Eine kleine Bitte direkt zu Beginn: Gebt „The Journey Down“ eine echte Chance, wenn ihr auf Adventures steht. Warum ich das sage? Ganz einfach: Auf den ersten Blick ist der Grafikstil des Werkes von Entwickler Skygoblin nicht jedermanns Sache. Auch ich musste mich erst einmal an den seltsamen Look gewöhnen – damit meine ich nicht, dass das Spiel eigentlich aus dem Jahre 2012 stammt und nun für die Konsolen neu aufgelegt wurde.
Das geht in Ordnung: Auch die nett ausgestalteten Abschnitte, auf denen ihr euch tummelt, sind immer noch ordentlich für das kleine Budget. Aber die Charaktere bereiten mir Kopfzerbrechen: Warum deren Gesichter lediglich aus einer traditionellen afrikanischen Stammesmaske bestehen, ist mir persönlich ein Rätsel.
Hinzu kommt eine mittelmäßige Vertonung, was aber anhand des geringen Budgets ebenfalls okay ist. Doch dieser Look verpasst „The Journey Down“ so etwas Abstoßendes, man möchte sich einfach ungern auf die Charaktere einlassen. Aber wie gesagt: Es lohnt sich!
Wer hat an der Uhr gedreht?
Den ersten Kontakt mit den merkwürdigen Charakteren macht ihr in der Intro-Sequenz: Dort sind zwei Gangster auf der Suche nach einem Professor. Was dies mit der Story zu tun hat, verrate ich natürlich nicht. Anfangs spielt das eh keine Rolle. Wenig später befindet ihr euch sowieso an einem anderen Standort der modernen Metropole: Am Pier haben Bwana und Kito ihre Tankstelle für Boote und Flugzeuge.
Und dort beginnt die Geschichte als plötzlich eine Lady namens Lina auftaucht und nach einem geheimnisvollen Buch sucht. Allein anhand des Intros könntet ihr denken, dass ihr es mit einem Spiel aus den 90er-Jahren zu tun habt – irgendwie aber auch charmant.
Der Rest des Spiels könnte ebenfalls aus dem letzten Jahrhundert sein, was aber diesmal als Kompliment gilt – war es doch die Hochphase der Adventures. Ganz klassisch schlüpft ihr von nun an in die Haut von Rastafari Bwana, der mit seiner lässigen Art glatt aus Jamaika stammen könnte: Für ihn gibt es keine echten Probleme bzw. keine, die sich nicht in irgendeiner Art schnell lösen lassen.
Deshalb werdet ihr auch im ersten Kapitel von insgesamt drei an rund 15 Locations herumlaufen und diese in typischer Manier nach Gegenständen absuchen, die ihr an andere Stelle gebrauchen könnt. Das Rätsel-Design gibt sich dabei sehr fair, wenn ihr alles genau absucht. Wirklich unlogische Passagen sind mir keine begegnet. An dieser Stelle schon mal Daumen hoch.
Ganz genau hinschauen!
Nur ein einziges Mal bin ich stark ins Grübeln gekommen, da mir ein Gegenstand fehlte und ich nicht wusste, wie ich ihn beschaffen kann. Des Rätsels Lösung war eine Schublade, die ich schlicht und einfach übersehen hatte und daher nie reingelinst habe.
Da es keine Hotspot-Anzeige gibt – für Neulinge wäre die eventuell eine willkommene Option – müsst ihr mit dem Cursor alles genau abtasten. Anscheinend wurde das Spielchen in erster Linie für den PC entwickelt. Am Controller funktioniert die Sache zwar auch prima, persönlich hätte ich mir aber eine Option gewünscht, mit der ich die Geschwindigkeit des Cursors einstellen kann – so ist er mir doch eine Spur zu lahm …
Genug gemeckert: Denn der Rest des eigentlichen Spielchens macht ordentlich Laune. „The Journey Down“ hat genau den richtigen Anspruch, den ich nach einem langen Arbeitstag vertragen kann – nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht. Hinzu kommen die netten Dialoge, die nur so vor schwarzem Humor triefen. Mir gefällt’s jedenfalls.
Einfache Entscheidungshilfe
Solltet ihr euch nicht sicher sein, ob euch das Spiel gefällt, könnt ihr die drei Kapitel nach und nach erwerben und müsst nicht direkt zur Trilogie greifen – ein faires Modell. Aber ich bin mir sicher: Sobald ihr euch auf das Szenario und die beiden äußerst tollpatschigen Charaktere eingelassen habt, werdet ihr schnell die restlichen Kapitel haben wollen.
Pro Kapitel dürft ihr gerne rund vier Stunden einrechnen – je nachdem wie gut ihr im Kombinieren der Rätsel seid. Einen Erfolg bekommt ihr übrigens sogar, wenn ihr es unter 40 Minuten schafft – was beim zweiten Durchgang problemlos machbar ist. Dass „The Journey Down“ in drei Teilen erschienen ist, gefällt mir persönlich auch sehr gut.
Durch dieses Serienformat kommt ihr selbst nach einer längeren (manchmal wochenlangen) Pause immer schnell wieder in die Story rein. Spielerisch ändert sich im Verlauf der drei Kapitel allerdings wenig, aber Abwechslung gibt es durch Mini-Spielchen, die etwas euren Verstand herausfordern – die aber auch mit Glück gelöst werden können.
Fazit
Am Ende des Tages war ich trotz der anfangs abschreckenden Charaktere doch heilfroh, dass ich „The Journey Down“ gespielt habe. Entwickler Skygoblin zeigt, wie man mit einem kleinen Budget etwas Nettes auf die Beine stellen kann. Alle, die auf Adventures und ein paar Knobelaufgaben stehen, sollten hier ihr Glück finden. Und wie gesagt: Wer unsicher ist, kann ja langsam in Kapitel eins einsteigen bevor man sich den Rest erwirbt. Tolle Sache.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: thejourneydown.com