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Tower Of Time

Zeit für Taktik? Dann wird euch dieser Turm fordern.

Meine erste Begegnung mit „Tower of Time“ fand unter schlechten Vorzeichen statt: Ich war todmüde und dachte, dass ich schnell mal eine Runde in das Spiel reinschaue, bevor ich ins Bett gehe – keine gute Idee. Denn für „Tower of Time“ solltet ihr hellwach sein. Sonst wartet hier nur der virtuelle Tod auf euch, wie ich schnell feststellen musste. Doch fangen wir ganz von vorne an.

Harte, aber gute Arbeit

Das Werk des polnischen Studios Event Horizon in Zusammenarbeit mit den Stage Clear Studios richtet sich an echte Strategen. Soll heißen: Hier werdet ihr bereits im niedrigsten der vier Schwierigkeitsgrade ordentlich rangenommen, wenn ihr nicht aufpasst. Grundsätzlich habt ihr es mit einer Mischung aus Echtzeitstrategie und Rollenspiel zu tun.

Beim Blick auf den ersten Trailer dachte ich an eine Art Hack&Slay, wie „Diablo“. Aber weit gefehlt. Nach ein paar Stunden im Spiel erinnert es mich vielmehr an „Heroes of Might & Magic“ – bloß in Echtzeit. Klingt jetzt etwas viel auf einmal? War es zu Beginn auch für mich. Aber das wird mit der Zeit schon.

Vom Jungen zum Commander

Kommen wir zur Geschichte – diese ist etwas merkwürdig. Denn in dem Fantasy-Reich Artara brach eine dunkle Macht herein, die alle Nationen in Verderbnis stürzte und den Himmel verdunkelte. Fast alle Menschen starben, bis auf ein paar „Glückliche“. Nach Jahren kehrte wieder etwas Normalität in die Welt ein – dort beginnt unser Abenteuer.

Als kleiner Junge erforschen wir eine Höhle, die sich vor uns aufgetan hat und aus der Erde lugt. Schnell merken wir, dass es hier nicht mit rechten Dingen vor sich geht. Am Ende flieht der Junge und wir begrüßen ihn Jahre später als Kommandant über das Heer wieder. Dieser Kommandant will nun den Turm erforschen, den er als kleines Kind entdeckt hat.

Dazu bekommt er vom König eine Handvoll Recken zur Verfügung gestellt, die er mit auf die Reise nimmt. Genau genommen: Der Kommandant selbst bleibt draußen, weil seine Mannen (und Frauen) ihn nicht der Gefahr aussetzen wollen. Damit haben sie auch nicht so unrecht. Denn der Turm birgt viele Gefahren – aber auch viele Geheimnisse.

Entdecken und Verteidigen

Im Mittelpunkt stehen die taktischen Kämpfe, zu denen ich gleich komme. Zwischen den Kämpfen lauft ihr mit eurer Truppe umher, sammelt Gegenstände ein und erkundet die Gegend. Die Geschichte wird euch neben lockeren Gesprächen zwischen den Charakteren auch anhand von Fundstücken erzählt.

Apropos Gespräche: Durch Gespräche mit euren Teammitgliedern könnt ihr sogar Einfluss auf deren Leistung nehmen. Ihr könnt nämlich eure Truppe so manipulieren, dass sie eurer Ansicht ist. Das schlägt sich am Ende auch auf die Werte der einzelnen Charaktere nieder – eine nette Mechanik, die angenehm funktioniert.

Aber kommen wir mal zur Action: Sobald ihr auf Gegner trefft, wechselt das Spiel in den Kampf-Screen. Zunächst dachte ich an rundenbasierte Gefechte, wie ich sie aus „Final Fantasy“ und Co. kenne. Aber nix da! Vielmehr erinnert das Ganze an die Kämpfe aus „Might&Magic“ – was mich echt überrascht hat. Doch noch mehr: Die Kämpfe laufen eben nicht rundenbasiert ab, sondern in Echtzeit. Lasst mich das kurz erklären.

Taktisch fordernd

Sobald der Kampf losgeht, stehen eure Helden meist links auf dem Feld. Ihr könnt sie auswählen und mit Ihnen (langsam) über die Karte laufen. Sobald sie auf Feinde treffen, kämpfen sie automatisch los, sofern ihr ihnen nicht andere Befehle gegeben habt. Nahkämpfer schickt ihr besser direkt an die Front, während Magier oder Supporter von weiter hinten agieren sollten.

Dabei hat jeder Charakter aber auch einige Spezialattacken, mit denen er den Kampfverlauf beeinflussen kann. Anfangs dürft ihr Salven aus Pfeilen verschießen, blockierende Mauern setzen oder magische Geschosse abfeuern. Im weiteren Spielverlauf, wenn mehrere Teammitglieder hinzu kommen, werden die Möglichkeiten auch breiter gefächert. Kurz gesagt: Für Taktiker ist „Tower of Time“ ein Fest!

Die Charaktere und deren Ausrüstung könnt ihr natürlich auch individuell bearbeiten – was auch bitter notwendig ist. Denn Erfahrungspunkte gibt es keine. Ihr entwickelt eure Recken in Stützpunkten weiter, die ihr mit dem sauer verdienten Gold erbaut. Blaupausen erlauben euch das Craften von neuen Gegenständen, die ihr ebenfalls weiterentwickeln dürft.

Da dieser Prozess aber wirklich komplex ist, gehe ich nicht weiter darauf ein. Doch keine Sorge: Ihr bekommt alles im Detail erklärt. Macht euch also darauf gefasst, dass ihr sehr viel Zeit in diesen Charakter- und Item-Menüs verbringen werdet.

Spreche Deutsch?

Einen kleinen Schatten wirft allerdings die deutsche Synchronisation auf das Gesamtbild. Denn immer wieder ist es mir passiert, dass ich teilweise nicht genau verstanden habe, was meine Akteure eigentlich meinten. Das lag daran, dass wohl google-Translate teilweise den Job übernommen hat. Aber wirklich wild wird es nie. Nur leider geht dabei immer mal wieder was von der Atmosphäre flöten – echt schade.

Grafisch macht „Tower of Time“ ebenfalls einen soliden Eindruck. Zu den Berichten über Frameraten-Einbrüchen auf der PS4 kann ich nichts sagen – meine Xbox One Version lief tadellos. Für mich spielt „Tower of Time“ in der oberen Mittelklasse der Grafikliga.

Alles sehr stimmig und durch die verschiedenen Etagen des Turms immer wieder abwechslungsreich. Denn jede Etage verschlägt euch in ein anderes Setting, was manchmal für Überraschungen sorgt. Weiter hinterfragen sollte man das allerdings nicht.

Fazit

„Tower of Time“ ist ein Brett von einem Rollenspiel: Insgesamt sehr unterhaltsam und gut gemacht. Aber auf der anderen Seite auch etwas sperrig, bis man drin ist. Hinzu kommt der knallharte Schwierigkeitsgrad. Ich kann also verstehen, dass nicht jeder begeistert sein wird.

Wer sich jedoch etwas mit der Charaktergestaltung und der Aufwertung der Ausrüstung beschäftigt, wird schnell Fan dieses Spiels werden. Denn „Tower of Time“ bietet so viele Möglichkeiten und meiner Ansicht nach einen frischen Ansatz bei den Kämpfen. Wäre jetzt noch die deutsche Übersetzung besser, gäbe es wenig Gründe, warum ihr hier nicht einmal reinschauen solltet.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: evehor.com/toweroftime