Hier kommt ein erstaunlich frischer Genre-Mix, der Bullet-Heaven-Chaos mit modularer Fahrzeugbastelei verheiratet. Das Resultat ist oft richtig großartig, weil jede Runde nicht nur stärker, sondern auch mechanisch interessanter wird — auch wenn sich die Runs auf Dauer etwas ähneln. Lust auf einen abgefahrenen Trip?
Aus Schrott wird Stärke
Die Grundidee ist stark: Ihr kämpft euch mit einem selbst zusammengeschusterten Gefährt durch Horden von KI-Bots. Dabei sammelt ihr Erfahrung, levelt auf und schraubt euren Wagen Block für Block zu einer immer absurderen Kriegsmaschine zusammen. Statt bloß Waffenstufen hochzuklicken, platziert ihr neue Teile aktiv auf eurem Fahrzeug — Kanonen, Panzerung, Booster, Kreissägen, Räder und allerlei technisches Unheil.
Genau darin liegt der große Reiz von TerraTech Legion. Viele Survivors-Likes fragen nur: „Welche Zahl soll größer werden?“ Dieses Spiel fragt zusätzlich: „Wo packst du die Kanone hin, wie viel Gewicht verträgt dein Wagen noch und willst du lieber schießen, rammen oder wie ein völlig übermotorisiertes Einkaufswagen-Monster durchs Schlachtfeld driften?“ Das klingt zwar herrlich doof, ist spielerisch aber erstaunlich klug.
Bauen statt bloß buffen
Die Fahrzeugbastelei ist der eigentliche Star. Es ist sehr befriedigend, nach jedem Level-up nicht einfach eine Karte auszuwählen, sondern das eigene Fahrzeug wirklich physisch umzubauen. Dabei wird es neu auszubalanciert und auf eine bestimmte Kampfidee zugeschnitten. Waffen haben Schusswinkel, Teile beeinflussen Gewicht und Handling, und ein schlecht gesetzter Block kann aus eurem stolzen Kriegsgerät schnell einen kippeligen Metallpfau machen.
Gerade dadurch entsteht diese schöne Bastler-Euphorie. Eine Runde ist nicht bloß ein Zahlenlauf, sondern ein kleines Ingenieursdrama, bei dem man ständig denkt: „Was wäre, wenn ich noch zwei Booster, drei Frontsägen und diesen völlig unvernünftigen Orbital-Laser dranflansche?“ Manchmal endet das in einem eleganten Todesmobil, manchmal in einem rollenden Unfallbericht — beides macht Spaß.
Vier Fahrer, vier Macken
Zusätzliche Würze bringen die vier spielbaren Operatoren, die jeweils mit eigener Startkonstruktion, eigenem Fahrgefühl und individuellen Skillbäumen antreten. Jean Pierre ist dabei der bullige Rammbock-Typ, Sam setzt eher auf Phasing und Crits, Mikela spielt mit Glück und Rerolls, während Cepheid Plasma-Spuren hinterlässt. Dadurch fühlt sich der Einstieg in eine Runde tatsächlich unterschiedlich an und gibt euch zumindest anfangs einen guten Grund, mit verschiedenen Spielstilen zu experimentieren.
Ganz sauber geht das System aber nicht auf. Gerade die dauerhaften Upgrades sind an einzelne Figuren gekoppelt, was dazu führt, dass man sich schnell auf einen Favoriten einschießt und bei einem Wechsel wieder deutlich schwächer startet. Das ist nicht katastrophal, aber eben auch nicht die eleganteste Form von Langzeitmotivation.
Wo der Motor stottert
So stark das Grundkonzept ist, ganz ohne Leerlauf fährt TerraTech Legion nicht. Der häufigste Kritikpunkt ist, dass sich Runs trotz der starken Baukomponente irgendwann ähnlich anfühlen können. Denn der übergeordnete Ablauf des Genres bleibt natürlich erhalten: fahren, töten, leveln, Kisten wählen, weiterfahren. Das Spiel ist kreativer als viele Konkurrenten, aber es befreit sich nicht komplett von deren Wiederholungsstruktur.
Außerdem ist die Meta-Progression etwas zu nüchtern geraten. Ich empfand die dauerhaften Upgrades als wenig aufregend oder nicht motivierend genug, gerade wenn sie eher zum Festhalten an einer Figur ermuntern als zum wilden Ausprobieren. TerraTech Legion ist also am stärksten im Moment-zu-Moment-Spiel und etwas schwächer in dem, was euch danach noch unbedingt zur nächsten großen Karriererunde treiben soll.
Fazit
TerraTech Legion ist ein wunderbar alberner, clever designter und überraschend tiefer Genre-Mix, der dem Survivors-Like endlich mal wieder etwas wirklich Eigenes hinzufügt. Das Bauen macht Spaß, das Fahren fühlt sich gut an, und jede Runde hat diesen gefährlichen „nur noch ein Versuch, diesmal baue ich einen besseren Panzer“-Sog.
Es ist nicht perfekt: Die Struktur wiederholt sich, die dauerhaften Upgrades könnten spannender sein, und nicht jeder Build-Ansatz wird gleich brillant abgefedert. Aber wenn ein Spiel dich nach zehn Minuten darüber nachdenken lässt, ob deine nächste Überlebensstrategie aus Frontsägen, Raketenarmen und einem tragisch unausbalancierten Heck bestehen sollte, dann hat es definitiv etwas richtig gemacht.
Erhältlich für: Xbox, PC
Webseite: store.steampowered.com/app/3596700/TerraTech_Legion