Erst jetzt, nach all den Monaten, bin ich dazu gekommen, Tempest Rising zu testen – und sofort schießt der wohlige Nostalgie-Alarm durchs Gehirn. Als alter Command & Conquer Fan erinnere ich mich noch lebhaft an die Zeit, als ich mich aufs Fahrrad schwang und extra zum Händler meiner Vertrauens fuhr, um mir das Original zu kaufen. Diese Mischung aus Basisbau, Ionencannon-Alarm und „Noch eine Mission, dann schlafen“ hat sich in Tempest Rising wie ein Zeitmaschinen-Hit eingebaut, nur dass die Maschine hier nicht nur nachbaut, sondern mit modernen Schrauben nachbessert. Kommt mit auf eine ganz besondere Reise!
Zweite Weltkriegs-Retro mit Nuklear-Twist
Tempest Rising spielt in einer alternativen Geschichte, in der der Zweite Weltkrieg in einen globalen Konflikt mündet, der mit futuristischen Waffen und Supermächten eskaliert. Zwei Fraktionen stehen sich gegenüber: die Global Defense Forces (GDF), ein westlich orientierter Block mit Fokus auf Präzision und Tech, und Tempest Dynamics, ein aggressiver Konzern mit industrieller Brutalität und Massenproduktion. Hinzu kam nun die außerirdische Rasse der Venti, die kurz spielbar war, die aber größtenteils als KI fungiert. Die Ästhetik ist bewusst Retro: mächtige Panzer, dicke Jets, Ionengewehre und Kernwaffen, die sich anfühlen, als hätte Westwood die 90er direkt in 2026 hochskaliert.
Die Kampagne erzählt sich in zwei parallelen Story-Strängen – eine pro Fraktion – mit Missionen, die bewusst an C&C erinnern: Verteidige das Ölfeld, baue schnell eine Basis, drücke den Feind ab oder überlebe eine endlose Welle von Angreifern. Die Cutscenes sind kurz und knackig, mit Live-Action-Ästhetik, die den Klassiker ehrt, aber dank besserer Produktion nicht mehr so hemdsärmelig wirkt - was ich aber auch sehr gemocht habe damals.
C&C mit smarteren Zahnrädern
Das RTS-Kernstück ist ein liebevoller Nachbau von C&C-Mechaniken, der aber ein paar kluge Modernisierungen einbaut. Ich muss C&C so oft erwähnen, weil hier alles danach schreit. Sorry!
Einheiten werden wie eh und je aus Fabriken produziert, Ernter sammeln Ressourcen, Tiberium-ähnliche Kristalle treiben die Wirtschaft. Neu sind aber modulare Tech-Bäume: Statt linearer Upgrades kann man Technologien in verschiedene Richtungen erweitern – etwa Panzer entweder schneller oder gepanzert machen, Jet-Fighter entweder präziser oder billiger.
Klein, aber fein
Die Basis selbst ist kompakter als in modernen Giganten wie Stormgate: Man platziert Kernbauten, stößt Fabriken an, baut Verteidigungen und Verteidigungstürme – alles innerhalb eines überschaubaren Radius, der Mikromanagement minimiert und den Fokus auf Expansion und Angriff legt.
Ein toller Kniff ist das „Power Management“: Nuklearreaktoren versorgen die Basis, aber sie sind anfällig und müssen geschützt werden; fällt ein Reaktor aus, laufen Fabriken langsamer, Türme schalten sich ab – ein simpler, aber effektiver Hebel für taktische Entscheidungen.
Retro-Feeling, moderne Tiefe
Die Einheitenpalette ist bewusst zurückhaltend, aber ausgeglichen. GDF setzt auf schnelle, präzise Tech – Recon-Fahrzeuge, die Nebel des Krieges lüften, Drohnen-Schwärme, Präzisionsartillerie – während Tempest Dynamics mit billigen Massenpanzern, schweren Bombenwerfern und roher Feuerkraft glänzt. Jede Fraktion hat klare Stärken und Schwächen: GDF dominiert auf Distanz und bei schnellen Angriffen, Tempest rollt über alles hinweg, wenn es genug Stahl hat.
Kämpfe laufen flüssig, mit guter Kollisionserkennung und einer Kamera, die sowohl Zoom als auch strategische Überblicke erlaubt. Einheiten reagieren prompt, Formationen halten sich, und die klassische „Attack Move“-Mechanik funktioniert zuverlässig. Besonders schön sind die Superwaffen: GDFs Ionensalve, die wie ein Blitz vom Himmel schießt, oder Tempests Nuklearstreiks, die ganze Bereiche in Pilzwolken tauchen – immer mit dem charakteristischen Alarm-Sound, der selbst nach 20 Missionen noch Gänsehaut erzeugt.
Nostalgie trifft Balance
Die Kampagne ist der Star: 20 Missionen pro Fraktion, mit abwechslungsreichen Zielen. Die Schwierigkeit steigt organisch, mit gut lesbaren Briefings und Checkpoints, die bei komplexeren Missionen helfen. Die Balance ist einer der größten Pluspunkte: Man fühlt sich nie unterlegen durch Bugs oder einer feindlichen Übermacht, sondern durch eigene taktische Fehler – und das Feedback ist immer klar: „Du hast die Ernter nicht geschützt“, „Deine Anti-Luft war nicht ausreichend“ usw.
Skirmish und Multiplayer runden das Paket ab. Gegen KI oder Online-Gegner (bis 8 Spieler) kann man Karten, Fraktionen und Startbedingungen frei wählen, mit solidem Matchmaking und Replays für Taktikanalysen. Die KI ist clever, aber nicht frustrierend – sie baut aus, greift an, passt sich an, ohne makellose Mikromanagement-Cheats zu ziehen.
Fazit: C&C 2026, wie es sein sollte
Tempest Rising ist nicht nur ein würdiger Nachfahre von Command & Conquer, sondern eine Hommage, die genau die richtigen Elemente nimmt und mit modernem Finish veredelt. Basisbau fühlt sich vertraut an, Kämpfe sind schnell und präzise, Superwaffen sorgen für Gänsehaut-Momente, und die Kampagne liefert Missionen, die man sofort nochmal spielen will.
Es fehlt an der epischen Breite moderner RTS-Giganten, aber genau diese Fokussierung macht es so zugänglich und spaßig. Für alle, die je einen Ernter geschützt oder einen Ionenschuss herbeigesehnt haben, ist Tempest Rising ein Muss – ein RTS-Juwel, das zeigt, wie man Nostalgie nicht nur bedient, sondern weiterführt.
Erhältlich für: PC
Webseite: tempestrising.com