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The Last Oricru

Action ohne Gnade: Muss sich Dark Souls vor diesem Titel warm anziehen?

Bis Anfang des Jahres hatte ich kaum etwas von The Last Oricru gehört. Das Werk von Gold-Knights und Publisher Plaion war bei mir höchstens eine Randnotiz. Und dann tauchte es urplötzlich aus dem Nichts auf und wurde auf verschiedenen Kanälen laut gefeiert: „Der nächste Souls-Konkurrent?“ war eine Schlagzeile. Das wollte ich genauer wissen. Kann The Last Oricru die Vorschusslorbeeren behalten, die es bisher bekam?

Falscher Vergleich?

Eine schnelle Antwort bekommt ihr direkt: Nein, das kann The Last Oricru nicht. Aber dennoch hat das Spiel seinen eigenen Charme. An dieser Stelle muss ich aber was loswerden. The Last Oricru wurde mir auf der gamescom 2022 als Souls-like-Spiel vorgestellt. Warum machen das die Entwickler heutzutage nur? Sobald ein Spiel aus der Third-Person-Perspektive gespielt wird und es eine Ausweichrolle gibt, scheint jeder direkt diesen Vergleich für sich zu beanspruchen. Aber das lockt einen nur auf die falsche Fährte. Denn The Last Oricru ist mehr Gothic oder Elex in seinen besten Momenten als ein Dark Souls. Warum? Das erkläre ich euch gleich.

Grafisch steht The Last Oricru auf eher wackligen Beinen. Das Spiel sieht wahrlich nicht sonderlich hübsch aus – ist aber auch keine Katastrophe. Man sieht The Last Oricru das niedrigere Budget deutlich an. Hier und da können die Charaktere mal überzeugen, aber dann fangen sie an zu sprechen und die Illusion ist dahin. Auch grafische Glitches hatte ich während meiner Spielsessions des öfteren. Also an der Grafik liegt es wohl nicht, dass man sich The Last Oricru an-schauen sollte. Schauen wir also mal auf die Story.

Eine Story nach eurem Willen

Hier wird es deutlich spannender: In der mittelalterlichen Fantasy-Welt Wardenia landen wir als namen- und gedächtnisloser Held – das kommt mir irgendwie bekannt vor. Schnell erkennen wir, dass hier drei Fraktionen im Clinch miteinander liegen. Im Prolog hätten wir da die Naboru, die aus einem Mad Max Film entsprungen sein könnten. Auf der anderen, der unterdrückten Seite, befinden sich die Rattlinge. Wir selbst sind übrigens ein Mensch. Mit unseren Entscheidungen und Taten können wir diese Welt in jeweils eine bestimmte Richtung führen. Und das nehmen die Ent-wickler:innen von GoldKnights wirklich ernst.

The Last Oricru lässt euch an verschiedenen Stellen mit Charakteren der unterschiedlichen Fraktionen sprechen. Immer wieder werden dabei Entscheidungen verlangt. Und diese haben gehöri-ge Auswirkungen auf den Verlauf des Abenteuers. Ein kleines Beispiel gefällig? Im Prolog könnt ihr den Rattlingen eure Treue schwören: Dafür hilft euch ein kleiner Trupp Rattenkrieger die Naboru im Schloss zu erlegen. Am Ende des Tutorials flieht der ansässige General und ihr dürft euch mit seiner Leibgarde vergnügen.

Entscheidet ihr euch jedoch für keine der beiden Parteien, entfesselt sich ein unerbittlicher Kampf zwischen den Rattlingen und den Naboru. Jeder greift hier jeden an. Haltet ihr euch etwas zurück, dann erledigen sich die beiden Parteien größtenteils gegenseitig – oder greifen euch an. Solche Entscheidungen und Wege gibt es in The Last Oricru häufig. Die Gebiete ändern sich dabei nicht, nur was in ihnen passiert, unterscheidet sich deutlich voneinander. Daher bietet The Last Oricru einen sehr hohen Wiederspielwert. Jetzt wisst ihr auch, warum mir der Vergleich zu Gothic oder Elex in den Sinn kam.

Satte Action für Anfänger:innen

Spielerisch habt ihr es mit einem Nahkampf-Actionspiel zu tun. Ja, gewisse Ähnlichkeiten zu Dark Souls sind vorhanden. Allerdings ist das Kampfsystem nicht so ausgefeilt und die Auseinandersetzungen mit Feinden sind wesentlich einfacher als im großen Vorbild. Oftmals senst ihr mit eurer Waffe über die Hälfte der Energie der Gegner bei einem Schlag weg. Selbst erleidet ihr aber nicht sonderlich viel Schaden. Das macht The Last Oricru selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad noch sehr erträglich – und für Dark Souls Veteranen fast zu einfach.

Dabei müsst ihr noch nicht einmal sonderlich viel grinden, um später auch die dicksten Bosse niederzustrecken. Also wenn ich den Vergleich mit Dark Souls unbedingt ziehen möchte, dann würde ich sagen „Ein Dark Souls für Einsteiger:innen“. Und weil ich die Bosse schon erwähnt habe: Diese sind hübsch in Szene gesetzt, halten aber leider nicht sonderlich viel aus. Mir persönlich gab es aber mehr Erfolgserlebnisse als zuletzt bei Elden Ring – und das hat mir gefallen.

Fazit

The Last Oricru ist wahrlich kein Dark Souls Killer. Dafür hat das Spiel zu wenige Alleinstellungsmerkmale. Zudem zieht es im direkten Vergleich mit Dark Souls in zu vielen Punkten kläglich den Kürzeren. Aber schieben wir den Vergleich einfach mal beiseite. Als Action-Rollenspiel macht The Last Oricru plötzlich eine ganz gute Figur.

Insbesondere die Entscheidungen sind es, die The Last Oricru deutlich von anderen Spielen dieser Art abheben. Euer Wort macht hier tatsächlich einen Unterschied – und lädt damit zum erneuten Durchspielen ein. Wenn ihr The Last Oricru aus dieser Warte betrachtet, dann solltet ihr Wardenia unbedingt einen Besuch abstatten. Vielleicht werden sich Entwicklerteams beim nächsten Mal einen treffenderen Vergleich überlegen.

Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: lastoricru.com