Ubisoft lädt euch nach Hawaii ein, um dort ein paar spektakuläre Rennen zu fahren. Nach dem Start der Reihe im Jahr 2014, ist The Crew Motorfest der bereits dritte Ableger dieser Serie. Lohnt sich der Trip nach Oahu? Das verraten wir euch gleich.
Aller guten Dinge sind?
Bevor ich auf den Inhalte von The Crew Motorfest eingehe, will ich mich kurz dem Namen zuwenden. Warum heißt das Ding nicht The Crew 3? Ganz einfach: The Crew Motorfest war ursprünglich als Zusatz für The Crew 2 gedacht und entwickelte sich über die Zeit zu einem eigenständigen Spiel. Warum man dann nicht das Motorfest gegen eine 3 ausgetauscht hat, weiß ich aber auch nicht. Meiner Meinung nach stiftet der aktuelle Name nur Verwirrung. So, jetzt habt ihr zumindest mal etwas Hintergrundinfos.
Das Spiel selbst will keine Simulation sein, sondern ein bunter Mix an abgedrehten Rennen. Ja, hier muss man unweigerlich an Forza Horizon denken. Doch im direkten Vergleich verliert Ubisofts The Crew hier, weshalb es sich auch ein anderes Standbein geschaffen hat. Die bunten Rennen bestreitet ihr nicht nur an Land, sondern auch auf dem Wasser und sogar in der Luft. Mit einer beeindruckenden Anzahl von über 600 Vehikeln kann sich The Crew Motorfest also schon mal sehen lassen.
Große Vorbilder
Weil ich eben bereits Forza Horizon erwähnt habe, muss ich gleich noch zwei Spiele nennen, an die mich The Crew Motorfest erinnert: Ich erkenne hier Teile aus Sonic & All-Stars Racing Transformed (gutes Spiel, schrecklicher Name) und sogar Pilotwings aus Tagen des SNES. Warum und wieso, das erzähle ich später nochmal genauer. Jedenfalls fällt es mir etwas schwer zu erkennen, an wen sich Ubisoft mit Motorfest wenden möchte. Finden wir es heraus.
Zunächst einmal: Playstation-5-Besitzer werden sich sicher über The Crew Motorfest freuen, da Forza Horizon bekanntlich nur bei Microsoft zu haben ist. Allerdings ist Motorfest dann doch anders aufgebaut. Ihr rast hier nicht einfach über die Insel von Event zu Event, während ihr einer kleinen Story folgt. Nein, eine Story gibt es in dem Sinne gar nicht. Vielmehr spielt ihr euch durch kurze, aneinanderhängende Missionen, die hier Playlists heißen. Diese wählt ihr aus einem Menü aus, das stark an moderne Streaming-Portale erinnert.
Snackable Content
Jede Playlist bietet ein besonderes Themenpaket an und unterschiedliche Aufgaben, sowie Fahrzeuge. Mal ist thematisch alles an Japan angelehnt, dann sollt ihr einen Oldtimer unbeschadet ins Ziel bringen oder einfach die Gegend genießen. Kleine Häppchen, die für eine schnelle Runde zwischendurch einladen.
Natürlich könnt ihr auch einfach so auf der Insel Gas geben. In der Open-World warten dann einige Sammel-Objekte oder kleine Herausforderung. Alles ganz nett, aber nicht weltbewegend. Viel schöner ist in der Open-World der fließende Wechsel eures Vehikels. Rast mit dem Rennauto auf dem Asphalt und hebt einen Moment später mit eurem Flugzeug ab, um hinter dem Berg mit einem Platsch im Wasser zu landen. Dieses Feature war es letztlich auch, das mich immer dazu bewegte, erneut eine Runde The Crew Motorfest zu spielen.
Mehr Einsatz, bitte!
