Mit Tales of Graces f Remastered bringt Bandai Namco einen der beliebtesten Titel der Tales-Serie zurück. Ursprünglich 2009 für die Nintendo Wii veröffentlicht und später 2012 als erweiterte PS3-Version im Westen erschienen, kehrt das Action-Rollenspiel nun mit grafischen Verbesserungen, neuen Features und optimierten Mechaniken auf moderne Plattformen zurück. Ob Nostalgiker oder Neueinsteiger – das Remaster verspricht ein aufregendes Abenteuer voller Freundschaft, Kämpfe und emotionaler Momente. Wir haben uns auf der Xbox in die Welt von Ephinea gestürzt, um herauszufinden, ob der Klassiker auch heute noch überzeugen kann.
Freundschaft und Pflicht in einer zerrissenen Welt
Die Handlung von Tales of Graces f Remastered spielt auf dem Planeten Ephinea, einer Welt, die von politischen Konflikten und mysteriösen Bedrohungen geprägt ist. Im Zentrum steht Asbel Lhant, ein junger Adliger, der zusammen mit seinen Kindheitsfreunden Richard und Sophie ein Versprechen gibt, ihre Freundschaft zu bewahren und die Welt zu beschützen. Jahre später wird dieses Versprechen auf die Probe gestellt, als Asbel in einen Konflikt zwischen den Königreichen Windor, Fendel und Strahta verwickelt wird.
Die Geschichte ist klassisches Tales-Material: Themen wie Freundschaft, Loyalität und Selbstfindung stehen im Mittelpunkt. Während die Handlung manchmal etwas vorhersehbar ist und bekannte JRPG-Klischees bedient, überzeugt sie durch ihre charmanten Charaktere und emotionalen Momente. Besonders die Entwicklung der Beziehung zwischen Asbel und Sophie sowie die Dynamik innerhalb der Gruppe sorgen für viele herzerwärmende Szenen.
Rasantes Kampfsystem mit strategischer Tiefe
Das Herzstück von Tales of Graces f Remastered ist sein innovatives Kampfsystem, das auch heute noch als eines der besten der Serie gilt. Das „Linear Motion Battle System“ erlaubt es Spielern, sich frei auf dem Schlachtfeld zu bewegen und zwischen zwei Kampfstilen zu wechseln: Standardangriffe (A-Artes) und mächtige Spezialangriffe (B-Artes). Der Wechsel zwischen diesen Stilen ermöglicht flexible Strategien und sorgt für dynamische Kämpfe.
Eine besondere Mechanik ist die Serienkapazität (CC), die eure Angriffe limitiert. Ihr müsst eure Ressourcen klug einsetzen und durch Ausweichen oder Blocken wieder aufladen. Dies verleiht den Kämpfen eine taktische Komponente, da reines Button-Mashing nicht zum Erfolg führt. Der „Accel Mode“, eine neue Funktion im Remaster, erhöht zudem die Geschwindigkeit eurer Angriffe und maximiert eure Fähigkeiten – ideal für intensive Bosskämpfe.
Die Möglichkeit, Monster auf der Karte zu umgehen oder gezielt Kämpfe zu suchen, bietet zusätzlichen Komfort. Zudem könnt ihr nach einem verlorenen Kampf sofort neu starten, was Frustration minimiert und das Training erleichtert. Gute überlegte Features, die ich bei so einem Remaster zu schätzen weiß. Und das ist noch nicht alles.
Quality-of-Life-Verbesserungen
Das Remaster bringt zahlreiche Neuerungen mit sich, die das Spielerlebnis modernisieren:
• Automatische Speicherfunktion: Nie wieder versehentlich den Fortschritt verlieren.
• Untertitel für Dialoge nach Kämpfen: Mehr Zugänglichkeit für alle Spieler.
• Zielsymbole: Erleichtern die Navigation in Dungeons und Städten.
• Optionale Kämpfe: Gegner können auf Wunsch deaktiviert werden – ideal für Spieler, die sich auf Erkundung konzentrieren möchten.
Diese Änderungen machen das Spiel nicht nur einsteigerfreundlicher, sondern auch für Veteranen angenehmer. Davon könnten sich einige Titel in dem Genre ein Scheibchen abschneiden.
Ein lebendiges Anime-Abenteuer
Optisch präsentiert sich Tales of Graces f Remastered in einem farbenfrohen Anime-Stil, der trotz seines Alters immer noch charmant wirkt. Die Charaktermodelle wurden überarbeitet und erscheinen nun schärfer und detaillierter als je zuvor. Besonders beeindruckend sind die leuchtenden Farben der Umgebungen – von grünen Wiesen bis hin zu majestätischen Städten.
Allerdings merkt man dem Spiel an einigen Stellen sein Alter an: Die Level-Designs sind oft linear, mit engen Korridoren und unsichtbaren Wänden. Dennoch trägt die künstlerische Gestaltung dazu bei, dass diese Einschränkungen weniger ins Gewicht fallen.
Der Soundtrack unterstreicht die emotionale Tiefe des Spiels mit epischen Orchesterstücken und eingängigen Melodien. Die englische Sprachausgabe ist solide, wenn auch manchmal etwas übertrieben dramatisch – typisch für JRPGs dieser Ära.
Eine epische Reise mit Bonusinhalten
Mit einer Spielzeit von 40–50 Stunden allein für die Hauptstory bietet Tales of Graces f Remastered reichlich Inhalt. Zusätzlich enthält das Spiel das „Vermächtnis“-Kapitel – eine Fortsetzung der Hauptgeschichte –, das weitere 10–15 Stunden Spielzeit hinzufügt. Für Sammler gibt es zahlreiche Titel, Gegenstände und Bücher zu entdecken sowie optionale Dungeons zu erkunden.
Die über 80 DLCs aus dem Original – darunter Kostüme und zusätzliche Inhalte – sind ebenfalls enthalten und bieten Fans noch mehr Möglichkeiten zur Individualisierung.
Wo das Alter spürbar wird
So gelungen das Remaster auch ist, einige Schwächen des Originals bleiben bestehen:
• Einfache Story: Die Handlung ist charmant, aber nicht besonders komplex oder überraschend.
• Level-Design: Die linearen Dungeons könnten abwechslungsreicher sein.
• Technische Limitierungen: Trotz grafischer Verbesserungen merkt man dem Spiel seine Wii-Wurzeln an.
Diese Aspekte dürften jedoch vor allem Neueinsteigern auffallen; Fans des Originals werden sich schnell wieder heimisch fühlen und die Nostalgie-Brille aufziehen.
Fazit
Tales of Graces f Remastered beweist eindrucksvoll, warum dieser Titel so viele Fans hat. Mit seinem dynamischen Kampfsystem, den liebenswerten Charakteren und den modernen Verbesserungen bietet es sowohl Nostalgikern als auch Neueinsteigern ein großartiges Spielerlebnis. Trotz kleiner Schwächen bleibt es ein Highlight im JRPG-Genre – gebt dem Spiel unbedingt eine Chance, wenn euch das Genre zusagt.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: en.bandainamcoent.eu/tales-of/tales-of-graces-f-remastered