Post-Apokalyptische Landschaften in den USA, gefüllt mit ekelhaften Zombies? Schon wieder? Reichen Serien und Filme wie The Walking Dead, Zombieland und Maze Runner nicht? Aber ... da war doch noch etwas: Entwickler Naughty Dog ist uns seit knapp sieben Jahren (!) nun schuldig, die Geschichte mit dem offenen – und vor allem herzzerreißenden – Ende von The Last of Us (PS3) zufriedenstellend zu beenden. Also: Ja! Wieder Zombies, wieder Post-Apokalypse ... Endlich geht es weiter! Und viel besser als ihr vermuten würdet.
Geniale Charakterstudie
Von guten und schlechten Seiten des Erwachsenwerden im Zombiezeitalter: Während wir, hier in der echten Welt, sieben Jahre warten mussten, sind im Spiel fünf Jahre vergangen. Ellie und Joel, die beiden Protagonisten des ersten Teils, leben in einer Siedlung in Jackson, Wyoming, mit anderen Überlebenden.
Die kleine Ellie ist im Laufe der Zeit zu einer jungen Frau herangewachsen. Als fester Teil der Gemeinschaft nimmt sie an Patrouillengängen rund um die Kleinstadt teil, um die Umgebung auf Infizierte und andere Gefahren hin abzusuchen. Standen im ersten Teil von The Last of Us noch Ellie und Joel im Fokus, so konzentriert die Handlung sich in Part II hauptsächlich auf Ellie und zeigt den post-apokalyptischen Alltag aus ihrer Perspektive.
Nach längeren Filmsequenzen startet die Handlung des Spiels. Gemeinsam mit Dina, einer jungen Siedlerin, startet man die routinemäßige Erkundungstour und klappert dabei verschiedene Checkpoints ab; hier wird Ellies Charakterentwicklung dann bereits in den Mittelpunkt gerückt, denn sie und Dina finden an einem der Checkpoints einen alten Grasvorrat und nach einem kräftigen Zug an der grünen Zigarette kommen sich die beiden immer näher ...
Bis hierher verläuft die Story – wie bereits in Teil I – geradlinig ab, doch nach einem einschneidenden Erlebnis, das Ellie und Dina schließlich nach Seattle führt, bekommt man als Spieler auch die Möglichkeit auf eigene Faust die großartig gestaltete Map zu erkunden. Mehr wird aber hier nicht verraten.
Apokalypse war nie schöner
Detailgetreu zeichnet Naughty Dog traumhafte Landschaften. Ob Schneegestöber oder Waldsafari – auf alle Kleinigkeiten wurde geachtet. Phänomenal sieht dabei unter anderem das post-apokalyptische Seattle aus.
Der festgefahrene Beton der Autobahnen musste schon lange den Kampf gegen die Pflanzen aufgeben und auch die Hochhäuser der Stadt leben in Symbiose mit hochgewachsenen Kletterpflanzen, während um sie herum Gräser und Bäume aus der Erde sprießen. Auch Mimik und Gestik der Spielfiguren sind herausragend animiert, aber wie verhält es sich mit deren Motorik ...?
Die Liebe zum Detail endet hier
Never change a winning Team? Doch! - Ein bisschen mehr Innovation wäre hier angebracht gewesen. Spieltechnisch hat sich nicht sehr viel verändert. Naughty-Dog setzt wie bereits beim Vorgänger auf einen Mix aus Hide, Fight und Escape Elementen, also Schleichen, Kämpfen und Abhauen, wobei gezielte Tarnangriffe vor allem in den schwierigeren Spielmodi eher zum Erfolg führen als die offene Konfrontation.
Am Spielprinzip hat sich ebenfalls nicht viel verändert. Ellie findet immer wieder, an geschickt platzierten Stellen, Werkzeuge, Rohstoffe und andere wichtige Bauteile für Waffen und Verbandszeug, die ihr das Überleben, durch Upgrades wie Schalldämpfer oder Waffen mit Massenschaden (Rohrbomben, Molotov-Cocktails), in der gefährlichen Welt immens erleichtern können.
Zur Slapstick-Einlage werden Kampfszenen jedoch dann, wenn Ellie beispielsweise mit Dina unterwegs ist. KI-Partner helfen zwar gelegentlich Gegner zu bekämpfen, stehen aber teilweise ungedeckt in der Gegend herum: Während Ellie sich also gezielt vor Klickern – ihr erinnert euch an diese Zombie-Art?! – oder sonstigen Angreifern versteckt, steht die KI mitten im Raum und die Gegner sehen blind durch die KI-Verbündeten hindurch ... Das trübt die Stimmung insgesamt etwas. Aber zum Glück kommen solche Momente nur selten vor, so dass ihr recht schnell wieder tief ins Spiel eingesogen werdet.
Fazit
Nachdem die Kritiker das Spiel in den höchsten Tönen lobten, starteten die Spieler nach Release einen – völlig unberechtigten – Shitstorm, der hauptsächlich die Story des Spiels attackierte. Dabei wird es durch verschiedene Plot-Twists nie langweilig und trotz des teils geradlinig verlaufenden Spiels lassen sich dennoch ausreichend versteckte Orte aufspüren, die mitunter nützliche Items bergen. Für Liebhaber des Genres ein Must-have, aber auch für Einsteiger durchaus empfehlenswert. Naughty Dog hat sich hier (erneut) ein Denkmal gesetzt.
Erhältlich für: PS4
Website: naughtydog.com