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The Surge 2

Ihr mögt Hack? Hier wird viel gehackt – in äußerst guter Qualität.

Für mich war „The Surge“ eine freudige Überraschung: Ich hatte mir eine Art „Dark Souls“ mit Roboter-Atmosphäre vorgestellt – und lag gar nicht mal so falsch. Allerdings hatte und hat „The Surge“ ein paar Alleinstellungsmerkmale, die ich sehr zu schätzen weiß.

Und genau diese hebt auch „The Surge 2“ wieder hervor – verheddert sich allerdings nur etwas in der Kür. Insgesamt taucht ihr aber in ein einzigartiges Abenteuer ein. Solltet ihr „The Surge“ gemocht, geliebt oder gar gesuchtet haben, dann kauft euch „The Surge 2“ einfach und werdet glücklich. Entwickler Deck13 liefert hier den nächsten Schritt auf der Evolutionsstufe ab. Alle anderen: Bleibt ein Weilchen und lauscht.

Beschlagene Aussicht

Auf die Story gehe ich bei „The Surge 2“ weniger ein, was zwei Gründe hat: Zum einen will ich euch die Erfahrung selbst überlassen, zum anderen blicke ich nicht ganz durch. Das liegt aber daran, wie Deck13 die Geschichte präsentiert: Nach einem stimmungsvollen Intro folgt gähnende Belanglosigkeit.

Selbst bei „Dark Souls“ habe ich es nicht sonderlich gemocht, mir die Geschichte wie ein Puzzle selbst zusammenzusetzen. Bei „The Surge 2“ findet ihr immer wieder Relikte namens „Echos“, die euch Story-Brocken vorwerfen. Aber wirklich eintauchen konnte ich nie – muss man aber auch nicht.

Denn für mich stand sowieso immer das Kampfsystem und das Streben nach besserer Ausrüstung im Vordergrund. Und genau da punktet „The Surge 2“ kräftig. Als Handlungsort habt ihr es mit einer dystopischen Version von Jericho City zu tun.

Irgendwas ist hier mächtig schief gegangen: Eine mysteriöse Energiequelle hat die Maschinen belebt und die Menschen ausgerottet. Die Menschen, die noch übrig sind, kämpfen in ihren Bastionen ums nackte Überleben. Kennt man aus anderen Geschichten – taugt aber prima als Aufhänger für euer Tun.

Feintuning an den richtigen Stellen

Jedenfalls fühlen sich die ersten Schritte in „The Surge 2“ sehr vertraut an. Neu ist hingegen die Charaktererstellung. Nach Lust und Laune kreiert ihr euch einen Helden, mit dem ihr dann sterben könnt. Denn das gehört hier zum spielerischen Alltag. Ihr werdet schon sehen. Kann gut sein, dass ihr bereits bei euren ersten Ausbruchsversuchen aus dem Knast, in dem ihr startet, das ein oder andere Mal ins Gras beißt.

Aber sobald man mal den Dreh mit den sehr taktischen Kämpfen raushat, flutscht die Sache – zumindest über weite Strecken. Das Schöne an dem Kampfsystem ist die sich ständig ändernde Dynamik: Ihr braucht quasi für jeden Gegner eine andere Taktik, um ihn zu erledigen – etwas übertrieben ausgedrückt. Was immer hilft, ist ein schnelles Ausweichen und Kontern von Attacken.

Blocken und Kontern geht zwar auch, ist aber nicht immer die beste Wahl, wie ich schmerzhaft feststellen musste. Kann aber auch sein, dass ich zuvor zu viel Zeit in „Darksiders 2“ verbracht habe, bei dem es kein Block-System gibt. Jedenfalls funktionieren das Wegrollen und Zuschlagen für mich am besten.

Zielwasser trinken!

Einen großen Teil dieser Kämpfe nimmt das Anvisieren verschiedener Körperteile in Anspruch – das ist die Essenz des Ganzen. Wenn ihr einen Gegner besiegt, entscheidet die anvisierte Körperstelle nämlich über eure Ausbeute. So könnt ihr euch gezielt Ausrüstungsgegenstände farmen: Braucht ihr einen neuen Helm, dann konzentriert euch also immer auf den Kopf des Gegners.

