Doppelte Zehn
Zugegeben: Da ich mich nicht sonderlich mit der „Tales“-Reihe auskenne, musste ich zunächst einmal mehr über „Vesperia“ recherchieren. Dabei fiel mir auf, dass dieser Ableger als zehnter Teil vor zehn Jahren erschien. Interessant. Insbesondere, weil mir beim ersten Anspielen nie aufgefallen wäre, dass „Tales of Vesperia“ bereits eine Dekade auf dem Buckel hat – wenn das mal nicht für sich spricht.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein kleiner Gauner namens Yuri, der stets von seinem treuen Hund begleitet wird. Anfangs nimmt sich die Story um einen gestohlenen, magischen Edelstein und eine epische Verschwörung allerdings sehr viel Zeit – typisch für japanische Rollenspiele. Rückblickend auf die über 50 Stunden, die ich mit dem Spiel verbracht habe, war mir die Story eigentlich nie sonderlich wichtig – zumal sie ziemlich austauschbar wirkt. Irgendwo gab es das schon in anderen Spielen oder Animes. Was mir aber positiv in meinen Gedanken haften blieb, waren die netten Gespräche mit meinen Begleitern innerhalb der Truppe, mit der ihr durch die Lande zieht. Normalerweise gehe ich um solche optionalen Dialoge einen weiten Weg. Hier jedoch haben sie mich nicht gestört, ja sogar wirklich interessiert, weil das Charakterdesign äußerst gut gelungen ist. Daumen hoch.
Das Spiel mit dem Zungenbrecher
Inhaltlich erwartet euch ein waschechtes, teilweise fast schon antiquiertes J-Rollenspiel. Mit eurer Mannschaft bereist ihr eine hübsche Fantasy-Welt, verprügelt dabei immer wieder Monster unterwegs, levelt auf und werdet stärker. Den besonderen Touch bekommt „Tales of Vesperia“ durch das Kampfsystem, dessen Namen kaum holpriger formuliert hätte werden können: Evolved Flex - Range Linear Motion Battle System, kurz EFR-LMBS. Alles klar, oder?!
Dahinter verbirgt sich ein zu Beginn recht gewöhnungsbedürftiges System, das nach einer Weile jedoch immer mehr an Tiefe gewinnt. Lasst es mich knapp erklären: Seht ihr ein Monster auf der Karte, könnt ihr es angreifen und so in den Kampf-Modus wechseln – solche Auseinandersetzungen lassen sich optional auch umgehen, da es keine Zufallsbegegnungen á la „Final Fantasy“ gibt. Im Kampf-Modus angekommen, müsst ihr euch mit euren bis zu drei Begleitern gegen eine Truppe Monster hervortun. Alles läuft in Echtzeit ab und ihr übernehmt lediglich die Kontrolle über einen Charakter. Dabei lauft ihr nicht ganz frei durch die Gegend, sondern seid eher auf Schienen angebunden – ähnlich wie bei Prügelspielen der Marke „Soul Calibour“ und Co. Ihr könnt euren Kontrahenten mit physischen, sowie magischen Attacken einheizen. Besonders effektiv sind dabei Kombos, auch Ares genannt. Von diesen werdet ihr im Verlauf des Spiels eine ganze Reihe freischalten oder entdecken. Machen wir es kurz: Das Kampfsystem konnte mich nach einer Eingewöhnungsphase redlich überzeugen – macht Spaß!
Definitiv besser!
Kommen wir nun zu den Besonderheiten der „Definitive Edition“. Die verbesserte Optik hatte ich bereits angedeutet – dabei bleibt es jedoch lange nicht. Grafisch bewegt sich das Spielchen immer noch auf einem Niveau von vor ein paar Jahren, ist aber insgesamt hübsch anzuschauen. Wäre das die einzige Neuerung, wäre das allerdings etwas enttäuschend – zumindest für Kenner des Originals. Bandai Namco hat sich für „Tales of Vesperia“ aber besonders ins Zeug gelegt und liefert euch einige spannende Bonusinhalte. Da wäre zum Beispiel der Charakter von Ritter Flynn, der im Original nur einen knappen Auftritt hatte. Ganz neu ist Piratin Patty, die ihr ebenfalls in eure Truppe aufnehmen werdet. Entsprechende Abschnitte mit den beiden wurden neu vertont und sogar extra Filmsequenzen hinzugefügt.
Zusätzlich gibt es noch neue Dungeons und Nebenaufgaben, die das Paket abrunden. Und das Beste an der Sache: All das wirkt keineswegs wie ein Flickenteppich, sondern spielt sich aus einem Guss – alt und neu verschmelzen hervorragend. Ein kleiner Leckerbissen für Fans: Auf Wunsch könnt ihr das Abenteuer auch in der japanischen Tonspur genießen (oder standardmäßig eben auf Englisch).
Fazit
Als Neuling in der „Tales“-Reihe hat mich das Universum und die Geschichte um Gauner Yuri direkt begeistert. Zwar braucht es eine kleine Weile bis man ganz warm mit der Story, den Charakteren und dem Kampfsystem wird, doch ist dieser Punkt erreicht, dann kann die Spaßfahrt losgehen. Grafisch und spielerisch ist „Tales of Vesperia“ bestens gealtert: Steht ihr auf diese Art von Spielen, dann werdet ihr hier mindestens 50 Stunden beste Unterhaltung finden – auch wenn „Tales of Vesperia“ das JRPG-Rad nicht neu erfindet. Dennoch werde ich die Reihe nun ab sofort viel besser im Blick behalten und freue mich schon auf das, was kommen wird – oder ich nehme mir die alten Teile endlich mal vor. Es lohnt sich.
Erhältlich für: Xbox One, PS4, PC, Switch
Website: bandainamcoent.eu