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Tales of Kenzera: Zau

Trauerbewältigung auf die hüpfende Art.

Es ist mal wieder soweit: EA greift in die Indie-Kiste und zaubert eine weitere kleine Spieleperle aus dem virtuellen Hut. Diesmal stecken hier viele Emotionen und afrikanische Geschichten drin, wie bereits der erste Ankündigungstrailer vermuten ließen. Tales of Kenzera: Zau will euch berühren – und schafft das größtenteils auch. Um was es bei dem bildgewaltigen Spielchen geht, erzähle ich euch jetzt.

Klassisch mit modernem Look

Bevor ihr euch fragt, in welchen Genre-Topf ihr Tales of Kenzera: Zau werfen könnt, gebe ich euch schnell eine Antwort darauf. EAs Spiel ist ein actionreiches Metroidvania in wunderschönem 2,5 D. Ihr spielt also aus der Seitenansicht mit dem Gefühl euch in einer dreidimensionalen Welt zu bewegen. Aber darauf gehe ich später noch genauer ein.

Im Zentrum des Spiels steht eine schwierige Frage: Wie geht man mit dem Verlust eines Elternteils um? Im fiktiven Reich Kenzera muss sich Prinz Zau mit dem Verlust seines Vaters auseinandersetzen. Er selbst würde es gerne verdrängen und nach vorne blicken. Als er von seiner Mutter jedoch ein Tagebuch seines verstorbenen Vaters bekommt, taucht er in die Welt seiner Ahnen ein.

Die Geisterwelt ruft

Als magiebegabter Schamane fleht Zau den Tod höchstpersönlich an, ihm zu helfen. Er will seinen Vater wieder und bietet dem Tod, der die Gestalt eines alten Weisen einnimmt, einen Deal an: Zau will sich um drei Giganten kümmern und im Gegenzug seinen „Baba“ wieder bekommen. Doch zu Beginn muss er sich als würdiger Kämpfer beweisen. Eure Reise durch ein Reich voller afrikanischer Folklore beginnt.

Schon direkt zu Anfang verfügt Zau über ein erstaunliches Set an Fähigkeiten: Doppelsprung und Kurz-Teleport habt ihr gleich im Repertoire. Wie für ein Metroidvania üblich kommen über die Zeit zusätzliche Fähigkeiten hinzu. Interessant ist wohl anfangs die Kraft von Sonne und Mond. Als Schamane vereint Zau diese Kräfte in sich und kann sie mithilfe von magischen Masken entfesseln. Per Knopfdruck wechselt ihr von der Maske der Sonne zur Maske des Mondes hin und her.

Stylischer Wechsel

In den Kämpfen hat das einen großen Einfluss: Der Mond lässt euch eher aus der Ferne attackieren, während die Sonne eine brutale Nahkämpferin ist. In Kombintion entfesselt ihr mächtige Energien. Die Kämpfe sind dadurch sehr flott und voller Action. Habt ihr genügend Treffer gelandet, könnt ihr auch eine ultimative Fähigkeit entfesseln. Je nach Maske ist das ein Hitzetornado oder ein durchdringender Laserstrahl. Jedenfalls richtet ihr damit ganz schön Schaden an.

Tales of Kenzera: Zau wirft euch immer mal wieder in Kämpfe hinein (und riegelt dann rechts und links alles ab), um euch danach durch knifflige Hüpfpassagen zu lotsen. Die Balance behält sich das Spiel damit zu jeder Zeit. Viele Abschnitte sind sogar optional. Denn es gibt Herausforderungen, die anfangs noch recht fordernd sein können. Habt ihr später mehr Fähigkeiten oder seid einfach besser geworden, könnt ihr jederzeit zurückkehren. So ist das eben im Genre.

Einsteigerfreundlich

Im Gegenteil zu anderen Metroidvanias nimmt euch Tales of Kenzera: Zau sehr stark an die Hand. Ihr müsst nie rätseln, wo es als Nächstes hingeht, da immer ein fetter Marker auf der Karte wartet. Das mag Neulingen sehr entgegenkommen, alte Hasen aber etwas den Erkundungsdrang nehmen. Für mich hat es gepasst, nachdem ich beim letzten Prince of Persia häufig lange suchend umhergelaufen bin.

Ein Highlight sind die Kämpfe von Zau gegen Bosse. Hier braucht ihr etwas Geduld und Geschick. Spätestens nach ein paar Versuchen habt ihr den Dreh raus und wisst, wie ihr eure Fähigkeiteb bei dem dicken Brocken einzusetzen habt. Etwas verfeinern könnt ihr euren Stil übrigens durch das Aufleveln eurer Masken. Je nach Vorliebe entscheidet ihr so, ob ihr lieber auf Abstand bleibt oder auf Tuchfühlung geht.

Bunt, schön und magisch

Grafisch zaubert Tales of Kenzera: Zau übrigens fast schon die Atmosphäre eines Disney-Films auf den Bildschirm. In bunten Farben und mit starker Musik werden hier Emotionen transportiert. Auch wenn die Moral manchmal zu sehr mit dem Hilzhammer daherkommt. Dennoch insgesamt sehr toll umgesetzt.

Fazit

Tales of Kenzera: Zau ist definitiv einen Blick wert und bietet eine Menge Unterhaltung. Allerdings wirkt das Metroidvania hier und da noch etwas zahm und führt euch zu sehr an der Hand. Für Neulinge im Genre mag das völlig in Ordnung sein. Profis wünschen sich hier etwas mehr Freiraum zur Erkundung. Dennoch macht der Titel Laune mit seinen abwechslungsreichen Kämpfen und Geschicklichkeitspassagen. Ebenso überzeugt mich die Grafik samt Sound-Untermalung. Tales of Kenzera: Zau hat viel Herz und Charme. Genre-Fans können gerne einen Blick riskieren. Für einen möglichen Nachfolger sollten die Macher:innen einige der Kritikpunkte aufnehmen, um das Spiel auf das nächste Level zu hieven. Bis dahin verliere ich mich gerne mit Zau in diesem noch selten genutzten Setting.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: ea.com/de-de/games/tales-of-kenzera/zau