Das Dumme an der Sache: Ubisoft scheint sich nicht so recht im Klaren zu sein, wie spaßig dieses Feature sein kann. Denn viel zu selten wird es während der Playlists eingesetzt. Das hat Sonic & All-Stars Racing Transformed weitaus besser hinbekommen, weshalb es mir so positiv im Gedächtnis blieb. Wenn The Crew Motorfest dies etwas mehr beherzigen würde, würde der Spielspaß deutlich ansteigen. Stattdessen wechseln wir während der Rennen hier und da den Wagen, was ebenfalls nett ist, aber da liegt noch so viel mehr Potenzial verborgen. Nicht falsch verstehen: Die Rennen machen an sich Spaß, heben sich aber in keinster Form von anderen Spielen ab, was Schade ist.
Apropos abheben: Sobald ihr in der Luft seid, kehr etwas Ruhe in The Crew Motorfest ein. Oftmals ist mir das Drumherum auf den Straßen einfach zu viel, zu wild und zu bunt. Ich hatte ein paar Mal sogar Probleme die Strecke zu erkennen, wenn ich durch den Urwald gerast bin und scheinbar von überall her Lichteffekte auf mich einwirken. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu alt dafür. Jedenfalls war ich immer froh, wenn ich Luft schnappen konnte. In diesen Momenten fühlte ich mich stark an Pilotwings aus meinen Kindertagen erinnert - ein sehr tolles Gefühl.
Solide Aussichten
Die Grafik ist übrigens auf einem soliden Niveau, wobei mir einige Texturen von The Crew Motorfest recht schwammig vorkamen. Ob es euch nun zu bunt und grell ist, schiebe ich in die Kategorie Geschmackssache. Kurz gesagt: Die Grafik befindet sich auf einen guten Stand, der allerdings noch deutlich Luft nach oben hat. Fairerweise muss man aber sagen, dass ihr bei der Geschwindigkeit eh wenig Zeit habt, um alles in Ruhe zu genießen – außer bei der ein oder anderen Playlist.
Die Rennen selbst bilden ebenfalls einen guten Standard dar: Zeitrennen, Runden-Parcours, Slalom, Checkpoint-Rennen und Querfeldein kennen wir aus anderen Arcade-Racern bereits. Einen wirklich netten Modus fand ich zu meiner Überraschung im Multiplayer-Abschnitt, in den ich mich eher selten verirre. Dort gibt es neben einem klassischen Rennen für bis zu acht Personen auch eine Art Destruction Derby Royale. Mit einem kleinen Dreier-Team kann ich hier auf die Jagd nach anderen Fahrer:innen gehen, um diese zu verschrotten. Aufgesammelte Boni erleichtern mir die Jagd. Eine coole Idee, die für Abwechslung sorgt.
Loot tut nicht immer gut
Bevor ich zum Fazit komme, muss ich noch eine Sache loswerden: Warum macht man mir das Aufleveln eines bestimmten Fahr- oder Flugzeugs nur so schwer? Anstatt einfach Geld anzusparen und das Objekt der Begierde aufzuleveln, muss ich Teile aus Lootboxen sammeln, bei denen ich nie weiß, für welches Fahrzeug sie letztlich sind. Wirklich Spaß macht das nicht und könnte leicht anders gelöst werden. So, das musste jetzt raus.
Fazit
The Crew Motorfest hat seinen Platz in der Nische der Arcade-Racer noch nicht genau gefunden – weder was den Namen angeht, noch vom spielerischen Inhalt her. Anstatt Motorfest hätte ich eine 3 geschrieben und mich vom Inhalt auf meine Stärke konzentriert: Der fliegende Wechsel von Land, auf Wasser und in die Luft. Damit würde The Crew Motorfest deutlich besser fahren als jetzt. So fühlt sich das Spiel weder mach Fleisch noch Fisch an. Es macht überwiegend Spaß, bleibt aber nicht wirklich im Gedächtnis. Allerdings hat Ubisoft durch die eingeführten Playlists hier die Chance, diesen Umstand leicht zu ändern. Genau dann würde der Titel auch aus der Masse hervorstechen. Derzeit schwimmt er nur mit dem Flow statt Mut zu Veränderungen zu beweisen.
Erhältlich für: PC, PS, Xbox
Website: ubisoft.com/de-de/game/the-crew/motorfest