonardo Di Caprio in Der Mann mit der eisernen Maske erinnerte. Was genau dahinter steckt, werdet ihr im Verlauf der gut 40 Stunden noch erfahren.
Relativ zu Beginn trifft Alphen dann auf seine erste Verbündete: Shionne wurde von den Renanern gefangen genommen, obwohl sie ihrem Volk angehört. Wütend auf alles und jeden – und das meine ist so, wie ich es schreibe – zieht sie mit euch in den Krieg.
Nicht täuschen lassen
Die Ausgangssituation hört sich wirklich nach einem klassischen Animé-Kitsch-Geschichte an, bei der epische Schlachten geschlagen werden. Doch lasst euch nicht täuschen: Die Story hat zwar teilweise vorhersehbare Abschnitte, überraschte mich aber immer wieder aufs Neue mit interessanten Twists und Geschichten. In dieser Hinsicht sticht Tales of Arise aus meiner Sicht schon mal hervor. Doch das ist längst nicht alles.
Spielerisch habt ihr es mit einem fast typischen Action-JRPG zu tun: Ihr lauft durch die Welt, verdrescht Monster mit Superattacken und levelt dabei auf. Hab nichts dagegen, wenn es so unterhaltsam umgesetzt ist, wie bei Tales of Arise. Aber die anfangs noch fast schlauchigen Areale weichen später einer offenen Welt, in der ihr bestimmt, wo es langgeht. Bis ihr dort seid, vergehen einige Stunden. Doch wenn ihr dann endlich an diesem Punkt angekommen seid, nimmt Tales of Arise noch einmal ordentlich Fahrt auf und hat euch sicher fest im Griff.
Nette Freizeitbeschäftigungen
Neben der Hauptstory könnt ihr natürlich wieder auf etlichen Nebenwegen wandeln: Kleine Side-Quests lassen euch stärker werden, aber es bleibt auch Zeit zum Entspannen. Angeln darf in einem japanischen Rollenspiel da genauso wenig fehlen, wie kochen. Aber ihr könnt auch auf Eulenjagd gehen. Nein, ihr schießt die knuffigen Viecher nicht, sondern findet sie einfach.
Im Gegenzug spendieren sie euch dafür neue Kleider und optische Verbesserungen. Apropos optische Verbesserungen: Als Besitzer der etwas teureren Deluxe-Edition bekommt ihr schon gleich zu Beginn ein paar schicke Outfits mit ins Gepäck. Neben Samurai-Kleidern ist auch eine luftige Bademode-Kollektion mit an Bord – auch das ist fast typisch japanisch und äußerst lustig, wenn man es mag.
Davon ab setzt sich Tales of Arise richtig gut in Szene: Grafisch hat man fast das Gefühl ein interaktives Animé zu spielen: Der Comic-Look ist Bandai Namco außerordentlich gut gelungen und auch die Ladezeiten auf den neuen Konsolen ist ein Traum. Ebenso wagt sich die Reihe in Sachen Dialogen einen Schritt nach vorne: Viele Gespräche sind nun komplett vertont und finden in der Spielegrafik statt. Bei der Vertonung müsst ihr allerdings mit Japanisch oder Englisch Vorlieb nehmen. Deutsche Untertitel gibt es aber auch. Musikalisch bekommt ihr zudem auch eine klangvolle Kulisse auf die Ohren – einfach herrlich.
Fazit
Ich könnte ins Schwärmen geraten: Ich hätte nie gedacht, dass mich diese Reihe noch irgendwann so packen würde. Tales of Arise hat es wirklich geschafft hervorzustechen. Gameplay, Optik und sogar die Story fügen sich harmonisch zu einem epischen Ganzen. Nach 25 Jahren gönne ich das der Reihe auch. Wenn jemand von euch also auf japanische Rollenspiele steht und immer mal einen Blick auf die Tales of Reihe werfen wollte, ist mit Tales of Arise der ideale Einstieg garantiert.
Erhältlich für: PC, PS, Xbox
Website: de.bandainamcoent.eu/tales-of/tales-of-arise