Unterhaltung Games

The Station

Kleines Team, große Geschichte: Diesen Ausflug ins Weltall werden Spieler so schnell nicht mehr vergessen – wenn sie sich darauf einlassen können.

Die Erkenntnis traf mich am Ende wie ein nasser Waschlappen völlig unvorbereitet ins Gesicht: Auf einmal wurde mir das Ausmaß des ganzen Grauens dieser Aliens bewusst – auch wenn es ein paar Sekunden brauchte, bis sich die Rädchen bei mir im Kopf anfingen zu drehen. Plötzlich sah ich das Gesamtbild und die tragische Geschichte, die sich hier auf der Raumstation Espial abspielte. Aber fangen wir von vorne an…

Gibt es einen gemeinsamen Weg?

„The Station“ versteht sich als First-Person-Mystery-Adventure: Ihr müsst also keine Angst vor wilden Ballereinlagen, Quicktime-Events oder schwierigen Hüpfpassagen haben. Hier geht es vergleichsweise gemütlich zu – oder auch nicht. Kommt drauf an, wie sehr ihr euch auf die Story einlasst. Die Ausgangssituation fand ich persönlich ziemlich spannend, da sie mit einer interessanten Frage beginnt: Wie würden wir uns verhalten, wenn wir endlich eine fremde, intelligente Spezies auf einem anderen Planeten entdecken würden? Da wir uns nicht sicher sein können, wie die Aliens ticken, wurde ein dreiköpfiges Forschungsteam ausgesandt, um weitere Informationen über die Aliens zu sammeln. Die Raumstation Espial wurde dabei so konzipiert, dass sie im Orbit um den fremden Planeten kreist, ohne von Radaren erfasst zu werden. Es ist quasi eine heimliche Spionage-Mission, die Aufschluss über das Verhalten der Bewohner des Planeten „Psy Prime“ geben soll. Was wir wissen: Auf dem Planeten herrscht eine Art Bürgerkrieg. Daher wollen Aiden, Mila und Silas (die drei Forscher) erkunden, ob es eine Möglichkeit zu einem friedlichen Miteinander geben kann. So weit, so gut. Doch dann ging irgendetwas gewaltig schief: Die Systeme der Espial fielen aus und über Funk gibt es keine Lebenszeichen mehr von der Crew. Als Sonderbeauftragter liegt es nun am Spieler die Raumstation zu erkunden und herauszufinden, was dort geschehen ist.

Der Erstkontakt

Sobald ihr die fliegende Forschungseinheit betreten habt, geht der Thrill los: Ein klein wenig musste ich an die Alien-Filme denken, als ich die Espial das erste Mal betrat. Die Atmosphäre, die sich während der nächsten drei Stunden aufbaut – ja, sonderlich lange ist das Spielchen nicht – verdient meine Hochachtung. Die Geschichte muss ich mir dabei allerdings größtenteils selbst zusammenreimen, was mich aber in keiner Weise gestört hat. Das Untersuchen von privaten Mails, Notizen, Audio-Dateien und Räumen lässt mich langsam erahnen, was hier vor sich gegangen ist. Außerdem erfahre ich dadurch mehr über die eigentliche Mission, die Aliens und – ganz wichtig – über die Crew selbst. Auch wenn ich nie direkt mit Mila, Aiden oder Silas zu tun habe, meine ich nach einer Weile, dass ich sie ganz gut kenne. Das liegt zum einen an den gut vertonten Audiologs, die auf dem gesamten Komplex verstreut sind, zum anderen durch die Nachrichten, die ich auf den Computern in der Raumstation finde. Nach und nach ergibt sich so ein ziemlich genaues Bild über die Personen, die hier bis vor Kurzem gearbeitet haben.

Futter für die grauen Zellen

Damit die Erkundungstour nicht zu ermüdend wird, haben die Macher ein paar kleine Rätsel eingebaut, die euch zwar nicht lange, dafür aber ein genügend fordern werden, um Spaß zu haben. So muss ich beispielsweise Aidens Notizen durchwühlen, um an einen Hinweis für den Code seines Schließfachs zu kommen. Je mehr ich in den privaten Sachen und Quartieren der Leute herumstochere, desto besser verstehe ich ihre Beweggründe für diese Mission. Selbst stelle ich mir dabei auch immer wieder die Frage, ob und wie ich die Aliens kontaktieren würde, damit die Lage nicht eskaliert. Technisch geht das Abenteuer völlig in Ordnung: Die Grafik ist auf einem ordentlichen Maß, um zu überzeugen. Nur bei den Animationen hakt es manchmal, was aber leicht verkraftbar ist. Die Steuerung beschränkt sich zudem lediglich auf das Laufen, anschauen und interagieren mit Gegenständen – das sollte niemandem Probleme machen. Am PC könnte die Sache Dank Maus und Tastatur aber wohl etwas komfortabler sein als mit dem Controller. Einziges Manko ist vielleicht lediglich die Sprachbarriere: Da es sich hier um ein kleines Team an Entwicklern handelt, gibt es auch nur englische Sprach- und Textausgabe. Aber keine Sorge – sehr viel zu lesen habt ihr nicht. Sowohl die Audio-Dateien als auch die Mails der Crew sind angenehm kurz gehalten.

Fazit

Das Kernstück dieses Weltalltrips ist natürlich die Story – und die ist meines Erachtens sehr gut gelungen. Grafisch geht das Ganze ebenfalls in Ordnung. Ob die kurze Spielzeit von rund drei Stunden nun ein Negativpunkt ist, wage ich zu bezweifeln: Mich hat die Auflösung sehr fasziniert, so dass ich auch lange nach den drei Stunden noch darüber nachdenken musste, was dort passiert ist. Und genau das sollen Spiele doch erreichen: Sie beflügeln die Fantasie und erweitern unseren Horizont. Am Ende ergibt alles einen Sinn. Vertraut mir und wagt den Sprung auf die Espial – es ist ein kleines Abenteuer, das sich absolut lohnt.

Erhältlich für: Xbox One, PS 4, PC
Website: thestationgame.com