Ja, wie die Zeit verfliegt. Ich musste wirklich nachschauen, wann „Torchlight II“ das Software-Licht der Welt erblickte. Es war tatsächlich im gleichen Jahr wie „Diablo 3“, also 2012. Nach also insgesamt sieben Jahren exklusiver PC-Präsenz ist „Torchlight II“ nun auf den Konsolen gelandet.
Eine kuriose Nebeninfo: Der Konsolen-Release ist damit zwei Jahre nach der Schließung des Studios Runic Games erschienen. Für die Portierung waren nämlich die Programmierer von Panic Button Games am Werke. So viel zum Hintergrund von „Torchlight II“.
Zeichen der Zeit
Damals galt das Hack’n Slay als Konkurrenz zu „Diablo 3“. Das ging so weit, dass viele Tester „Torchlight II“ sogar deutlich vor „Diablo 3“ sahen, weil es technisch, inhaltlich und spielerisch die Nase vorn hatte. Wie sieht es damit heute aus? Nun ja: „Diablo 3“ hat sich weiterentwickelt und ist inzwischen eine feste Größe im Genre. „Torchlight II“ hingegen ist auf dem Stand von vor sieben, vielleicht sechs Jahren geblieben.
Das ist zwar immer noch recht ordentlich, wie ihr gleich sehen werdet, doch leider merkt man dem Werk auf diese Art sehr den Zahn der Zeit an – zumindest in bestimmten Bereichen. Generell kann man zu Beginn mal sagen: Wenn ihr Hack’n Slays im Allgemeinen mögt, dann ist „Torchlight II“ definitiv euer Ding.
Ihr habt die Wahl zwischen vier Klassen und gefühlt 20 Begleitern. Die Klasse bestimmt jedoch die Spielweise deutlich, der Begleiter ist nur schmückendes Beiwerk – wenn auch ein ziemlich cooles. Ein Unterschied zur PC-Version werdet ihr sofort merken, wenn ihr euren Charakter steuert.
Genau! Ihr steuert den Charakter direkt und klickt ihn nicht durch die Gegend. Das hat sich damals schon bei der Portierung zu „Diablo 3“ wunderbar angefühlt und tut es hier auch. Ebenso gut wurden die Befehle auf den Controller übertragen. An dieser Stelle passt also alles.
Läuft
Optisch ist „Torchlight II“ wesentlich bunter als die Genre-Konkurrenz. Ihr habt es fast mit einer Art „Borderlands“-Look zu tun, was mir persönlich sehr zusagt. Ich mag den Comicstil. Auch die Geschichte oder die Charaktere nehmen sich nicht ganz so bierernst wie in anderen Spielen.
Spätestens wenn ihr mit einem zugekifft aussehendem Lama als Begleiter durch die Gegend watschelt, wisst ihr, was ich meine. Vom Gameplay bin ich gleich richtig schön im Fluss mit meinem Berserker. Gegner schnetzeln, Beute einsammeln, Erfahrung einfahren und neue Fähigkeiten lernen.
Ja, so macht das Hack’n-Slay-Leben einfach Spaß. „Torchlight II“ erfindet das Rad hier zwar nicht neu, macht aber sehr vieles richtig. Nur beim etwas umständlichen Vergleich von Ausrüstungsgegenständen bin ich am Zweifeln, wie das eigentlich gedacht war. Das Menü könnte an dieser Stelle deutlich komfortabler sein.
Gemeinsam? Einsam!
Es folgt mein absoluter Schockmoment. Nachdem ich also ein paar Stunden in der bunten Fantasy-Welt verbracht habe, will ich eine Runde gemeinsam mit einem Kumpel spielen, der auf einen Besuch vorbeikam. Im Menü finde ich nun aber nicht den Unterpunkt, in dem ich ein Koop-Spiel starten kann. Bei Spielersuche geht es nämlich direkt ins Online-Game hinein.
Ich muss kurz im Netz recherchieren und stelle erstaunt und erschrocken fest, dass „Torchlight II“ über keinen lokalen Koop-Modus verfügt. Zugegeben: Online mit einem Kumpel zu zocken ist eine schöne Sache, aber bei Weitem nicht vergleichbar mit einer netten Partie Koop von der Couch aus.
„Diablo 3“ hat mit dem Koop-Modus eine geniale Art zu spielen entwickelt, die mich heutzutage immer noch prima unterhält. Warum nun „Torchlight II“ darauf verzichtet, ist mir ein Rätsel. Das sollte meiner Meinung nach unbedingt nachgebessert werden, weil es so sehr viel von seinem Charme verliert.
Fazit
Abgesehen von dem ärgerlichen Koop-Fauxpas ist „Torchlight II“ aber auch noch heutzutage sehr gut zu genießen – auch wenn es nicht die Vielfalt eines heutigen „Diablo 3“ bietet. Die Kampagne ist kurzweilig, die unterschiedlichen Charaktere angenehm individuell und das Missionsdesign bietet ein solides Gameplay – auch wenn man das hier nicht wegen der Story spielen wird.
Dennoch bin ich froh, dass es „Torchlight II“ nun endlich für die Konsole gibt. So einen kleinen Zeitfresser habe ich noch gesucht – Danke an Panic Button Games für die Portierung.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: torchlight2.com/de