Neue Schuhe? Ab auf die Beine des Widersachers! Habt ihr Erfolg, gibt es eine Blaupause für ein neues Ausrüstungsteil. Dieses baut ihr dann mit den entsprechenden Komponenten an der Medi-Box zusammen. Diese Medi-Box dient zudem als Respawn-Punkt, falls ihr mal wieder im Kampf fallen solltet. Ebenso dürft ihr dort Fähigkeiten oder Gegenstände weiterentwickeln und Energie auftanken.

Kurz gesagt: Hier verbringt ihr einen wesentlichen Anteil eurer Spielzeit. Wie bereits aus dem Vorgänger gewohnt, levelt ihr mit gesammeltem Schrott euren Charakter auf. Das macht ihn leistungsfähiger, lässt ihn fester zuschlagen und mehr bzw. mächtigere Implantate tragen.

Die Implantate machen übrigens oftmals den feinen Unterschied im Kampf aus: Dadurch bekommt ihr extra Lebenspunkte oder Ausdauer, erhaltet zusätzliche Medipacks oder könnt kräftiger anpacken. Deck13 hat in der Welt eine Menge dieser Implantate versteckt, was den Erkundungsgeist in mir geweckt hat. Auch wenn mir die Welt teilweise etwas zu steril geraten ist, macht es mir Spaß in jedem Winkel nachzuschauen.

Helferlein aus der Luft

Eine größere Bedeutung kommt diesmal auch eurer Drohne zu: War sie im ersten Teil nur schmückendes Beiwerk, das mal einen Gegner anlocken konnte, richtet sie diesmal sogar etwas Schaden bei den Feinden an. Daher setzte ich sie auch wesentlich öfters ein. Und das ist auch verdammt notwendig: Denn behutsames Vorgehen ist hier das A und O.

Wer einfach mal drauf losprescht, findet sich schnell an der Medi-Box wieder. Der Schwierigkeitsgrad ist mal wieder recht stramm und wird euch immer wieder sehr fordern. Zu dem Konzept gehört aber auch, dass man nie aufgeben sollte – nach dem Tod ist vor dem Tod. Grinden und farmen gehört hier zur Spielmechanik.

Oftmals müsst ihr auf Tour gehen, um euch selbst hochzuleveln. Denn obwohl die Welt eigentlich recht offen ist, werden euch an manchen Stellen Feinde die Grenzen deutlich aufzeigen. Habt ihr später bessere Ausrüstung, könnt ihr euch weiterdurchkämpfen.

An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass den Entwicklern von Deck13 diesmal das Leveldesign richtig gut gelungen ist: Scheinbar grob verschachtelte oder weit entfernte Plätze werden plötzlich durch einen eleganten Einschub einer versteckten Tür oder eines Fahrstuhls stark abgekürzt. Nicht selten kam dieser Aha-Moment, in dem ich plötzlich bemerkte, dass mich ein Weg eigentlich nur im Kreis geführt hat und ich nun durch die freigeschaltete Tür direkt an mein Ziel komme.

Diese Abkürzungen sind auch bitter notwendig, wenn es gegen einen Boss geht. Ich bin Deck13 sehr dankbar, dass ich die meisten Bosse nun wieder relativ schnell erreichen kann, wenn ich einmal dorthin vorgekämpft habe.

Die meisten von euch werden einen Boss öfters herausfordern müssen, bevor dieser in die Knie geht: Diese fiesen Maschinen haben oft so mächtige Angriffe, dass sie euch mit zwei, drei Schlägen ins Jenseits befördern können.

Also zunächst solltet ihr entsprechend gerüstet sein, dann könnt ihr euch eine passende Taktik zusammenlegen, um den Obermotz zu besiegen. Wie gesagt: Das Ganze ist ziemlich fordernd, aber auch so befriedigend, wenn ihr es geschafft habt.

Fazit

Auf den ersten Blick fühlt sich „The Surge 2“ wie sein Vorgänger an. Jedoch hat Deck13 an den richtigen Stellen geschraubt, um das Spielgefühl noch intensiver zu machen. Das gesamte Kampfsystem spielt sich traumhaft und motiviert auch nach Stunden immer noch.

Da macht es auch nichts aus, dass ich von der Story nicht allzu viel mitbekomme. Ich gehe gerne auf Entdecker-Tour, hacke mich durch feindliche Cyborgs und rüste mich für das Ende der Menschheit. Kurzum: „The Surge 2“ ist eine Fortsetzung, wie man sie sich wünscht.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: thesurge-game.com