Ein letzter Abend, nur für die Betreuer des Sommercamps in der wunderschönen Waldidylle von Hackett’s Quarry. So oder so ähnlich könnte man den hereinbrechenden Abend der sieben Jugendlichen Jacob, Emma, Ryan, Nick, Abigail, Kaitlyn und Dylan beschreiben, wäre da nicht die tragische Vorgeschichte von Laura und Max, die man bereits zu Beginn des Sommers, auf ihrer Odyssee zum Camp begleitet. Dabei wird man Zeuge, wie Max von einem tierähnlichen Wesen angefallen und Laura von einer mysteriösen Gestalt betäubt wird.
Teenies unter sich
Die Geschichte wird zum Ende des Camps, zwei Monate später, fortgeführt. Eurem geübten Auge fällt bestimmt sofort auf: Max und Laura fehlen unter den Betreuer:innen. Im Laufe der ersten Gespräche werden die beiden auch zum Thema und man erfährt, über den Sommer sind sie nie aufgetaucht. Nachdem Jacob, der aus Liebeskummer dafür sorgt, dass alle für eine weitere Nacht an Ort und Stelle verweilen müssen, verlässt der Camp-Besitzer Chris Hackett Hals über Kopf die Jugendlichen.
Allerdings nicht, ohne noch eine Warnung zu hinterlassen: Sie sollen unbedingt im Haus verweilen und nicht nach draußen gehen. Keine große Überraschung, dass die sieben sich dem widersetzen und eine Partynacht am Lagerfeuer planen, um einen letzten schönen Abend im Camp zu erleben. Wie sehr sie sich doch täuschen sollen. Mehr wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Außer dass die Geschichte weitere mysteriöse Charaktere verbirgt wie beispielsweise die zwei bewaffneten, hartgesonnenen Männer mit blutüberströmten Gesichtern. Aber ich will nichts spoilern. Das Spiel von Supermassive Games setzt wieder einmal auf packende Erzählweise und jede Menge Entscheidungsfreiheit. Wer den Blick in die Zukunft nicht scheut, dem soll ebenfalls Abhilfe geboten werden. Eine skurrile alte Dame kreuzt zwischen den Kapiteln immer wieder euren Weg und liest euch aus Tarotkarten, die im Spiel gefunden und eingesammelt werden können, die Zukunft. Erwartet jedoch nicht zu viel, große Erkenntnisse sind nicht zu erwarten.
Grusel für jeden
Das Gameplay ist, wie in diesem Genre üblich, sehr unkompliziert. Wer Spiele wie „Until Dawn“ oder die „The Dark Pictures“ Reihe kennt, findet nahtlos Anschluss. Für Neulinge könnte die Steuerung der Charaktere etwas gewöhnungsbedürftig sein, da man vor allem in engen Räumen mit beiden Sticks rangieren muss, um alles zu erkennen. Ansonsten besteht das Spiel jedoch hauptsächlich aus langsamem Gehen, Herumleuchten und dem Erkunden der Umgebung.
Schnelllebig wird es aber in Gefahrensituationen. Hier ist das gezielte Drücken von Tasten und das schnelle Reagieren (oder Nicht-Reagieren) erforderlich, um die Situation mehr oder weniger lebendig zu überstehen. Die Besonderheit des Spiels, bzw. des Genres, liegt jedoch nicht in den Fingerfertigkeiten, sondern darin, dass immer wieder Handlungsentscheidungen getroffen werden können, die den Spielverlauf verändern. Wie sich die Story entwickelt, liegt also zu einem nicht unbeträchtlichen Teil und im wahrsten Sinne des Wortes in eurer Hand! Schafft ihr es, dass alle Teenager die Nacht lebend überstehen?
Grafisch lässt das Spiel wenig zu wünschen übrig. Zwar sind Mimik und Gestik der Charaktere leider immer noch nicht lebensecht ausgestaltet und in der ein oder anderen Situation würde man am liebsten einen Arzt rufen, dennoch ist das Ambiente des Camps und anderer Handlungsorte dafür umso liebevoller ausgestaltet. Es ist neben der spannenden Story auch dem Detailreichtum zu verdanken, dass das Spiel zu einem echten Horror-Erlebnis wird.
Zusammengefasst bietet das Spiel mit seinem TV-Show-Charakter Potential für ein bis zwei lange Binge-Watch Abende, mit dem Bonus, aktiv in die Story eingreifen zu können. Wer sich alleine nicht traut, dem sei trotzdem zum Kauf geraten, denn das Spiel beinhaltet auch einen Koop-Modus, sodass ihr die Story auch gemeinsam mit Freund:innen erleben könnt.
Fazit
Mit The Quarry hat Publisher 2K Games und das Entwicklungsstudio Supermassive Games ein heißes Eisen im Feuer. Schön geschriebene Charaktere, klassischer Teenie-Horror gepaart mit eigenen Entscheidungen. The Quarry überragt inhaltlich die Darhk Pictures Reihe und bringt interessante Situationen auf den Bildschirm. Ob alleine oder zu zweit – dieser gruselige Trip lohnt sich allemal.
Erhältlich für: PC, PlayStation, Xbox
Website: supermassivegames.com/games/the-quarry