Es war schon mutig, ging aber kräftig in die Hose: Bei Fallout 76 im Jahr 2019 hat sich Entwickler Bethesda ordentlich verpokert. Eigentlich sollte der letzte Ableger der dystopischen Rollenspiel-Reihe eine neue Ära einläuten, hat aber viele Fans vergrault. Inzwischen, fast vier Jahre später, hat man kräftig nachjustiert und das Spiel hat seine Fangemeinde. Doch im Jahr 2019 gab es allerdings einen klaren Gewinner, der nun aufgehübscht wurde für die aktuelle Konsolengeneration. Die Rede ist von The Outer Worlds: Spacer’s Choice Edition.
Kommt mir irgendwie bekannt vor
Doch eines vorweg: The Outer Worlds ist keineswegs im Fallout-Universum angesiedelt oder inhaltlich daran irgendwie angelehnt – und doch ist die Ähnlichkeit kein Zufall, denn als Hauptverantwortliche zeigen sich Game Director Tim Cain und Leonard Boyarsky hinter dem neuen Sci-Fi-Rollenspiel.
Wer die beiden sind? Na, die Schöpfer des ursprünglichen Fallout aus dem Jahre 1998. Und dazu hatten sie auch ihre Finger im Spiel, als Fallout: New Vegas erschien, das für viele Fans als bester Ableger der Fallout-Reihe zählt. All dieses Wissen floss bei The Outer Worlds mit ein. Daher verlässt sich Entwickler Obsidian Entertainment und Publsiher Private Division auf seine Stärken und zaubert einen schwarzhumorigen, actionhaltigen Unterhaltungstrip auf den Bildschirm.
Ein Held für die Welt(en)
Mit einem selbst definierbaren Helden, wenn man das so nennen mag, machen sich der Spieler:innen auf einen interessanten Ausflug quer durchs All, um einen bösen Konzern zu stoppen. Der knallbunte Look erinnert dabei an die trashigen Sci-Fi-Streifen aus den 70er-Jahren – was perfekt zum Spielgeschehen passt. Vorsicht: Manchmal ist es wirklich arg bunt.
Typisch für ein solches Rollenspiel ist, dass ihr Aussehen und Fähigkeiten nach Lust und Laune individualisieren dürft: Vom schleichenden Schurken über einen furchtlosen Revolverhelden bis hin zum nahkämpfenden Berserker darf sich ausgetobt werden – immer mit einem Hauch „Star-Wars“-Feeling beim Gunplay. Und wenn die Gefechte aus der Ego-Sicht mal zu hektisch werden, gibt es noch eine schicke Zeitlupenfunktion, die einen zurück in die alten „Fallout“-Spiele verschlägt – herrlich abgedreht. Übrigens erklärt das Spiel diese Zeitlupe damit, dass ihr nach eurem eisigen Cryo-Schlaf noch leichte Hirnprobleme habt – ich mag diese Art von Humor.
Jeder Ort was Besonderes
Für jede Menge Unterhaltung sorgen zudem die unterschiedlichen Planeten, die man mit seinem Raumschiff besuchen darf. The Outer Worlds ist jedoch kein Open-World-Spiel, sondern unterteilt in kleine offene Areale, die mit allerlei, teils sehr absurden Aliens gefüllt sind. Im späteren Verlauf trefft ihr auf Verbündete – insgesamt sechs Stück an der Zahl –, von denen ihr bis zu zwei mit auf eine Mission nehmen könnt.
Die Multiple-Choice-Dialoge, denen ihr währenddessen lauschen dürft, strotzen vor Humor und Anspielungen. Und für alle, die jetzt weiterdenken: Nein, ihr könnt die Begleiter nicht durch echte Freunde ersetzen – The Outer Worlds ist ein waschechtes Singleplayer-Erlebnis, was eigentlich ein bisschen schade ist.
Das volle Paket
Die Spacer’s Choice Edition kommt mit beiden DLCs daher: Sowohl Peril on Gorgon als auch Murder on Eridanos bieten euch weitere Stunden an spannender Unterhaltung an und stricken die Story etwas weiter. Die beiden DLCs sind später im Spiel frei anzusteuern, sobald ihr in der Hauptmission an bestimmte Ziele gekommen seid. Empfohlen werden die Zusatz-missionen ab Level 25 bzw. Level 30 eures Charakters.
Apropos Level: Die Levelgrenze wurde in dieser Edition erneut angehoben, damit ihr noch mehr Fähigkeiten verbessern oder perfektionieren könnt. Hinzu kommt, dass die Spacer’s Choice Edition nun flüssig in 60 Frames pro Sekunde läuft, verkürzte Ladezeiten hat und sogar zusätzliche Animationen bietet, die das Spiel noch schicker aussehen lassen. Falls ihr bereits alle DLCs habt und nur die optische Aufwertung haben wollt, könnt ihr euch das Upgrade für knapp zehn Euro zulegen. Ob sich das lohnt, müsst ihr selbst entscheiden.
Fazit
Aus meiner Sicht ist die Outer Worlds das aktuell bessere Fallout – auch vier Jahre nach dem offiziellen Release. Die Spielwelt ist bunt, abwechslungsreich und herrlich abgedreht. Der Humor sitzt und das Gunplay ebenfalls. Die Spacer’s Choice Edition ist der ideale Einstieg für alle, die bisher noch nichts mit dem Spiel am Hut hatten. Wer allerdings alles kennt, wird hier neben einem optischen Upgrade allerdings keine Neuerungen finden. Vielleicht wird ja bald ein zweiter Teil angekündigt – verdient hätte dieses Sci-Fi-Abenteuer es jedenfalls.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: store.privatedivision.com/de/game/buy-outer-worlds-spacers-choice-edition