Keine Ahnung, was mich hier erwartet - das waren meine ersten Gedanken bei Nacons neustem Simulator namens Taxi Life. Klar, es geht um Taxis. Aber wie soll das ablaufen, dass ich nicht schon nach fünf Minuten vor Langeweile umkomme? Und genau an dieser Stelle hat mich Taxi Life sehr überraschen können. Kommt mit auf eine kleine Fahrt.
Spanische Träume
Sämtliche Aktionen mit eurem Taxi spielen sich im sonnigen Barcelona ab. Die Mini-Version der spanischen Metropole ist Nacon dabei gut gelungen. Von der Hafen-Gegend über die Ramplas bis hin zu kleineren Parks und Wohnsiedlungen haben sie das Flair der Stadt gut eingefangen. Schon mal positiv.
Bevor ihr hier nun mit dem Taxi umherkurven dürft – wobei ich mich frage, wer das freiwillig machen will – muss ich zunächst meine Fahrprüfung meistern. Diese ist ganz süß auf einem Trainingsplatz in Szene gesetzt. Ich komme mir fast wieder wie bei meiner ersten Fahrstunde vor, wenn der Fahrlehrer aus dem Off alles genau erklärt.
Wo bin ich?
Als ich hier in der Fahrerkabine sitze, fällt mir gleich das erste Versäumnis auf. Ich blicke umher, aber sehe nichts von mir selbst. Völlig körperlos schwenkt der Blick durch die Gegend. Das raubt ein wenig die Immersion. Aber lange bleibe ich eh nicht in diesem Modus und wechsel zur Außenansicht des Fahrzeugs.
Nach bestandener Prüfung geht es ab in die reale (virtuelle) Welt. Meine ersten Passagiere erwarten mich bereits. Ich muss sagen: Alles hier ist ganz schön entschleunigt. Spielt vorher auf keinen Fall Need for Speed oder andere Konsorten - das könnte sonst ein Schock werden. Jedenfalls kurvt ihr in Taxi Life gemütlich durch die Straßen und folgt brav dem Navi. Habt ihr einen Fahrgast angesetzt gibt es Cash. Je nach Fahrverhalten und Schnelligkeit winkt noch Trinkgeld.
Sieht so die Zukunft aus?
Mein nächster Ausflug führt mich an eine der vielen Tankstellen in Barcelona. Du heiliges Kanonenrohr – die haben echt satte Preise für Sprit dort. Der Liter Super kostet schlappe 7,50 Euro. Ob das noch als Simulation durchgeht? Warum die Preise so horrend hoch sind, kann ich euch nicht sagen. Ich fand es jedoch amüsant.
Die ersten Stunden von Taxi Life drehen sich tatsächlich nur um Fahrten von A nach B. Aber die Macher:innen wollen euch mehr bieten. Daher gibt es überall besondere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Schaut ihr euch diese an und klickt dabei einen Knopf, gibt es Erfahrungspunkte. Erfahrungspunkte? Ja, genau. Denn Taxi Life bietet euch noch Rollenspiel-Elemente, die ich hier ehrlich gesagt nicht erwartet hatte. Interessant.
Taxi's Gate, oder was?
In drei Talentbäumen dürft ihr Punkte investieren. Ganz so spannend sind die zwar alle nicht, aber sie unterstreichen euren Spielstil. So dürft ihr mehr Erfahrungspunkte einsacken, wenn ihr was Neues entdeckt; oder ihr verbraucht weniger Sprit, werdet nicht so schnell für falsches Fahrverhalten bestraft oder bekommt täglich ein Frei-Ticket gegen Verstöße. Alles Dinge, die euer Leben einfacher machen.
Mit genug Kohle dürft ihr euch in der Werkstatt neben Reparaturen auch neue Auto leisten. Taxi Life geht da sogar noch einen Schritt weiter. Im späteren Verlauf habt ihr mehrere Fahrzeuge und gründet euer eigenes Taxi-Unternehmen. Ab da geht das Managen los und ihr könnt euch langsam zurücklehnen. Nette Idee.
Zwischen Licht und Schatten
Kommen wir noch schnell auf Grafik und Technik zu sprechen: Grafisch ist Taxi Life ganz solide. Barcelona sieht hier und da recht hübsch aus. Nur wieserholen sich auch viele Objekte, was aber nicht weiter schlimm ist. Anders verhält es sich mit den Menschen dort. Man könnte es die Stadt der Doppelgänger oder das spanische Uncanny Valley nennen. Die Figuren sehen oft gleich aus und stacksen etwas hölzern durch die Gegend. Schon bei der Wahl meines eigenen Avatars war dieses Grauen zu erkennen. Aber auch hier gilt: Mit dem Budget ist das Ergebnis ganz in Ordnung. Und damit kommen wir schon zum Ende.
Fazit
Taxi Life hat mich in der Tat positiv überrascht. Ich kann jedem Zocker oder Zockerin wärmstens empfehlen, hier (oder in anderen Simulationen von Nacon) mal einen Blick drauf zu werfen. Obwohl ich mich etwas gefürchtet hatte, dass ich gelangweilt bin, verging die Zeit schneller als ich mir zugestehen wollte. Taxi Life hat seinen Charme, auch wenn hier alles längst nicht perfekt ist. Doch gerade in dieser leichten Routine liegt die Stärke des Titels. Man kann wunderbar herunterkommen von einem stressigen Tag. Und dass hier noch Rollenspiel-Elemente eingebunden wurden, macht die Sache noch interessanter. Von daher: Gut gemacht, Nacon.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: nacongaming.com/de-DE/jeux-video/simulation