Die Frage darf gestattet sein: Post-Apokalyptische Landschaften in den USA, gefüllt mit ekelhaften Zombies? Schon wieder? Reichen Serien und Filme wie The Walking Dead, Zombieland und Maze Runner nicht? Aber ... da war doch noch etwas: Nach einer hervorragenden Verfilmung in Serienform schenkt uns Entwickler Naughty Dog nun noch einmal die wunderschön düstere Fortsetzung ihres Kassenschlagers aus dem Jahr 2013. The Last of US Part II Remastered legt nun das Original aus dem Jahr 2020 neu auf – und ja, dabei lasse ich es mir ausnahmsweise wieder gefallen, dass dort ein paar Zombies über den Bildschirm schlürfen.
Alle, die The Last of Us Part II bereits kennen, bekommen in den folgenden beiden Abschnitten schnell die Unterschiede zum Original erläutert. Weiter unten gehe ich dann auf den Inhalt ein.
Was ist neu?
Die kurze Antwort darauf – eine ganze Menge! Aber fangen wir mit meinem persönlichen Highlight an: Der neue Spielmodus No Return. Hier tretet ihr gegen eine Horde von Gegnern an, die euch zufällig begegnen. Dabei könnt ihr aus verschiedenen Charakteren wählen, die sich der Herausforderung stellen sollen. Nach und nach erweitert ihr mit verdienten Punkten eure Ausrüstung, was jeden Run wieder frischer erscheinen lässt. Ein wirklich netter Zeitvertreib von nebenbei.
Habt ihr weniger Lust auf Ballern und seid eher musikalisch unterwegs? Dann könnte das Gitarren-Feature was für euch sein. Im Spiel selbst könnt ihr bereits mit der Gitarre ein paar Akkorde spielen. Nun habt ihr das Ganze noch als Mini-Spielchen für nebenbei. Im Free Play Modus könnt ihr nach Belieben in die Saiten hauen und Songs produzie-ren. Eine nette Idee.
Das beste Erlebnis
Die Geschichte von The Last of Us II selbst bleibt natürlich unverändert. Das Ganze sieht nun um einiges besser aus. Ihr bekommt eine native 4K-Auflösung, die wirklich alles aus der Grafik Engine herausholt. Falls ihr vorher noch keine Chance hattet, ins Spiel zu schauen, dann ist das die beste Version, die ihr haben könnt. Hinzu gibt euch Naughty Dog noch Entwickler-Kommentare mit, die euch bestimmte Szenen und Entscheidungen näher erläutern. Für Fans ein gelungenes Rundum-sorglos-Paket.
Wie bereits schon beim Remaster für den ersten Teil, greift das Spiel nun auch auf alle Features des PS5-Controllers zu. Ihr fühlt quasi nun die Welt von Ellie und Joel hautnah. Auch die Sounds wurden perfekt an den Controller angepasst, was die Immersion deutlich erhöht. Ich kann nur sagen: Echt stark gemacht! Das war es dann mit den Neuerungen. Kommen wir nun zum eigentlichen Spiel. Falls ihr das schon kennt, könnt ihr an dieser Stelle abbrechen und euch The Last of Us II direkt an der PS5 anschauen. Viel Spaß damit.
Geniale Charakterstudie
Von guten und schlechten Seiten des Erwachsenwerden im Zombiezeitalter: Während wir in der echten Welt sieben beziehungsweise zehn Jahre warten mussten, sind im Spiel fünf Jahre vergangen: Ellie und Joel, die beiden Protagonisten des ersten Teils, leben in einer Siedlung in Jackson, Wyoming, mit anderen Überlebenden.
Die kleine Ellie ist im Laufe der Zeit zu einer jungen Frau herangewachsen. Als fester Teil der Gemeinschaft nimmt sie an Patrouillengängen rund um die Kleinstadt teil, um die Umgebung auf Infizierte und andere Gefahren hin abzusuchen. Standen im ersten Teil von The Last of Us noch Ellie und Joel im Fokus, so konzentriert die Handlung sich in Part II hauptsächlich auf Ellie und zeigt den post-apokalyptischen Alltag aus ihrer Perspektive.
