Wie lange ist das schon her? Wirklich schon zwölf Jahre? 2006 erblickte „Titan Quest“ das virtuelle Licht dieser Welt – allerdings nur am PC. Da ich von „Diablo 2“ zu dieser Zeit schon etwas genug hatte, freute ich mich auf einen spannenden Ausflug in die mythologisch aufgearbeitete Antike. „Titan Quest“ vom amerikanischen Entwickler Iron Lore machte dabei eigentlich alles richtig und hielt mich für Stunden vor dem Monitor gefesselt. Welche Vorfreude in mir aufstieg als im Dezember 2017 THQ Nordic eine Konsolen-Fassung des Klassikers ankündigte, könnt ihr euch sicherlich denken. Nun also ist es soweit: Gespannt will ich wissen, wie sehr der Zahn der Zeit an dem Rollenspiel genagt hat.
Wie ich es kenne und lieb(t)e
Den Einstieg ins Abenteuer habe ich noch gut im Gedächtnis: Schnell einen Charakter erstellt – mit wenigen Einstellungsmöglichkeiten – und schon tauche ich am Strand einer griechischen Gegend wieder auf. Anfangs noch fast nackt unterwegs, fühle ich mich in die Steuerung ein. Grafisch passt aus meiner Sicht schon mal alles. Klar, die Animationen wirken sehr hölzern und keineswegs up-to-date. Ebenso bieten die Umgebungen deutlich Luft nach oben im Grafik-Himmel. Aber das Gesamtbild zählt: Und das kann sich sehen lassen. Da ich meist die niedrigste Zoom-Stufe nutze, fallen mir kleine Details sowieso nicht auf. Was ich will: Die Übersicht behalten. Und das ist hier durchaus gegeben.
Bei der Wahl der richtigen Klasse beziehungsweise Meisterschaft, tue ich mir anfangs etwas schwer. Denn diese Entscheidung ist ziemlich endgültig. Nach einigen Stufenanstiegen dürft ihr zwar noch eine zweite Meisterschaft wählen, doch die Wahl will wohl überlegt sein. Ich entscheide mich für den Geisterbeschwörer – und komme damit erstmals mit der Technik, die hinter dem Spiel steckt, in Berührung. Damit meine ich nicht die Steuerung. Die funktioniert nämlich erstaunlich gut: Persönlich finde ich es sogar noch besser gelöst als damals am PC. Ich mag es einfach, wenn ich meinen Avatar direkt steuern kann und nicht mit Mausklicks irgendwohin dirigieren muss. Aber ich schweife ab. Worauf ich eigentlich anspielen wollte ist die KI des Titels.
Zu blöd zum Kämpfen
Bevor ich Stufe 8 oder 9 erreicht habe, fiel mir bereits auf, dass manche Feinde nicht direkt reagieren, wenn ich sie ins Visier nehme – was mir nichts weiter ausmachte. Als mir dann aber nach einem Stufenanstieg genügend Erfahrungspunkte zur Verfügung standen, dass ich endlich die Beschwörung des Leichenkönigs erlernen durfte, machte sich die KI deutlich bemerkbar. Denn sobald der Leichenkönig beschworen ist, übernimmt er die meiste Angriffsarbeit. Meine Feinde zerschmettert er wesentlich schneller als ich es könnte – im Duo haben wir beide eine ordentliche Durchschlagskraft. Nur kämpfen wir nicht immer im Duo. Was ich damit meine? Von Zeit zu Zeit entscheidet sich der Geist mir beim Kampf tatenlos zuzuschauen. Als ich waghalsig ein Lager von Zentauren stürme und mich auf die Angriffskraft meines Begleiters verlasse, fliegt dieser mir langsam hinterher und bleibt völlig regungslos. Auch nachdem sich einige Halb-Menschen auf ihn eingeschossen haben, klammert sich der Geist stoisch an seinen Zauberstab – da bringt es auch nichts, dass ich das Verhalten auf „Angriff“ setze. Erst nachdem ich mit Müh und Not zwei Widersacher gelegt habe, entschließt sich der Leichenkönig einzugreifen – und macht kurzen Prozess mit den Verbliebenen. Da dies keine einmalige Sache war, sondern immer wieder passierte, erwähne ich es an dieser Stelle.
Klassisch gut
Den Rest des Spiels hatte ich jedoch einen Heidenspaß. Die angestaubten Rollenspiel-Strukturen muss man allerdings mögen: Dazu zählt ein viel zu kleines Inventar, das euch immer wieder vor die Entscheidung stellt, welchen Gegenstand ihr gerne ausmisten wollt. Beim Skill-Tree, der seinen Namen redlich verdient hat, stört mich das archaische Prinzip jedoch wenig: Für neue Fähigkeiten muss ich Punkte in die Meisterschaft investieren, um diese freizuschalten. Danach brauche ich jedoch wieder Punkte, um mir entsprechende Fähigkeiten zu kaufen – das kannte ich bereits aus „Diablo“. Heutzutage hat dieses System einen altmodischen Charme, den ich zu schätzen weiß.
Der grundsätzliche Ablauf des Spiels gefällt mir ebenfalls, obwohl ich ein paar Dinge aus heutiger Sicht ändern würde: Im Grunde verläuft euer Abenteuer sehr linear in eine Richtung. So kämpft ihr euch durch die verschiedenen mythologischen Welten und trefft am Ende eines jeden Kapitels stets auf einen dicken Boss – so weit, so gut. Erst nach Beendigung eines kompletten Durchgangs schaltet ihr eine neue Schwierigkeitsstufe frei. Um also als „legendärer“ Krieger durch die Welten zu stapfen, müsst ihr das Spiel also mindestens zweimal komplett durchgespielt haben. Das fand ich schon bei „Diablo 2“ und anfangs auch bei „Diablo 3“ äußerst nervig. Lasst mich doch bitte von Anfang an wählen, wie hoch die Herausforderung sein soll und streckt das Spielerlebnis nicht künstlich dadurch, dass ich es x-mal durchspielen muss.
Fazit
Doch all das ist eigentlich Meckern auf hohem Niveau. Keine Ahnung, ob mir einige meiner Kritikpunkte damals schon ins Auge gefallen sind oder ob es eben eine Sache der Zeit ist. Es hakt zwar hier und dort aufgrund des technischen Gerüsts, doch insgesamt lässt sich „Titan Quest“ heutzutage aber noch sehr gut spielen. Gerade die einfache Mehrspielerfunktion hat so ihre Stärken, wenn ich gemeinsam mit einem Kumpel auf Monsterjagd gehen darf. Selbst zwölf Jahre nach dem ersten Release schlummert hier sehr viel Potenzial, das THQ Nordic gerne dadurch erweitern darf, indem die Reihe fortgeführt wird.
Erhältlich für: Xbox One, PS 4, Switch, PC
Website: titanquestgame.com