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Towa and the Guardians of the Sacred Tree

Mit Towa and the Guardians of the Sacred Tree wagt sich Bandai Namco in ein Genre, das in den letzten Jahren von Hits wie Hades oder Dead Cells geprägt wurde: das Roguelite.

Dabei verlässt sich das Spiel nicht nur auf zufallsgenerierte Dungeons und knackige Kämpfe, sondern kombiniert Action mit einer warmherzigen Geschichte, einem ungewöhnlichen Duo-Kampfsystem und einer Ästhetik, die stark von japanischer Mythologie inspiriert ist. Ob dieser Mix den Sprung von solider Genre-Kost zu einem echten Geheimtipp schafft, zeigt sich beim genaueren Blick auf Story, Gameplay und Stil.

Göttlicher Baum in Gefahr

Das Herz der Geschichte von Towa and the Guardians of theSacred Tree bildet die Legende eines uralten Baumes, der den Gott Shinju beherbergt und als Quelle allen Lebens gilt. Als dunkle Mächte beginnen, seine Energie zu verderben, liegt es an der jungen Kriegerin und Tochter der Götter Towa, die Ordnung der Welt wiederherzustellen.

Gemeinsam mit acht Gefährten reist sie durch mystische Gebieteauf der Suche nach Magatsu und besiegen dabei zunächst seine Wächter, um die Balance zwischen Natur, Magie und Menschheit zu bewahren.

Lore als Zwischen-Snack

Zwischen den Kämpfen dient das friedliche Shinju Village als Ruhepunkt. Dort pflegt Towa Beziehungen zu den Dorfbewohnern, schmiedet Waffen, erfährt mehr über die Geschichte des Landes und über sich selbst. Dieses Wechselspiel aus rasanten Abenteuern und ruhigen Momenten im Dorf sorgt dafür, dass man nicht nur kämpft, sondern auch emotional in Towas Welt eintaucht.

Das Spiel versucht, eine Balance zwischen melancholischer Fantasy und hoffnungsvollen Momenten zu finden – ähnlich wie man sie aus klassischen japanischen Erzählungen kennt. Während die Hauptgeschichte eher vorhersehbar verläuft, lebt sie stark von den kleinen Begegnungen und den zarten Beziehungen zwischen Towa und ihren Gefährten. Ihre Dynamik verleiht der Erzählung emotionale Tiefe.

Motivierende Kämpfe

Das Gameplay von Towa and the Guardians of the SacredTree steht ganz im Zeichen des Roguelite-Prinzips: Jeder Dungeon-Run ist anders, Belohnungen und Gegner verändern sich und einige Ressourcen können auch nach einem Scheitern behalten werden.

Zentrales Element ist das Duo-Kampfsystem: Man steuert immer zwei Charaktere gleichzeitig, Tsurugi, den klassischen Frontkämpfer und Kagura, als Support, der heilt oder mit magischen Attacken unterstützt. Hier kann man zwischen den 8 Gefährten des Spiels frei wählen. Jeder Charakter kann sowohl die Rolle des Tsurugi, als auch des Kaguraübernehmen.

Multitasking als Spaß-Katapult

Das Zusammenspiel dieser beiden Figuren bildet das Herz des Kampfsystems. Anfangs ist es etwas gewöhnungsbedürftig, beide Figuren gleichzeitig zu koordinieren. Mit etwas Übung entwickelt sich daraus jedoch ein dynamischer Rhythmus.

Für experimentierfreudige Spieler bietet Towa eine enorme Anpassungsfreiheit: Jeder spielbare Charakter verfügt sowohl in der Rolle des Tsurugi als auch in der Rolle des Kagura über zahlreiche freischaltbare Fähigkeiten, magische Techniken und Spezialmanöver, die sich individuell kombinieren lassen.

Ungleiche Rollenverteilung

Das Spiel unterstützt zudem einen lokalen Koop-Modus, bei dem ein zweiter Spieler die Kontrolle über Kagura übernimmt. Auf dem Papier klingt das nach einer spannenden Team-Erfahrung – in der Praxis fällt die Umsetzung jedoch etwas unausgeglichen aus. Als Kagura fühlt man sich eher wie ein Zuschauer mit magischen Extras als wie ein gleichwertiger Partner.