Der Beginn einer emotionalen Achterbahnfahrt
Nach längeren Filmsequenzen startet die Handlung des Spiels. Gemeinsam mit Dina, einer jungen Siedlerin, startet man die routinemäßige Erkundungstour und klappert dabei verschiedene Checkpoints ab; hier wird Ellies Charakterentwicklung dann bereits in den Mittelpunkt gerückt, denn sie und Dina finden an einem der Checkpoints einen alten Grasvorrat und nach einem kräftigen Zug an der grünen Zigarette kommen sich die beiden immer näher ...
Bis hierher verläuft die Story – wie bereits in Teil I – geradlinig ab, doch nach einem einschneidenden Erlebnis, das Ellie und Dina schließlich nach Seattle führt, bekommt man als Spieler auch die Möglichkeit, auf eigene Faust die großartig gestaltete Map zu erkunden. Mehr wird aber hier nicht verraten.
Apokalypse war nie schöner
Detailgetreu zeichnet Naughty Dog traumhafte Landschaften. Ob Schneegestöber oder Waldsafari – auf alle Kleinigkeiten wurde geachtet. Phänomenal sieht dabei unter anderem das post-apokalyptische Seattle aus.
Der festgefahrene Beton der Autobahnen musste schon lange den Kampf gegen die Pflanzen aufgeben und auch die Hochhäuser der Stadt leben in Symbiose mit hochgewachsenen Kletterpflanzen, während um sie herum Gräser und Bäume aus der Erde sprießen. Auch Mimik und Gestik der Spielfiguren sind herausragend animiert, aber wie verhält es sich mit deren Motorik ...?
Die Liebe zum Detail endet hier
Never change a winning Team? Doch! – ein bisschen mehr Innovation wäre hier angebracht gewesen. Spieltechnisch hat sich nicht sehr viel verändert. Naughty Dog setzt wie bereits beim Vorgänger auf einen Mix aus Hide, Fight und Escape Elementen, also Schleichen, Kämpfen und Abhauen, wobei gezielte Tarnangriffe vor allem in den schwierigeren Spielmodi eher zum Erfolg führen als die offene Konfrontation.
Am Spielprinzip hat sich ebenfalls nicht viel verändert. Ellie findet immer wieder, an geschickt platzierten Stellen, Werkzeuge, Rohstoffe und andere wichtige Bauteile für Waffen und Verbandszeug, die ihr das Überleben, durch Upgrades wie Schalldämpfer oder Waffen mit Massenschaden (Rohrbomben, Molotov-Cocktails), in der gefährlichen Welt immens erleichtern können.
Zur Slapstick-Einlage werden Kampfszenen jedoch dann, wenn Ellie beispielsweise mit Dina unterwegs ist. KI-Partner helfen zwar gelegentlich, Gegner zu bekämpfen, stehen aber teilweise ungedeckt in der Gegend herum: Während Ellie sich also gezielt vor Klickern – ihr erinnert euch an diese Zombie-Art?! – oder sonstigen Angreifern versteckt, steht die KI mitten im Raum und die Gegner sehen blind durch die KI-Verbündeten hin-durch ... Das trübt die Stimmung insgesamt etwas. Aber zum Glück kommen solche Momente nur selten vor, sodass ihr recht schnell wieder tief ins Spiel eingesogen werdet.
Fazit
Was für ein Spiel: Ihr solltet unbedingt The Last of Us Part II (und natürlich Part I) gespielt haben. Das Remaster macht das grandiose Werk zu einem meisterlichen Titel. Dabei wird es durch verschiedene Plot-Twists nie langweilig und trotz des teils geradlinig verlaufenden Spiels lassen sich dennoch ausreichend versteckte Orte aufspüren, die mitunter nützliche Items bergen. Für Liebhaber des Genres ein Must-have, aber auch für Einsteiger durchaus empfehlenswert. Naughty Dog hat sich hier (erneut) ein Denkmal gesetzt. Danke dafür!
Erhältlich für: PS5
Website: naughtydog.com