Heiheihei, was hat Kalypso Media da mit ihrem Spiel für Wertungen abbekommen. Die PC Games titelte mit “Nazi-Jesus” und “Gurke des Jahres”. Keine Ahnung, was sie dort in der Redaktion geraucht haben, aber das liest sich sehr überheblich. Ob The Inquisitor tatsächlich so schrecklich ist, erzähle ich euch in meinem Test.
Ein düsteres Mittelalter
Die Geschichte von The Inquisitor spielt im Jahre 1533 in einem fiktiven Fantasy-Setting. Und nur weil wir hier ins Mittelalter abtauchen, müssen wir das Spiel nicht gleich mit einem Witcher vergleichen. Das wäre nicht nur unfair, sondern auch unsinnig. Es handelt sich nämlich um zwei verschiedene Genres. The Inquisitor ist kein Rollenspiel, sondern eher ein interaktives Detektiv-Spielchen. Das mal als kleine Orientierung für den Rest, der nun kommt.
Das Setting beruht auf einer Buchvorlage und versetzt uns in eine Welt, in der Jesus nicht am Kreuz geendet ist. In dieser Welt hat er sich befreit und einen blutigen Rachefeldzug gestartet. Wenn das mal keine spannende Ausgangslage ist. Genau in dieser Welt soll Mordimer Morde in einer Stadt untersuchen, die von einem Blutsauger begangen wurden. Auch das ist ein spannender Ansatz.
Im Rahmen ihrer Möglichkeiten
Der erste Wermutstropfen: Das Team hinter The Inquisitor ist mit 25 Mitgliedern relativ überschaubar. Soll heißen: Erwartet kein grafisch und technisch opulentes Werk. Auch die Animationen sind nicht immer gelungen. Dafür wurde die Atmosphäre aber sehr gut getroffen. Das halte ich dem Spiel schon mal zugute. Doch der Start wollte mich eher ärgern, hatte ich das Gefühl.
Denn kaum kommt ihr in die Stadt, werdet ihr schon von einem Straßenkind beklaut. Die Verfolgung gestaltet sich als Quick-Time-Event, mit denen ich auf Kriegsfuß stehe. Nein, ich hasse diese Mechanik und habe noch nie deren Sinn verstanden. Gibt es wirklich Menschen, die das mögen? Wenn ja, meldet euch bitte mal bei mir und erklärt den Reiz des Ganzen. Nun ja, Auge zu und durch.
Eskalation am laufenden Band
Nachdem ich die holprige Passage gut überstanden habe, geht die Geschichte weiter. Die Mordfälle sind nichts für schwache Nerven und in der Welt des Inquisitors regiert die Gewalt. Ja, das Spiel eskaliert immer wieder ziemlich schnell zu einer blutigen Orgie. Manchmal auch, ohne dass ich es wollte. Dann nämlich, wenn ich in Dialogen eine zu aggressive Antwort wähle.
Apropos Dialoge: Es ist grundsätzlich schön, dass ihr hier und da die Wahl habt. Nur wird nicht immer ersichtlich, aus was ihr gerade wählt oder welche Auswirkungen eure Entscheidungen haben. Es gibt zwar verschiedene Enden, doch ich würde sagen, dass gefühlt 90 Prozent der Entscheidungen keinen gravierenden Effekt haben. Aber wirklich verwundert bin ich angesichts der Größe des Teams dann auch nicht, dass man nicht dutzende Story-Fäden spinnen konnte.
Ein Kinderspiel
Was mir ebenfalls immer wieder auffiel: Ob nun Rätsel oder Kämpfe – The Inquisitor ist generell zu einfach und stellt mich kaum vor Herausforderungen. Ja, damit verkommen die Kämpfe etwas zur Routine und Knöpfchen drücken. Hier wäre etwas mehr drin gewesen. Das umfasst auch die Ausflüge in ein Parallel-Universum, das die noch grausamere Seite der Menschen zum Vorschein bringt. Hier gibt es Schleichpassagen zu überleben und Hinweise zu sammeln. Auch hier hätte man ein wenig mehr Spannung ins Geschehen bringen können - wobei die Inszenierung eigentlich ganz gut ist.
Bei den Geschichten und Charakteren, die euch begegnen, war ich öfters mal überrascht, welche Facetten sie mir bieten. Hier stecken ein paar spannende Storys drin. Aber wie gesagt: Ihr müsst schon ein Auge zudrücken, was die Grafik angeht. Sobald ihr euch auf das Universum einlasst, kann es echt spannend sein.
Fazit
Ich halte mich kurz. Ist The Inquisitor ein falsch verstandenes Highlight? Nein, das nicht. Ist es also die Gurke des Jahres? Nein, das auch nicht. Denn hier stecken viele gute Ideen drin und eine spannende Geschichte. Solltet ihr im vergangenen Jahr Rise of Kong gespielt haben, wisst ihr, was eine Gurke ist. Davon ist The Inquisitor ein gutes Stück entfernt. Ich finde es unfair, das Spiel aufgrund seiner Grafik so zu verteufeln. Ich bin sicher, dass es seine Fans finden wird. Ich jedenfalls konnte es trotz einiger technischen Bugs problemlos zu Ende spielen. Das ist mir bei anderen Titeln nicht immer gelungen. Daher breche ich hier eine Lanze für ein etwas unterschätztes Spiel, das unglücklicherweise unter die Räder gekommen ist. Aber macht euch gern ein eigenes Bild davon.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: kalypsomedia.com/de/the-inquisitor