Ich erinnere mich noch an die ersten Screenshots und den ersten Trailer, den ich von The DioField Chronicle gesehen hatte. So richtig wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich dachte an eine Art XCOM im Fantasy-Mittelalter. Aber Square Enix hat hier etwas anderes auf die Beine gestellt, das irgendwie aus der Zeit gefallen scheint. Blicken wir mal genauer auf.
Spannende Parallelen
Zunächst einmal erzählt The DioField Chronicle hier eine epische Geschichte - jedenfalls beginnt es recht episch. Das Intro von mystischen Wesen, dem Chaos in der Welt und einer Elitetruppe, die wieder Ordnung herstellen kann, weckt die Vorfreude auf das Kommende. Es verschlägt euch in die Haut der Blaufüchse: Andrias, Fredret, Iscarion und Waltaquin. Was sie genau antreibt, erfahrt ihr im Laufe der Geschichte.
Auffällig ist dabei die Optik, die sehr speziell ist und entfernt an das Intro von Game of Thrones erinnert: Kleine Figuren bewegen sich über ein gigantisches Spielfeld und Burgen bauen sich auf. Ja, das sieht schon sehr schick aus.
Als die Kamera dann zur Spieloptik wechselt, wirkt es aber wieder wie ein krasser Sprung: Plötzlich sehen die Figuren polygon-arm aus und so als ob sie aus einer älteren Konsolenversion stammen. Dennoch machen die ersten Minuten einen guten Eindruck. Es wird viel geredet und endlich auch mal gekämpft. Und hier sticht The DioField Chronicle aus der Masse hervor: Denn anstatt der rundenbasierten Kämpfe kommt hier eine spannende Mischung zum Vorschein.
Square Enix vermengt Echtzeitstrategie mit kundenbasierten Kämpfen. Sämtliche Gegner auf der Karte bewegen sich nicht und greifen erst an, wenn ihr in dessen Radius gelangt. Ein wenig erinnert mich das an Wartile, falls das noch jemand kennt. Seht interessant aus und spielt sich auch so.
Taktisch und Echtzeit
Durch die unbeweglichen Gegner könnt ihr eure Züge gut im Vorfeld planen. Sobald ihr jedoch den Aktionsradius des Feindes betretet, greifen die Figuren automatisch in Echtzeit an. Ihr könnt allerdings jedem Krieger immer noch individuelle Befehle geben. Mächtigere Fähigkeiten kosten Mana und haben eine Abklingzeit. Habt ihr alle Männer im Tutorial besiegt, dann tauchen neue Recken auf. Diesmal habt ihr aber genügend Energie gesammelt, um einen mächtigen Behemoth-Drachen zu rufen, der das Schlachtfeld verbrennt. Hier werden Final Fantasy Fans ihre helle Freude haben. Ja, die Mechaniken wirken ziemlich interessant, wenn auch irgendwie altbekannt.
Anschließend begleitet ihr eine Prinzessin in ihr Schloss, das fortan als euer Hauptquartier dient. Hier lauft ihr herum, redet mit euren Teammitgliedern, kauft neue Ausrüstung oder verbessert Waffen. Auch Nebenquests warten hier und kleine Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Burgbewohner:innen. Ein klein wenig kommen in diesen Abschnitten Fire Emblem Vibes auf. Allerdings sind mir diese Abschnitte – wie bei anderen Spielen auch – immer etwas zu langatmig. Ich freue mich auf die Gefechte. Und die sind The DioField Chronicle sehr gut gelungen.
Schneller Spaß
Meist landet ihr bei euren Missionen irgendwo auf der Karte, wo die Story gerade vorangetrieben wird. Aber fragt mich nicht nach dem genauen Verlauf. Das war mir am Ende alles sehr klischeehaft und zu generisch als dass ich mich daran erinnern würde. Aber diese Scharmützel, die nie länger als eine Viertelstunde dauern, sind wirklich erfrischend. Ihr dürft immer vier Helden mit ins Feld ziehen lassen. Damit der Rest der später anwachsenden Truppe aber nicht auf der Bank sitzen muss, könnt ihr jedem Held noch einen Zweit-Helden hinzufügen. Dadurch steigen alle Recken gleichmäßig auf und unterstützen ihre Verbündeten mit ihren Spezialfähigkeiten.
Die Kämpfe an sich sind dabei weniger fordernd als ich anfangs dachte. Zu Beginn habe ich mir noch die Mühe gemacht und die Feinde ringsum belagert, bevor ich den Kampf startete. In späteren Abschnitten habe ich dann einfach per Knopfdruck alle gleichzeitig auf einen Feind geschickt - das funktionierte erstaunlich gut. Den Abschluss einer Mission machte meist ein gigantischer Esper-Angriff eines riesigen Monsters wie der Behemoth-Drache. Spaßig, aber auch recht simpel. Und dann kamen die Boss-Fights - daran hatte ich tatsächlich mehr zu knabbern.
Verdienter Sieg
Denn bei den ganz dicken Feinden und deren Schergen war urplötzlich Taktik gefragt: Wer tankt die Schläge, wer schleicht sich von hinten an und erzielt kritischen Schaden und wer bleibt lieber außer Reichweite, um zu heilen - all diese Fragen solltet ihr vorher beantwortet haben, sonst sieht es schnell düster für euch aus. An diesem Punkt entfaltet sich das Kampfsystem zur vollen Stärke und lässt erahnen, wie viel Potenzial in ihm steckt.
Nach mehreren Stunden weiß ich immer noch nicht, was ich von der Grafik halten soll: Diese wandelt zwischen Licht und Schatten. Mal sind die gezeigten Szenen ganz anschaulich und gleichem einem Comic, nur um sich dann mit einer Grafik aus dem letzten Jahrzehnt abzuwechseln. Keine Ahnung, was sich Square Enix dabei gedacht hat. Bei den Kämpfen zoome ich die Kamera eh immer ganz weit weg, um den Überblick zu behalten. Von daher stört mich die Optik wenig.
Fazit
The DioField Chronicle ist unterhaltsam, hat aber ein paar Ecken und Kanten. Das Kampfsystem wird zwar als innovativ dargestellt – was es in gewisser Weise auch ist –, dennoch kommt mir alles irgendwie bekannt vor. Auch die Abschnitte in eurem Hauptquartier kenne ich aus anderen Spielen zu Genüge.
The DioField Chronicle schafft es nie so recht, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwicklen: Optik, Kämpfe und Story sind eine Mischung aus alten Bekannten des Genres. Das muss jetzt nicht schlecht sein und unterhält auch ganz gut. Die große Innovation ist es nicht. Daher plätschert The DioField Chronicle so im guten Mittelfeld seiner Genre-Kollegen.
Erhältlich für: Xbox, PS, Switch, PC
Website: diofieldchronicle.square-enix-games.com/de