Nach erfolgreichen Kämpfen winken Power-Ups in Form von „Segen des Gottes“ sowie verschiedene Ressourcen, die man für Upgrades und Schmiedearbeiten nutzt. Das System der Segen und Upgrades ist äußerst umfangreich – fast schon überfordernd. Gerade zu Beginn kann man sich leicht in den vielen Optionen verlieren.

Durchatmen erlaubt

Zwischen den Dungeon-Läufen kehrt man nach Shinju Village zurück, das als Basis und Ruhepol dient. Hier lassen sich Charaktere aufleveln, Waffen verbessern und das Dorf selbst weiterentwickeln. Das Schmieden neuer Waffen erfolgt in Form einer Art von Minispiel – anfangs eine nette, interaktive Abwechslung, die später jedoch zunehmend den Spielfluss unterbricht. Zusätzlich kann man mit den Dorfbewohnern interagieren, kleine Nebenquests erledigen und durch diese Beziehungen neue Boni oder Ausrüstungsoptionen freischalten.

Sollte ein Bosskampf einmal zu schwer sein, bietet Towa eine willkommene Komfortfunktion: Man kann sowohl die aktiven Charaktere wechseln als auch den Schwierigkeitsgrad jederzeit anpassen. Dadurch bleibt das Spiel trotz seiner fordernden Natur zugänglich und vermeidet unnötige Frustration.

Unterm Strich überzeugt das Gameplay durch Vielfalt und Flexibilität, hat aber mitunter mit Überfrachtung zu kämpfen. Die Fülle an Systemen, Upgrades und Menüs kann anfangs erschlagen und mit der Zeit werden die Bosskämpfe trotz der jeweils neu generierten Dungeons etwas repetitiv.

Knallbuntes Erlebnis

In einem Punkt gewinnt Towa and the Guardians of the SacredTree ab der ersten Minute und das ist die Optik. Das Spiel präsentiert sich in einem handgezeichneten Stil, der an japanische Tuschemalerei erinnert – zarte Linien, weiche Farbverläufe und eine harmonische Lichtstimmung, die jedes Gebiet wie ein Gemälde wirken lässt. Ob nebelverhangene Wälder, schimmernde Tempel oder das idyllische ShinjuVillage – jede Umgebung erzählt visuell ihre eigene Geschichte.

Auch die Charakterdesigns stechen heraus: Towa wirkt gleichzeitig stark und verletzlich, und alle Nebenfiguren sind liebevoll und sehr individuell gestaltet. Die Animationen sind flüssig, auch wenn sie technisch nicht ganz an große AAA-Produktionen heranreichen.

Der Soundtrack – komponiert von Hitoshi Sakimoto – unterstreicht diese Ästhetik perfekt. Gerade in emotionalen Momenten entfaltet die Musik eine fast filmische Wirkung, die das Spielerlebnis spürbar vertieft.

Fazit

Insgesamt gelingt es Towa, mit vergleichsweise einfachen Mitteln eine überraschend eindrucksvolle Atmosphäre zu schaffen. Wer eine Vorliebe für kunstvolle, stimmungsvolle Spielewelten hat, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Towa and the Guardians of the Sacred Tree ist ein Spiel, das Herz und Stil vereint – auch wenn nicht alles perfekt zusammenfindet. Die emotionale Story überzeugt durch ihre mythische Tiefe und ruhige Erzählweise, das Gameplay punktet mit einem innovativen Duo-System und viel Flexibilität, wirkt anfangs aber etwas überladen und ungeschliffen. Die Optik wiederum ist ein echtes Highlight und verleiht dem Spiel eine Seele, die man nicht so schnell vergisst. Trotz einiger Schwächen im Kampffeedback und Balancingbleibt Towa ein lohnenswertes Abenteuer – vor allem für Fans von atmosphärischen Roguelites, die bereit sind, sich auf ein ruhigeres, erzählerischeres Spielerlebnis einzulassen.

Erhältlich für: Xbox, PS, Switch, PC 
Webseite: de.store.bandainamcoent.eu/towa-and-the-guardians-of-the-sacred-tree-digital-full-game-pc-standard-edition