Also mal wirklich: Wenn „Portal“ und „Firewatch“ ein Techtelmächtel miteinander hätten, würde doch so etwas ähnliches, wie „The Bradwell Conspiracy“ entstehen, oder? Das Spiel der Bossa Studios, die meine Lachmuskeln bereits mit Werken wie dem „Surgeon Simulator“ und „I am Bread“ auf eine harte Probe gestellt haben, liefern mit „The Bradwell Conspiracy“ nun ein ambitionierteres, aber mindestens genauso unterhaltsames Werk ab. Jedenfalls kann sich über Langeweile niemand beschweren.
Eine Nacht, ähm … ein kompletter Tag im Museum
Das Kernelement von „The Bradwell Conspiracy“ ist im Grunde eine mysteriöse Story, die euch mit in den Handlungsstrang wirft: Ihr wacht in einem demolierten Museum auf und wisst nicht, was genau passiert ist. War hier ein Erdbeben im Gange? Gab es einen Terroranschlag? Ihr seid jedenfalls alleine und müsst euch erst einmal zurecht finden.
Als ihr kurze Zeit später vor einer verschlossenen Sicherheitstür steht, bekommt ihr über Funk Kontakt zu einer Dame namens Amber, die ab dann euer Buddy wird – zumindest per Funkverbindung. Sie versucht euch durch das Chaos durchzulotsen. Ein Glück, dass wir das Jahr 2026 schreiben und jeder über eine hochmoderne High-Tech-Brille verfügt: Da das Unglück offensichtlich eure Stimmbänder in Mitleidenschaft gezogen habt, kommuniziert ihr nur über die Brille mit Amber.
In der Praxis sieht das so aus: Steht ihr vor einem interessanten Objekt oder kommt mal nicht weiter, dann schießt ihr per Knopfdruck ein Foto, das automatisch an Amber gesendet wird. Sie analysiert die Situation und kann euch Vorschläge zur Lösung erteilen. Außerdem kommentiert sie unglaublich gerne jeden eurer Schritte und ist um keinen blöden Witz verlegen – einfach köstlich.
Aber das ist noch längst nicht alles – auch wenn diese Spielmechanik schon hervorragend funktioniert, wenn man sich daran gewöhnt hat. Denn bis hierhin hatte ich lediglich den Vergleich mit dem story-getriebenen „Firewatch“ vor Augen.
Nachdem ihr jedoch ein kleines Update für eure Brille bekommt, erhaltet ihr Zugang zum Mitarbeiterbereich des Museums – und das wird ziemlich abgefahren. Leider muss ich an dieser Stelle ein klein wenig spoilern, da ich sonst nicht dazu kommen würde, einen essentiellen Bestandteil des Gameplays zu erklären. Ich halte mich aber ganz knapp, versprochen!
Ach du doppeltes Lottchen!
Nach der Mitarbeitereinweisung erhaltet ihr Zugang zum Geheimprojekt des Museums: Mit dem portablen Gerät könnt ihr Gegenstände in ihre materiellen Kleinteile zerlegen und an anderer Stelle kopieren. Das dürft ihr allerdings nur mit ausgewählten Objekten machen, die ihr dann in anderen Situationen zur Lösung eines Problems braucht.
Ein kleines Beispiel verdeutlicht, was ich meine: Saugt ihr beispielsweise eine Planke in eueren Prototypen, dann könnt ihr diese Planke beliebig oft kopieren und euch somit zum Beispiel eine Brücke über einen Abgrund bauen. Sehr praktisch also. Es gibt natürlich einen Haken an der Sache.
Um ein Duplikat von einem Gegenstand zu erstellen, braucht ihr auch genügend Materie, mit der ihr dieses Duplikat produzieren könnt. Solche Materie liegt entweder in Form von kleinen Klumpen immer mal wieder in den Bereichen herum oder wird aus anderen Gegenständen gewonnen. Die Entwickler haben das „The Bradwell Conspiracy“ jedoch so konzipiert, dass ihr immer sehr wenig Materie in eurem Prototypen habt und die Möglichkeiten damit eingeschränkt sind.
Die Rätsel, die sich dadurch ergeben, sind jedoch ganz schöne Kopfnüsse, bei denen nicht immer gleich im ersten Moment klar ist, was ihr nun machen sollt. Hört ihr aber ein wenig auf Amber oder denkt mal um die Ecke, kommt ihr bald auf die Lösung eines Problems – clever gemacht.
Zudem wird die Story im Verlauf der Geschichte immer mysteriöser und ihr zweifelt schnell an eurem Verstand – mehr wird hier aber nicht verraten. Grafisch steht „The Bradwell Conspiracy“ auf soliden Beinen: Der bunte, stark stilisierte Comic-Stil hat mich gleich an „Firewatch“ erinnert und fühlt sich passend zum Setting an. Mir gefällt’s jedenfalls sehr.
Klar, dass die Bossa Studios damit keinen Award gewinnen wird, allerdings erfüllt die Optik ihren Zweck und lässt mich gerne in die Welt dieses merkwürdigen Museums eintauchen.
Fazit
So ein Museumsbesuch hat doch etwas faszinierendes: „The Bradwell Conspiracy“ überzeugt durch fordernde Rätsel und eine humorig-mysteriöse Handlung. Die Thematik mit kopierbaren Gegenständen und futuristischen Brillen trifft genau meinen Geschmack und macht das Spiel zu einem kleinen Geheimtipp für dieses Jahr. Persönlich kann ich euch diesen Ausflug ins Museum nur wärmstens empfehlen.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, Switch, PC
Website: thebradwellconspiracy.com